Sendedatum: 02.02.2014 19:30 Uhr  | Archiv

Zeitreise: Die Kirche im Nationalsozialismus

Die Kirche möchte ihre NS-Vergangenheit aufarbeiten und hat dazu einen Wissenschaftler beauftragt. Eine Erkenntnis seines Buches über die NS-Vergangenheit ist: Nationalsozialismus und Kirche - das passte viele Jahrzehnte gut zusammen. Das Erschreckende: Der Antisemitismus wurde in der Kirche nicht nur geduldet. Selbst der Bischof der Schleswig-Holsteinischen Landeskirche Wilhelm Halfmann war ein bekennender Antisemit.

Erschreckend antisemitische Haltung des Bischofs

Sein Wort hatte Gewicht in Schleswig-Holstein - vor, während und nach dem Krieg. Mit diesem Wort hat er aber häufig seine antisemitische Haltung verkündet. 1936 schrieb Halfmann die umstrittene Schrift "Die Kirche und der Jude" und beschäftigte sich darin mit der so genannten "Judenfrage". Halfmann bezeichnete die Juden als Mörder Christi. Und ging sogar noch weiter, sagt Stefan Linck, Historiker der Landeskirche Schleswig-Holstein: "Halfmann schreibt in seiner Schrift, dass die Juden den Türken die Technik zur Beschaffung von Feuerwaffen gegeben haben, damit sie Wien erobern konnten. Nach Halfmann sind es die Juden gewesen, die Napoleon in den Kriegen entscheidend unterstützt haben, damit er ganz Europa erobern konnte. Und natürlich sind es nach Halfmann die Juden gewesen, deren Zersetzungskraft die Niederlage Deutschlands im Ersten Weltkrieg zu verantworten haben. Das sage ich, ist tief irrational."

Zweifel, aber keine Distanzierung zum NS-Regime

Schon vor dem Zweiten Weltkrieg war der Antisemitismus in Halfmanns Denken tief verwurzelt. Und auch wenn er in privaten Briefen immer wieder an der Idee des Nationalsozialismus zweifelte, distanzierte er sich nicht vom NS-Regime. 1942 wurden von Dr. Christian Kinder, Präsident des Landeskirchenamtes, die Christen jüdischer Herkunft aus der Landeskirche ausgeschlossen und zur Seelsorge an Pastor Walter Auerbach - einen getauften Juden - verwiesen. Dazu schrieb Halfmann 1947 an Kinder: "Sie haben in der Frage der Behandlung nicht-arischer Mitglieder der Evangelischen Kirche die radikal deutsch-christliche Lösung vermieden und für Schleswig-Holstein eine Sonderregelung getroffen, die auch die Billigung der Bekennenden Kirche in Schleswig-Holstein fand."

Auch nach dem Krieg noch voller Hass auf Juden

Als Halfmann sich am Ende des Zweiten Weltkrieges dann in einer Predigt kritisch zum Nationalsozialismus äußerte, gab es großen Gegenwind aus seiner Gemeinde - Halfmann ruderte zurück. Nach dem Krieg setzte er sich dann für die Kriegsgefangenen ein und schrieb Gnadengesuche - im Namen Jesu Christi. Im gleichen Zuge forderte er aber auch die Freilassung unzähliger Nazi-Verbrecher. Und für die Landesregierung war er ein geschätzter Verhandlungspartner. Der Höhepunkt seines Schaffens war die Unterzeichnung des Staatskirchenvertrages. Der regelt bis heute das Verhältnis vom Staat zur Kirche.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 02.02.2014 | 19:30 Uhr