Sendedatum: 05.11.2017 19:30 Uhr

Zeitreise in die Stadt der Schallplatte

In der "Stadt der Schallplatte" Nortorf befand sich Teldec. Dort wurden mehr als 850 Millionen Schallplatten produziert. Mitte der 1960er-Jahre waren in der Fabrik über 1.000 Menschen beschäftigt.

Nortorf war einmal ein Zentrum der Schallplatten-Produktion. Mehr als 850 Millionen Schallplatten sind dort produziert worden. Mittlerweile ist das Stück Musikgeschichte aus Schleswig-Holstein verschwunden, doch an die Anfänge gibt es noch Erinnerungen. "Wie die Mitarbeiter der Telefunken es geschafft haben, ihr Archiv aus dem Erzgebirge, aus der sowjetisch besetzten Zone, in das kleine Städtchen Nortorf auf der holsteinischen Geest zu schmuggeln, kann man heute gar nicht genau sagen", meint Lutz Bertram. Er ist der Vorsitzende eines Fördervereins, der das musikalische Erbe der Stadt wachhalten möchte. In Nortorf entdeckten die Mitarbeiter der Telefunken 1947 eine vom Krieg unversehrt gebliebene Lederfabrik mit einigen Pressen. Bereits ein Jahr später pressten sie statt Leder nur noch Schellackplatten. Am Anfang waren es nur Vorkriegsaufnahmen aus dem geretteten Archiv. 24.000 Schallplatten produzierten die 18 Mitarbeiter.

Produktion nahm stetig zu

Zwei Jahre später waren es bereits eine Million Platten. Und es ging weiter aufwärts. Viele Millionen Schallplatten verließen schließlich die Teldec-Werke, wie die Fabrik seit dem Zusammenschluss der deutschen Telefunken mit der britischen Decca hieß. Nortorf erhielt bald in der Bundesrepublik Deutschland den Ehrennamen "Stadt der Schallplatte". Und die Fabrik wuchs. Hallen wurden gebaut, Arbeiter eingestellt. Mehr als 1.000 Menschen waren bei Teldec Mitte der 1960er-Jahre beschäftigt. Rund um die Fabrik wuchs die Stadt, Straßen wurden sogar verlegt, damit Teldec ungestört wachsen konnte.

Stars gaben sich die Klinke in die Hand

Auch die Künstler kamen nach Nortorf - zum Beispiel Vico Torriani, Caterina Valente, Peter Maffay und die Band Karat. Udo Lindenberg schrieb ins Gästebuch "Keine Panik". Gleich daneben ein Bild von sich mit holsteinischen Kühen. Wenig später aber war dann doch "Panik" angesagt.

Teldec-Niedergang durch Compact Disc

Der Siegeszug der CD begann. Die Schallplatte hatte offensichtlich ausgedient. Die Teldec wurde an den Time-Warner-Konzern verkauft, die die Fabrik allerdings vor allem wegen ihres Musikarchivs gekauft hatte. Damit begann auch der Niedergang der Teldec. An dem Ort, an dem früher die Fabrikhallen standen, in denen die Musik für die Bundesrepublik hergestellt wurde, steht ein Einkaufszentrum. In unserer Zeitreise erzählen wir von der großen Zeit der Schallplatte in einer kleinen holsteinischen Stadt mit alten Aufnahmen und Filmausschnitten.

Archiv
Dampflokomotive aus dem 19. Jahrhundert. © dpa - report Foto: Votava

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 05.11.2017 | 19:30 Uhr