Sendedatum: 30.06.2019 19:30 Uhr

Zeitreise: Kontaktlinsen made in Schleswig-Holstein

von Kati Bochow

Er sah als Kind sehr schlecht. Die Gläser seiner dicken Brille hatten mehr als acht Dioptrien. Ohne Brille konnte Heinrich Wöhlk vor allem Gegenstände in der Nähe nur unscharf wahrnehmen. Schwimmen und andere Sportarten waren für ihn schon als Kind nur schwer möglich. Die schwere Brille nervte ihn. Eine gute Alternative gab es nicht. Es gab zwar ab 1936 schon Linsen, aber aus Glas und untragbar. Das wollte Wöhlk ändern und fing irgendwann an, in der Gartenlaube zu tüfteln.

Mit Wachs zu Kontaktlinsen

Heinrich Wöhlk hatte eine Idee: Er rollte sehr dünne Wachsplättchen aus, die er dann auf seinen Augapfel legte. Dann erwärmte er die Augen mit einer Wärmelampe, das Wachs wurde weich und passte sich der Augenform an. Um es dann schnell auszuhärten, tauchte er seinen Kopf gleich darauf in Eiswasser. Die Wachsplättchen wurden sofort hart und er hatte einen Abdruck. Allerdings zerbrachen sie häufig beim Herausnehmen, sodass Wöhlk den mühsamen Vorgang mehrmals wiederholen musste, um brauchbare Vorlagen zu bekommen.

Vom Prototypen zum Patentamt

Für seine Kontaktlinsen verwendete Wöhlk dann Plexiglas, aber auch sie konnte man nicht lange auf dem Auge behalten - viel zu groß waren die Linsen. Um dieses Problem zu lösen, kam Heinrich Wöhlk darauf, den mittleren Teil, der auf der Iris sitzt, herauszuschneiden. Aber würde eine so viel kleinere Linse auch auf dem Auge halten? Wöhlk schliff die Ränder dieser kleinen Linse sorgfältig, rundete sie ab, setzte sie ins Auge und merkte sofort: Das war die entscheidende Idee. Er konnte diese Linse stundenlang tragen und gut damit sehen. Die Kontaktlinse war erfunden - das war 1946. Doch dann das nächste Problem: Als er endlich die Kontaktlinse entwickelt hatte, fehlten ihm aber die gut hundert Mark für den Patentanwalt. Doch er gab nicht auf - machte trotzdem weiter: In seiner Wohnung entstand die erste kleine Fertigung. Die Maschinen baute Wöhlk selbst. In der Nachkriegszeit waren die Einkünfte noch gering. Aber dann kam der Aufschwung: In den Sechzigerjahren entstand ein großes Ladengeschäft in der Kieler Innenstadt, ab den Siebzigerjahren fand die Fertigung in einer neuen Fabrik außerhalb von Kiel statt.

Wöhlk wurde Marktführer

Von nun an eroberten die modernen Kontaktlinsen die Welt. Heute tragen Millionen Menschen Kontaktlinsen. Heinrich Wöhlk wollte immer besser werden, war immer auf der Suche nach Innovationen. Und genau diesem Geist ist die Firma - fast 30 Jahre nach seinem Tod - noch immer verbunden. In Schönkirchen (Kreis Plön) forschen und entwickeln Ingenieure, Physiker, Chemiker und Software-Entwickler noch immer die Kontaktlinse weiter. Sie arbeiten an neuen Herstellungsverfahren und erfinden neue Produkte: Kontaktlinsen mit schonendem Randprofil, Materialien mit beständigem UV-Schutz oder eine Linse als Medikamententräger. Heute ist die Firma Marktführer im Bereich individuell angepasster Linsen.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 30.06.2019 | 19:30 Uhr

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