Stand: 05.07.2020 12:37 Uhr

Die Vermessung Dänemarks und die "Braaker Basis"

von Thomas Kahlcke

Vor genau 200 Jahren ist die kleine Gemeinde Braak (Kreis Stormarn) vor den Toren Ahrensburgs ganz groß rausgekommen. Damals befahl der dänische König, dass sein Reich neu vermessen werden sollte: Das Militär brauchte genauere Karten, die Steuerbehörden und die Grundstückseigner benötigten exakt dargestellte Grundstücksgrenzen. Aber eine exakte Vermessung war damals, als man an GPS und Lasermessung noch nicht einmal denken konnte, ein aufwendiges Unterfangen.

Zeitreise: "Braaker Basis" und die dänische Vermessung

Schleswig-Holstein Magazin -

Das war die Aufgabe von Ingenieuren im Jahr 1820: Sie sollten das Königreich Dänemark neu vermessen. Dabei spielte die damals dänische Gemeinde Braak in der Nähe von Ahrensburg eine entscheidende Rolle.

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Exakte Karten dank Triangulation

Das Verfahren lautete: Triangulation. Dabei wird das Land in viele Dreiecke aufgeteilt und in diesen Dreiecken die Winkel und Seitenlängen bestimmt. Daraus lassen sich exakte Karten ableiten. Doch es gab ein Problem: Winkel konnten die Ingenieure damals sehr genau messen, die exakte Messung einer längeren Strecke war allerdings äußerst schwierig. Was die Fachleute damals brauchten, war eine sogenannte "Basisstrecke". Die wurde zur Eichstrecke für das gesamte daraus abgeleitete Dreiecksnetz.

"Braaker Basis" - geeignete Region in Stormarn

Dabei kam die Stormarner Gemeinde Braak ins Spiel. Auf der Suche nach einer möglichst ebenen Fläche, auf der man eine gerade Strecke ohne allzu viele Hindernisse messen konnte, stießen die Ingenieure im Jahr 1820 auf die Region um Braak. Der Ort gehörte damals zum dänischen Gesamtstaat und hatte verhältnismäßig wenige Hügel und Senken, die das Messen erschwerten. Mit geeichten Messstangen von vier Meter Länge, die zum Schutz in einem Holzkasten lagen, schritten die Fachleute die fast sechs Kilometer lange Strecke zwischen zwei vorher festgelegten Messpunkten ab. Die Stangen mussten immer waagerecht auf beweglichen Böcken liegen und durften sich nicht gegenseitig verschieben. Denn nichts durfte die Messung verfälschen - es ging um Millimeter. So schafften die Ingenieure nur 200 Meter pro Tag. Erst im Herbst 1821 wurden sie schließlich mit der Messung der "Braaker Basis" fertig.

Von Braak bis nach Skagen

Nun konnte von dieser Grundstrecke aus durch Triangulation das ganze Dänische Königreich bis hinauf nach Skagen (Jütland, Dänemark) vermessen werden. Und weil die Bestimmung einer Basisstrecke so aufwendig war, wurden von Braak aus auch die Königreiche Hannover und Preußen vermessen. Die beiden 200 Jahre alten Messpunkte gibt es noch heute: Der Südliche steht mitten in einem Kornfeld, der Nördliche befindet sich am Ende eines Privatgartens.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 05.07.2020 | 19:30 Uhr