Sendedatum: 20.01.2019 19:30 Uhr

Zeitreise: Kieler Schiffe für die UdSSR

von Karl Dahmen

Die Sektkorken knallten, der Kaviar stand auf dem Tisch und bei den Howaldtswerken in Kiel waren die Auftragsbücher prall gefüllt. Alles wegen Aufträgen von Sowjetrussen. 1965 zum Beispiel war jeder dritte Neubau für die Sowjetunion gedacht, bestellt von der Sowjetischen Außenhandelsgesellschaft. Auf der Kieler Förde wurden die Schiffe an den neuen Eigner übergeben, geschmückt mit Hammer und Sichel.

Ein Schornsteinrohr eines auf der Howaldt-Werft in Kiel gebauten Schiffes trägt Hammer und Sichel an der Seite. © NDR

Zeitreise - Howaldt und die Sowjetunion

Schleswig-Holstein Magazin -

Mitten im Kalten Krieg baut die Howaldt-Werft in Kiel mehrere Fischtrawler für die Sowjets. Wie diese Zusammenarbeit funktioniert und welche Besonderheiten es dabei gegeben hat, erfahren Sie in unserer Zeitreise.

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Keine deutsch-russische Freundschaft

Insgesamt wurden 38 Schiffe an die Sowjetunion geliefert: vom einfachen Fischtrawler über Fabrikschiffe bis zum Walfang-Mutterschiff. Und Howaldt machte einen Millionengewinn.

Ernst Bergmann war von Anfang an dabei. Er hatte bei den Howaldtswerken gelernt und 1952 eine Stelle als Maschinenschlosser auf der Werft angenommen. Er war mit seinen Kollegen für den Heizungsraum zuständig. Der erste Fischtrawler hieß "Puschkin". Die Werft lieferte ihn pünktlich ab. 24 andere Trawler, alle für die Sowjetunion, folgten.

Mit den russischen Arbeitern und Inspektoren auf der Werft hatten die deutschen Werftarbeiter außerhalb der Arbeit keinen Kontakt. Bergmann erzählt, die Russen gingen in kleinen Gruppen in die Stadt und hatten immer einen Aufpasser dabei. Freundschaften konnten so nicht entstehen.

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Als das Walfangmutterschiff "Wladiwostok" nach der großen Sturmflut kentert, haben die Howaldtswerke eine Krise.
Vom Erfolg in die Krise

In den 1960er-Jahren entwickelte Howaldt einen ganz neuen Schiffstyp für Moskau: eine Art Fischverarbeitungs-Mutterschiff. Die neuen Schiffe fingen selbst keinen Fisch mehr. Trawler brachten ihn direkt zu den schwimmenden Fabriken auf dem Meer. Der erste Schiffstyp, der die Meere industriell ausbeutete.

Eine der Neubauten, das Walfangmutterschiff "Wladiwostok", hatte 1962 zu einer schweren Krise geführt: Durch die große Sturmflut im Februar kenterte das Schiff am Kai von Howaldt. Dabei wurden hunderte Arbeiter verletzt, ein Werftarbeiter starb. Und die Geschäftsleitung ordnete "abnormale Überstundenleistungen" an, damit alle Aufträge fristgerecht eingehalten werden konnten - das kostete.

In unserer Zeitreise erzählen wir von dieser Zeit, als Hammer und Sichel auf Schiffen in Kiel wehten.

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