Sendedatum: 28.04.2019 19:30 Uhr

Zeitreise: Die Idee der SOS-Kinderdörfer

von Carolin Rabe

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Hermann Gmeiner gründete vor 70 Jahren die SOS-Kinderdörfer.

Jedes verlassene, Not leidende Kind sollte nach dem Krieg wieder eine Mutter, Geschwister, ein Haus und ein Dorf haben, in dem es wie andere Kinder in Geborgenheit heranwachsen kann. Das war die Idee hinter den SOS-Kinderdörfern - als sie vor genau 70 Jahren von einem Österreicher gegründet wurden. Hermann Gmeiners Vorstellung war es, Kinder in Familien statt Heimen aufwachsen zu lassen. Er investierte sein gesamtes Geld in die ersten Spendenaufrufe. 600 Schilling. Noch heute finanziert sich die Stiftung aus Spenden und öffentlichen Geldern. Über 550 SOS-Kinderdörfer gibt es heute weltweit. Zwei sind in Schleswig-Holstein. Seit 1963 das SOS-Kinderdorf Harksheide nördlich von Norderstedt und eines in Lütjenburg im Kreis Plön.

Ein kleines Mädchen, das auf einer Steintreppe sitzt.

70 Jahre SOS-Kinderdorf

Schleswig-Holstein Magazin -

Vor 70 Jahren erfindet Hermann Gmeiner das Konzept "SOS-Kinderdorf". Heute agiert das Kinderhilfswerk weltweit. Zwei Dörfer gibt es in Schleswig-Holstein: in Harksheide und Lütjenburg.

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Gründer Hermann Gmeiners Idee setzt sich durch

1970 zogen dort die ersten Kinder und Dorfmütter ein. Dirk Baumann war eines von ihnen und wohnte bis 1990 dort. Als zweieinhalb Jähriger kam er hierher. "Die Kindheit war wie Bullerbü in Lütjenburg", berichtet er - noch immer mit Begeisterung. Er wuchs mit fünf anderen "Geschwistern" auf, die sein Schicksal teilten. Das Haus gibt es noch heute, ebenso auch das Prinzip der SOS-Kinderdörfern: Geschwister aus einem Elternhaus bleiben zusammen.

SOS-Kinderdörfer in Schleswig-Holstein

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Zunächst waren die Unterkünfte der SOS-Kinderdörfer in Schleswig-Holstein provisorisch. Heute sieht das ganz anders aus.

Mit den Jahren wuchs das SOS-Kinderdorf in Lütjenburg: Acht Familien sind es heute, früher waren es halb so viele. Seit den Anfängen hat sich viel verändert. Damals waren die Kinder Kriegswaisen, im Laufe der Zeit dann sogenannte Sozialwaisen aus zerrütteten Elternhäusern: Wo Väter und Mütter überfordert sind, psychische Probleme haben, Gewalt, Alkohol und Drogen Probleme darstellen - das Jugendamt kann dann ein SOS-Kinderdorf als neues Zuhause wählen. Dort sind die "Familien" inzwischen kleiner geworden, die Häuser jedoch größer. Jedes Kind hat heute ein eigenes Zimmer. Kontakt zu den leiblichen Eltern gibt es, manche kommen sogar zu Besuch.

Zurück im SOS-Kinderdorf - heute als Erwachsener

Dirk Baumann ist zurückgekehrt ins SOS-Kinderdorf in Lütjenburg. Aus dem ehemaligen Bewohner ist mittlerweile ein Sozialpädagoge geworden. Als er seiner Frau sein früheres Zuhause, die "Sprottenkiste", zeigt, erfährt er von einer ausgeschriebenen Stelle. Seit knapp sechs Jahren ist er nun der Einrichtungsleiter und weiß, wie die Kinder sich fühlen.

SOS-Kinderdörfer in der Welt

"Um ein Kind aufzuziehen, braucht man ein ganzes Dorf" - dieses afrikanische Sprichwort hätte wahrscheinlich auch Hermann Gmeiner gefallen. Ein Konzept, das zu einer weltumspannenden Hilfsorganisation geworden ist, die mittlerweile in 135 Ländern aktiv ist und mehr als 1,5 Millionen Menschen unterstützt.

Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 28.04.2019 | 19:30 Uhr