Sendedatum: 19.10.2014 19:30 Uhr  | Archiv

Zeitreise: Ein Jahr nach Sturmtief "Christian"

Ein umgestürzter Baum hängt zwischen Bäumen im Wald © NDR Foto: Christian Nagel
Nach Sturmtief "Christian" lagen in Schleswig-Holsteins Wäldern mehr als zehn- bis zwölfmal so viele Bäume, wie normalerweise geschlagen werden.

Es ist ein Jahr her, als das Sturmtief Christian über unser Land hinwegfegte. Als am Nachmittag des 28. Oktober 2013 in kurzer Zeit drei Menschen starben, Häuser zerstört wurden, der Verkehr zum Erliegen kam und große Bäume reihenweise wie Streichhölzer umknickten. Wir haben uns auf Spurensuche gemacht - haben die Menschen besucht, die damals am schlimmsten betroffen waren.

Gebrüll der durstigen Kühe

Zum Beispiel den Landwirt Christian Hinrichs auf Eiderstedt. Bis zu diesem Tag hatte er an einer der schönsten Alleen der Halbinsel gewohnt - binnen weniger Minuten lagen alle Bäume quer auf der Straße. Was dann geschah, bleibt ihm immer in Erinnerung: Die Baumwurzeln hatten die Wasserleitungen zerstört, er konnte seine Milchkühe nicht mehr tränken. Zum Geheul des Windes kam bald das Gebrüll seiner durstigen Tiere.

Angst vor dem Wind

Oder Elisabeth und Heiner Schwensen aus Langballig. Sie bekommen heute noch Tränen in den Augen, wenn sie von diesem Sturmtag erzählen: Eine einzige Böe hat das Dach ihrer Scheune abgerissen und es gegen ihr Wohnhaus geschleudert. Der materielle Schaden: 250.000 Euro. Viel schlimmer aber, sagt die 76 Jahre alte Elisabeth, ist die Angst, die sie seitdem vor dem Wind hat. 

Sturm mit ungeheurer Zerstörungskraft

Ingwer Paulsen und seine Eltern haben an diesem Tag alles verloren: Ihr Hof in den Reußenkögen war mitsamt Wohnhaus und Scheune nach "Christian" nur noch Schrott. Vor zwei Wochen ist der junge Landwirt in den Neubau eingezogen, aber auch er wird nachts noch wach, wenn ein heftiger Wind um seine Mauern pfeift. Und im Wald bei Langenhorn zum Beispiel sind die Arbeiten noch lange nicht abgeschlossen: Das dauert mindestens noch 15 Jahre, bis hier wieder Bäume wachsen.

"Christian": Ein Sturm von wenigen Stunden, aber einer mit ungeheurer Zerstörungskraft. Eine Zeitreise, die nur ein Jahr zurückführt in eine Zeit, die das Leben von vielen Menschen nachhaltig verändert hat - bis heute.

Weitere Informationen
Gerhart Baum  (Archivbild vom 14.03.2010) © NDR Foto: Wolfgang Borrs

Zeitreise: Absturz und Rettung von Gerhart Baum

Der FDP-Politiker und ehemalige Bundesinnenminister Gerhart Baum ist in Kiel 1974 nur knapp einer Katastrophe entkommen. Er überlebte ein schweres Hubschrauberunglück. mehr

Ein Bild aus der Bullenzucht von Günther Hofmann in Süderbrarup. © NDR Foto: Screenshot

Zeitreise: Bullensamen für den Frieden

Über 200 Portionen verschenkte tiefgefrorene Bullensamen entwickelte sich ein erträgliches Geschäft zwischen Züchter Günther Hofmann aus Süderbrarup und der UdSSR. mehr

Der Bordhund der "Gorch Fock": Whiskey © NDR Foto: NDR

Zeitreise: Wie geht es der BSE-Whistleblowerin?

Margrit Herbst warnte Deutschland in den 90er Jahren vor einheimischen BSE-Fällen. Die Flensburgerin arbeitete damals als Tierärztin am Schlachthof in Bad Bramstedt. mehr

Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 19.10.2014 | 19:30 Uhr