Zeitreise: Eine Dorfchronik in schwieriger Zeit

Stand: 20.06.2021 19:30 Uhr

Fiefbergen (Kreis Plön) ist eine kleine Gemeinde in der Probstei. Um den Nachkommen das gegenwärtige Leben näher bringen zu können, hilft eine Dorfchronik, die Ende 1930er Jahre entstand.

von Thomas Kahlcke

Wo kommen wir her? Wo liegen unsere Wurzeln? Wie bestimmt unsere Geschichte unser gegenwärtiges Leben? Es gibt viele Möglichkeiten, auf diese Fragen Antworten zu finden. Für ein Dorf besteht eine Möglichkeit darin, die Vergangenheit erforschen und eine Chronik schreiben zu lassen. Das war das Vorgehen des Ortes Fiefbergen in der Probstei. Ende der 1930er-Jahre gab Fiefbergen bei einem Lehrer eine Dorfchronik in Auftrag. Noch heute, mehr als 80 Jahre später, ist diese Chronik ein spannendes Dokument.

Schatz mit besonderem Beigeschmack

Denn das riesige Buch - kiloschwer und handgeschrieben - hat einige Besonderheiten aufzuweisen. Vor allem die Fotos. Lehrer Wilhelm Röhlk, der die Chronik verfasste, war mit dem Fotografen Theodor Möller befreundet. Ihn konnte der Chronist dafür gewinnen, hochwertige Fotos aus Fiefbergen beizusteuern. Sie sind ein großer dokumentarischer Schatz - aber ein Schatz mit einem besonderen Beigeschmack. Das kann man derzeit in einer Ausstellung über die Dorfchronik Fiefbergens und ihre Fotos im Probstei-Museum im benachbarten Schönberg entdecken.

Landleben anno dazumal

Denn Theodor Möllers Bilder zeigen den Ort nicht unbedingt realistisch, sondern so, wie der Fotograf ihn sehen und zeigen wollte. Theodor Möller stand der Moderne, dem Fortschritt äußerst skeptisch gegenüber. Selbst auf einem Hof groß geworden, idealisierte er das einfache, das vorindustrielle Landleben, wie er es selbst noch erlebt haben mag. Beengtes Zusammenleben und hygienische Probleme, bäuerliche Hierarchie und ländliches Proletariat: All diese Dinge, die in seiner Jugend auch zum Landleben gehörten, ignorierte er. Und er hielt systematisch modernere Höfe und die Industrialisierung der Landwirtschaft aus seinen Bildern heraus.

1939 entstanden und trotzdem keine Nationalsozialisten

Das muss man wissen, wenn man die Bilder in der Chronik Fiefbergens betrachtet. Dann kann man die hochwertig komponierten Fotos der alten Höfe, der Meierei und der Post, der Schule und des Gasthauses richtig einordnen und genießen. Aber noch etwas fällt auf den Bildern und im Text der Chronik auf: Obwohl sie 1939 entstand, haben die Nationalsozialisten - immerhin damals bereits seit sechs Jahren an der Macht - kaum Spuren darin hinterlassen. Dabei ist doch bekannt, dass deren Ideologie in Schleswig-Holstein schon früh viele Anhänger hatte.

Die Geschichte Fiefbergens, Theodor Möllers Bilder und die Dorfchronik von 1939: unsere Zeitreise.

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Dampflokomotive aus dem 19. Jahrhundert. © dpa - report Foto: Votava

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Schleswig-Holstein Magazin | 20.06.2021 | 19:30 Uhr

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