Zeitreise: Einzigartiger Kunstschatz in Lübeck

Sendedatum: 21.02.2021 19:30 Uhr

Seit mehr als 500 Jahren ein einzigartiger Kunstschatz für die Hansestadt: das Triumphkreuz von Lübeck. Einst gebaut von einem der bedeutendsten deutschen Künstler des Mittelalters, Bernt Notke.

17 Meter ist es hoch, 70 Figuren stehen, hocken und knien auf und an ihm und seit mehr als 500 Jahren ist es einer der großen Kunstschätze im Lübecker Dom: das Triumphkreuz von Bernt Notke. Er gilt als einer der bedeutendsten deutschen Künstler des Mittelalters und das Triumphkreuz ist sein Hauptwerk. Manche fahren nach Lübeck, nur um es sich anzusehen, wie andere nach Rom reisen, für einen Blick auf die "Pieta" von Michelangelo im Petersdom. Aber das Kreuz war immer wieder gefährdet, durch das Wetter, durch die Bilderstürmer der Reformation und durch Kriege.

Das Triumphkreuz brennt

Wie zum Beispiel am 29. März 1942. In der Nacht flogen mehr als 230 britische Bomber drei Angriffe gegen die Hansestadt. 25.000 Brandbomben fielen auf den mittelalterlichen Stadtkern. Auch der Dom wurde getroffen, die Türme und das Dach stürzten ein - mitten in den Flammen das Lübecker Triumphkreuz. Es fing sogar an zu brennen. Noch heute kann man die Brandspuren der Bombennacht finden, aber wie durch ein Wunder erloschen die Flammen. Das Kreuz konnte aus dem Schutt geborgen werden. Und beim Aufbau des schwer beschädigten Doms hing es wieder mitten in der Kirche.

Die Rettung des Kreuzes

Das Triumphkreuz ist so etwas wie der "Liebling" der Restauratorin Maire Müller-Andrae. Einmal im Jahr kontrolliert sie seinen Zustand, schaut nach Schäden, entfernt Staub und Schmutz. Vor einigen Jahren hat sie das Kreuz restauriert. Sie hat die hohe Qualität des Kunstwerks gesehen, die Meisterschaft von Bernt Notke und seiner Gehilfen erkannt. Sie hat die vielen Veränderungen gesehen: Übermalungen, stümperhafte Ausbesserungen. Aber auch die Spuren bemerkt, mit der das Triumphkreuz vor 50 Jahren gerettet worden ist. Restauratoren hatten mit völlig neuen Mitteln den Kampf mit den Verwüstungen der Zeit aufgenommen und vor allem den starken Befall des Eichenholz durch Holzkäfer behandelt, die dem Kreuz arg zugesetzt hatten.

Sensation im Dom

Aber sie haben auch eine Sensation entdeckt. Als die Rückwand der Johannes-Figur abgenommen wurde - sie gehört zu den lebensgroßen Figuren neben dem Kreuz - fand man im Inneren einen Zettel, auf dem mitgeteilt wurde, dass Bernt Notke und seine Gehilfen tatsächlich das Kunstwerk geschaffen haben. Denn das war bisher nur eine Annahme gewesen. Der Beweis war ein Glücksgriff der Restauratoren, ein Zufallsfund, der Begeisterung auslöste.

Von 1972 bis 1978 hat die Restaurierung gedauert und die enorme Summe von einer Million D-Mark gekostet. Maire Müller-Andrae ist sich sicher, dass das Geld für das einzigartige Kunstwerk gut angelegt war. Denn eigentlich ist es unbezahlbar und ein Schatz, für dessen Erhalt die Menschen in Lübeck sehr viel getan haben.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 21.02.2021 | 19:30 Uhr

Das restaurierte Triumphkreuz im Inneren des Lübecker Doms. © NDR

Das Triumphkreuz im Lübecker Dom

Der Kunstschatz von Bernt Noltke befindet sich seit über 600 Jahren im Besitz des Lübecker Doms. Bildergalerie