Zeitreise: Die patronymische Namensgebung

Sendedatum: 14.03.2021 19:30 Uhr

Petersen, Hansen oder Carstensen sind weit verbreitete Nachnamen. Aber hinter ihnen verbirgt sich die "patronymische Namensgebung", vom Vater abgeleitete Namen - ein spannendes Stück Kulturgeschichte.

Auf den ersten Blick erscheint die Sache simpel: Heißt jemand Peter Paulsen, so hat er seinen Nachnamen von einem Vorfahren, der Paul hieß. Wilhelmsen stammt von einem früheren Wilhelm ab, Melfsen von einem Melf. Und so weiter. So weit, so richtig. Aber die Geschichte ist komplizierter.

Keine festen Familiennamen

Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts gab es im Herzogtum Schleswig, also im nördlichen Teil des heutigen Schleswig-Holsteins und im südlichen Dänemark, keine festen Familiennamen. Die Nachkommen wurden stets nach den Vornamen ihrer Väter benannt. Und da beginnen die Komplikationen: Peter Paulsen ist etwa der Sohn von Paul Nissen, der Nachkomme von Nis Mommsen war, dessen Vater Momme Ketelsen hieß. Bei den Frauen wird ein -s an den Vornamen ihres Vaters gehängt. An den Namen kann man also nicht über mehrere Generationen die Verwandtschaftsbeziehungen erkennen.

Verkleinerungsformen oder Spitznamen

Dieses Verfahren führte damals dazu, dass es häufig mehrere Träger des gleichen Namens gab. Damit jeder wusste, von welchem Peter Paulsen etwa die Rede ist, wurden Verkleinerungsformen oder Spitznamen verwendet. Oder der Familienname wurde durch den Beruf oder besondere Eigenschaften ersetzt: Der eine Peter Paulsen wurde, wenn er Gastwirt war, Peter Kröger und der andere infolge eines auffälligen Kopfes Peter Grotkopp genannt. So waren sie besser zu unterscheiden. Aber das waren Namen, die nur in der näheren Umgebung kursierten; in die offiziellen Kirchenbücher fanden sie keinen Eingang.

Dekret des dänischen Königs

Und auch die regionalen Ersatznamen wechselten von Generation zu Generation. Diese uneindeutige, weil sich ständig ändernde Namenssituation führte zu Komplikationen: Steuererhebungen beispielsweise waren schwierig zu organisieren, wenn man in den Verwaltungszentren nicht wusste, wer in einem entlegenen Dorf welchen Namen führte und von wem er abstammte. Deshalb gab der dänische König 1771 ein Dekret heraus, durch das feste Familiennamen eingeführt wurden. Alle Nachkommen von Peter Paulsen mussten von nun an also Paulsen heißen. Allerdings dauerte es noch einmal einige Generationen, bis dieses Dekret auch im letzten Dorf des Herzogtums in die Tat umgesetzt wurde.

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Dampflokomotive aus dem 19. Jahrhundert. © dpa - report Foto: Votava

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