Sendedatum: 26.04.2020 19:30 Uhr

Schloss Heiligenstedten - Das herrenlose Herrenhaus

von Maik Vukan

Es liegt direkt hinter dem Deich der Stör, am westlichen Stadtrand von Itzehoe: das Schloss Heiligenstedten. Früher der Mittelpunkt eines adeligen Gutes und daher genau genommen eigentlich ein Herrenhaus. Aber irgendwie hat sich die Bezeichnung "Schloss Heiligenstedten" seit Jahrzehnten durchgesetzt. Und auch Hans Hermann Fiedler spricht gerne vom weißen Schloss an der Stör. Der Makler will den langen Dornröschenschlaf der Immobilie beenden und sucht einen Käufer. Geboten werden 1.600 Quadratmeter Wohnfläche auf vier Etagen mit zahlreichen Bädern vom Souterrain bis zum Dachgeschoss, hohe Decken und sogar ein Pool im Garten. Dazu 30.000 Quadratmeter Grundstück. 1,6 Millionen Euro soll das außergewöhnliche Objekt kosten. Die interessante Historie gibt es gratis dazu.

Zeitreise: Das herrenlose Herrenhaus

Schleswig-Holstein Magazin -

Es liegt direkt hinterm Deich der Stör, am westlichen Stadtrand von Itzehoe: das Schloss Heiligenstedten. Es hat eine bewegte Geschichte und es wird gerade ein neuer Besitzer gesucht.

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Ein Preetzer Baumeister am Werke

Auf Gut Heiligenstedten waren seit dem 14. Jahrhundert verschiedenste Adelsfamilien ansässig. Das erste Herrenhaus muss hier um 1583 gebaut worden sein, wie der Kunsthistoriker Gerald Henseler für sein Buch über Schloss Heiligenstedten recherchiert hat: "Das Gebäude, so wie man es heute sieht, ist 1851 gebaut worden. Beziehungsweise aufgestockt worden auf einen klassizistischen Vorgängerbau." Adolf Blome hat sich dieses Herrenhaus für seine adelige Familie umbauen lassen, von einem Architekten und Maurermeister aus Preetz: Joseph Eduard Mose. Das Herrenhaus ist noch heute weitgehend so erhalten. Gleiches gilt auch für den Burggraben, der das Gebäude umgibt. 

Makler schwärmt von hohen Decken

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Der Makler Hans Hermann Fiedler bezeichnet den ehemaligen Empfangsbereich des Schlosses Heiligenstedten als den besten Raum des Hauses.

Wenn Makler Hans Hermann Fiedler Kaufinteressenten durch das Haus führt, kommt er schon im Eingangsbereich ins Schwärmen: "Durch den Haupteingang gelangt man direkt in ein zweiflügeliges, repräsentatives Treppenhaus in einer riesigen Halle, die schön ausgeleuchtet wird durch die neugotischen Fenster." Im Hochparterre schließen sich helle, große Räume an: der ehemalige Empfangsbereich des Schlosses. "Mit viereinhalb Meter Deckenhöhe", erklärt Fiedler. "Wer das nicht als Firmensitz nutzen möchte, sondern für sich privat, kann hier wunderbar ein Esszimmer oder eine Bibliothek einrichten."

Leerstand seit mehr als 20 Jahren

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Schloss Heiligenstedten steht nun seit mehr als 20 jahren leer und befindet sich dennoch in einem sehr guten Zustand.

Obwohl das Objekt schon seit zwei Jahrzehnten nicht mehr genutzt wird, machen die Räume noch einen sehr guten Eindruck. Hier scheint bei der letzten Renovierung eine Menge Geld investiert worden zu sein, vermutet der Makler. "Das ist sehr geeignet als Sitz für eine repräsentative Firma, Kanzlei oder Agentur", sagt Hans Hermann Fiedler. "Aber man könnte auch sechs Eigentumswohnungen daraus machen." Für ein solches Konzept gebe es sogar schon eine Genehmigung des Kreises Steinburg und auch von der Denkmalschutzbehörde, erläutert der Immobilienfachmann.

Wechselhafte Geschichte über viele Jahrzehnte

Die Recherchen des Kunsthistorikers Gerald Henseler haben ergeben, dass der Adel das Gut nach dem Ersten Weltkrieg an die Provinz Schleswig-Holstein abgegeben hat: "Erst wurde es als Jugendheim genutzt, im Zweiten Weltkrieg dann als Lazarett. Danach als Flüchtlingsunterkunft". Schließlich wurde es zu einem Altenheim, das Ende der 1980er Jahre aber in Konkurs ging.

Von Hausbesetzern und Hotelplänen

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Im November 1988 wird das Schloss für einige Zeit von jugendlichen Hausbesetzern eingenommen.

Ende November 1988 übernahm eine Gruppe junger Hausbesetzer das Objekt. Das gehörte zu dieser Zeit noch immer dem Land Schleswig-Holstein. Die Besetzer wollten Schloss Heiligenstedten renovieren und dann als Kulturzentrum nutzen. Dafür forderten sie finanzielle Unterstützung aus Landesmitteln. Obwohl Heide Simonis als damalige Finanzministerin in Kiel den Ideen der jungen Leute sehr aufgeschlossen gegenüber stand, wurde aus den Plänen nichts. Lokalpolitiker im Kreis Steinburg fürchteten mögliche Verbindungen zur Hausbesetzer-Szene in der Hamburger Hafenstraße und wollten Auseinandersetzungen verhindern. Schließlich wurde ein Investor auf das Herrenhaus aufmerksam, sanierte es vollständig und eröffnete eine Werbeagentur, ein Hotel und ein Restaurant.

Aber auch diese Unternehmung scheiterte und endete in der Insolvenz. Nach mehr als zwei Jahrzehnten Dornröschenschlaf wartet das weiße Schloss am Deich der Stör nun auf einen neuen, finanzkräftigen Visionär.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 26.04.2020 | 19:30 Uhr