Sendedatum: 26.01.2014 19:30 Uhr  | Archiv

Zeitreise: Der Blaubart von Fehmarn

Bild vergrößern
Arwed Imiela schweigt in seinem Prozess: Kein Geständnis. Keine Reue.

Fehmarn 1970: Der Fund grausam zerstückelter Frauenleichen erschüttert die Einwohner der Ostseeinsel. Der Millionär Arwed Imiela ist Pächter des Jagdreviers, auf dem die Leichenteile gefunden wurden. Und es sind noch mehr Frauen verschwunden, mit denen er Kontakt gehabt hat. Arwed Imiela ist Astrologe und für viele seiner Kundinnen nicht nur Lebens-, sondern auch Vermögensberater. Schnell fassen seine wohlhabenden Klientinnen zu ihm Vertrauen und ernennen ihn zum Generalbevollmächtigten. Arwed Imiela wickelt die Frauen um den Finger, er hat Charme, Manieren und Charisma, berichten noch heute diejenigen, die ihn kannten.

Die Spuren führen nach Fehmarn

Als sich bei einer Transaktion von 150.000 D-Mark die Unterschrift der Kontoinhaberin exakt deckt mit anderen Schecks, wird ein Bankangestellter skeptisch. Im April 1970 wird Arwed Imiela daraufhin wegen Betrugsverdacht festgenommen. Die Spuren führen die Polizei nach Fehmarn, wo Arwed Imiela in Marienleuchte einen Bungalow gemietet hatte. Der Tankwart erinnert sich, für den passionierten Jäger Imiela eine Grube gegraben zu haben. Angeblich für Tierkadaver, um Füchse für die Jagd anzulocken. Die Polizei untersucht die Grube in Gahlendorf und entdeckt die Leichenteile. Es sind die sterblichen Überreste der Tante und Cousine von Arwed Imielas Verlobten. Und es sind offenbar nicht die ersten Morde, die Imiela begangen haben soll.

Morde aus Habgier

Bereits 1968 waren zwei Frauen verschwunden, die er erst astrologisch und dann finanziell beraten hat. Die Frauen waren mit ihm auf Fehmarn, dann sind sie plötzlich verschwunden. Es kommt zu einem der spektakulärsten Mammutprozesse der 1970er Jahre. 250 Zeugen werden gehört, mehr als 50 Verhandlungstage sind anberaumt. Inzwischen trägt Imiela in der Boulevardpresse den Namen "Der Blaubart von Fehmarn". Das Gericht glaubt dem Angeklagten nicht und ist der Auffassung, Imiela habe aus Habgier gemordet. Er schweigt beharrlich. Am 24. Mai 1973 verurteilt das Gericht Arwed Imiela wegen vierfachen Frauenmordes zu einer lebenslänglichen Freiheitsstrafe. Arwed Imiela ist damals 43 Jahre alt.

Stoff für einen Kriminalroman

Am 3. Juni 1982 stirbt Arwed Imiela in der JVA Hamburg-Fuhlsbüttel. Bis zuletzt gibt es keine Erklärung von ihm. Kein Geständnis. Keine Reue. Er nimmt alle Lügen mit ins Grab. Die Leichen seiner ersten beiden Opfer wurden nie gefunden. Jahrzehnte nach der Tat schreibt die Fehmanerin Nadine Witt jetzt einen Kriminalroman über den Fall. Die Grube, in der die Leichenteile gefunden wurden, ist auf ihrem Grundstück. Der Fall zieht sie in den Bann. Auch der Tankwart von damals, der die Grube gegraben hat, erinnert sich und schildert dem Schleswig-Holstein Magazin seine Eindrücke. Seine damalige Verlobte wird wohl Zeit ihres Lebens rätseln, warum Arwed Imiela betrogen, gelogen und gemordet hat. Sie ist heute 68 Jahre alt und hat sich bereit erklärt, mit uns zu sprechen.

In unserer Zeitreise erzählen wir die Geschichte des Frauenmörders aus den 1970er Jahren: "Der Blaubart von Fehmarn".

Weitere Informationen

Zeitreise: Die Todesfahrt von "U 550"

Es war seine Jungfernfahrt: Das deutsche U-Boot "U 550" sollte im 2. Weltkrieg vor der US-Küste für Angst und Schrecken sorgen. Doch es kam ganz anders. Überlebende erinnern sich. mehr

Zeitreise: Speedway-Weltmeister Egon Müller

Die "Zeitreise" erzählt vom rastlosen Leben des norddeutschen Ausnahmesportlers Egon Müller. mehr

Zeitreise: Die Retter aus der Luft

Wenn der einzige Weg im Notfall durch die Luft führte, waren sie zur Stelle: die Hubschrauberbesatzungen des Marinefliegergeschwader 5 in Kiel-Holtenau. mehr

Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 26.01.2014 | 19:30 Uhr