Sendedatum: 14.04.2019 19:30 Uhr

Zeitreise: Flüchtlinge revolutionierten die Milchwirtschaft

von Thomas Kahlcke

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Die niederländischen Glaubensflüchtlinge revolutionierten die Milchwirtschaft in Schleswig-Holstein.

Es ist eine Zeit der Umbrüche: Das 17. Jahrhundert hat für viele Niederländer drastische Folgen. Einerseits entwickelt sich ihr Land zu einer erfolgreichen Wirtschaftsnation, andererseits herrscht religiöse Intoleranz. Ganze Bevölkerungsgruppen werden wegen ihres Glaubens verfolgt: So wandern viele Menschen aus. Da Schleswig-Holstein ihrer Heimat in vielem ähnelt, wird es ein bevorzugtes Einwanderungsland, zumal der hier herrschende dänische König das Potential der technisch weit entwickelten Niederländer erkennt. Er bietet ihnen religiöse Freiheit und setzt sich für ihre Ansiedlung ein, um das Land voranzubringen.

Frau bei der Arbeit

Wie Milchbauern von Flüchtlingen profitierten

Schleswig-Holstein Magazin -

Dass das holländische Wissen über die Butterproduktion auch in Schleswig-Holstein ankam, verdanken wir Flüchtlingen - wie eine Ausstellung im Stormarnschen Dorfmuseum zeigt.

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Bauern in Schleswig-Holstein profitierten von den "Holländern"

Und tatsächlich bringen die Niederländer Fertigkeiten mit, von denen die Menschen hierzulande profitieren. Deichbau, Entwässerung, Mühlen. Die Niederländer sind den Norddeutschen in vielem voraus - auch in der Milchwirtschaft. Bis dahin produzieren die Bauern hierzulande Milch und Milchprodukte vor allem für den Eigenbedarf. Die Niederländer aber krempeln nun das ganze Metier um. Sie pachten von den Bauern das Milchvieh, züchten neue Rassen und verarbeiten die Milch viel effektiver, als es bislang der Fall war. Butter und Käse werden nun in großem Stil verkauft, davon profitieren auch die schleswig-holsteinischen Bauern. "Holländer" wird eine im ganzen Land verbreitete Berufsbezeichnung für Milchverarbeiter.

Erfolg für Weidewirtschaft mit Folgen

Ihre Geräte haben die Niederländer mitgebracht, zum Beispiel für die Buttererzeugung. Den Gebrauch allerdings überliefern sie nur mündlich, um ihr Wissen zu schützen und die drohende Konkurrenz möglichst klein zu halten. Der Erfolg hat Konsequenzen. Da sie nun mit Milchvieh viel Geld verdienen können, stellen immer mehr Bauern ihre Betriebe von Getreideanbau und Ochsenmast auf Weidewirtschaft um. Jahrhundertelang prägen niederländische Glaubensflüchtlinge und ihre Nachfahren so die Landwirtschaft in Schleswig-Holstein. Noch heute können viele Familien hierzulande ihre Namen auf eine niederländische Herkunft zurückführen.

Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 14.04.2019 | 19:30 Uhr