Stand: 29.09.2019 14:38 Uhr

Zeitreise: Der "moderne Kolumbus" aus Flensburg

von Janina Harder

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Hugo Eckener (links) und Ferdinand Graf von Zeppelin haben die Luftfahrt maßgeblich geprägt.

Geschmeidig und ruhig schwebt der Zeppelin über dem Bodensee. An Bord sind Uwe Eckener und sein Freund Wolfgang von Zeppelin. Sie sind die Nachfahren der Luftfahrt-Pioniere Ferdinand Graf von Zeppelin und seinem PR-Strategen und Nachfolger Hugo Eckener. Es ist das erste Mal, dass die beiden 81 und 82 Jahre alten Männer gemeinsam in einem Luftschiff fahren, so wie es ihre berühmten Vorfahren einst taten. "Eine Zeppelinfahrt gibt ein erhebendes Gefühl - schon von dem Moment an, an dem das Luftschiff sich erhebt", sagt Uwe Eckener. Ähnlich sieht es auch sein Freund Wolfgang von Zeppelin. "Wenn man die Landschaft erleben will, ist das Fliegen im Zeppelin natürlich das Schönste, was man sich vorstellen kann", schwärmt er. Uwe Eckener ist der Enkel von Flensburgs berühmtestem Sohn, Hugo Eckener. Er weiß, wie groß das Wagnis für seinen Großvater war, ein Luftschiff zu konstruieren, in die Luft zu bringen und weltweit bekannt zu machen.

Die Kabine eines Zeppelin Luftschiffs vor einer großen Garage. © NDR

Zeitreise: Luftfahrtpionier Hugo Eckener

Schleswig-Holstein Magazin -

Vor 90 Jahren plante Hugo Eckener mit dem neuen Luftschiff "Graf Zeppelin" eine medienwirksame Fahrt um die Welt. Der gebürtige Flensburger gilt als ein Pionier der Luftfahrt.

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Alles beginnt mit einem Zeitungsartikel

In seiner ersten Lebenshälfte wohnt Hugo Eckener in seiner Geburtsstadt Flensburg. Sein Wohnhaus ist noch heute erhalten. Eine Bronzetafel an der Fassade erinnert an den Luftfahrtpionier. Allerdings wissen heute nicht mehr viele, dass er in den 1920er Jahren ein weltbekannter Mann war. Hugo Eckener ist studierter Philosoph und Nationalökonom. Später arbeitet er als Journalist, unter anderem bei den Flensburger Nachrichten. Und so kommt es, dass Eckener auch über die ersten Luftschiff-Flugversuche des Grafen Ferdinand von Zeppelin einen Artikel verfasst. "Er hat festgestellt, dass die Motoren viel stärker sein müssen, weil sie gegen den Wind nicht ankommen", erzählt sein Enkel Uwe Eckener. "Und dann hat er auch moniert, dass die Ruderanlagen eigentlich kontraproduktiv sind, dass die linke die rechte stört." Wolfgang von Zeppelin weiß genau, wie sein Vorfahr darauf reagiert hat: "Interessant ist eigentlich, dass Graf Zeppelin dann trotzdem der Kritik nicht aus dem Weg gegangen ist, sondern mit ihm diskutiert hat." Graf von Zeppelin habe ihm entgegnet, dass sie die Motoren weiterentwickeln werden, die beste Technik gebündelt in einem neuen Zeppelin verbauen wollen, erzählt Wolfgang von Zeppelin. Das überzeugt Eckener. Er erkennt das Potential und die Leistungsfähigkeit der Luftschiffe. Kurz darauf schmieden die beiden gemeinsame Pläne.

Vom erfahrenen Segler zum Luftschiffkapitän

Im Zeppelin Museum in Friedrichshafen gibt es viele Exponate aus der frühen Zeppelinzeit, bis hin zu Teil-Rekonstruktionen der späteren, großen Zeppeline. Zum Beispiel einen Passagiersalon im Bauhausstil. In den Zeppelinen wurden möglichst leichte Aluteile verbaut; jedes Gramm weniger kam der Auftriebskraft des Zeppelins zugute. Der Leiter der Zeppelin-Abteilung ist Jürgen Bleibler. Für ihn ist Eckener ein wichtiger Mann, weil er erkannt hat, wie wichtig für den Grafen die Idee des Marketings ist. "Da war Eckener einer, der sehr früh sehr weitsichtig gedacht hat und eigentlich der beste Berater war, weil er virtuos und sehr modern mit Öffentlichkeit und öffentlicher Meinung umgegangen ist", erklärt Bleibler. Auch seine Zeit in Flensburg kommt Hugo Eckener zugute. Er ist ein erfahrener Segler, kann das Wetter genau beobachten und voraussehen, geschickt navigieren. Und so wird aus dem PR-Mann Eckener ein Luftschiffkapitän. Nach dem Tod des Grafen wird er Konzernchef.

Die Zeppeline durch Krisenzeiten manövriert

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Hugo Eckener hat mit dem Luftschiff "Graf Zeppelin" die Welt umrundet.

Selbst durch die Zeit des Ersten Weltkriegs manövriert Eckener die Zeppeline. Sein Plan ist, sie am Leben zu halten, mit einer Transatlantikfahrt. So fädelt er ein, dass Deutschland einen Teil seiner Kriegsschuld mit einem Luftschiff für die Amerikaner bezahlt. Der Auftrag gilt erst als ausgeführt, wenn Eckener den Zeppelin heil von Friedrichshafen nach New York überführt. Das gelingt. Eckener wird in New York als Held gefeiert, mit einer pompösen Konfettiparade. Er schafft es, die Zeppeline, die zuvor im Krieg über England Bomben abwarfen, in den Köpfen der Menschen in friedliche Riesen zu verwandeln, die dem Fortschritt und der Passagierfahrt dienen, die die Völker verbinden. Der amerikanische Präsident Hoover nennt ihn den "modernen Kolumbus". Von 80.000 Menschen wird er so sehr gefeiert, wie später nur noch die Astronauten nach der ersten Mondlandung empfangen werden. Die Übergabe des Luftschiffs und die neuen Technik, schaffen neues Vertrauen zwischen den USA und Deutschland.

Fahrt um die Welt - prestigeträchtig und risikoreich

Aber das ist nur der Wegbereiter für etwas viel Größeres. Mit dem neuen Luftschiff namens "Graf Zeppelin" plant Hugo Eckener vor 90 Jahren eine medienwirksame Fahrt um die Welt. Am 15. August 1929 hebt das 236 Meter lange Luftschiff mit 20 Passagieren, 41 Mann Besatzung und 400 Kilo Post an Bord in Friedrichshafen ab. Der amerikanische Hearst-Pressekonzern finanziert die Fahrt. Deshalb startet Hugo Eckener die Expedition offiziell auch in Lakehurst bei New York. An Bord sind fast ausschließlich Journalisten, die täglich per Morsefunk aus dem Luftschiff berichten. Zwischenstopp ist in Friedrichshafen am Bodensee, wo das Luftschiff gebaut wurde. Dann soll es über Russland, Sibirien und Tokio gehen bis zurück nach New York. Auch dieses riskante Vorhaben klappt. Die ganze Welt feiert Hugo Eckener für die damals schnellste Erdumrundung.

Die Hindenburg-Katastrophe beendet die Luftschiff-Ära

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Sie sind die Nachfahren der Luftfahrt-Pioniere: Uwe Eckener (links) und sein Freund Wolfgang von Zeppelin.

1937 endet dann die Luftschiff-Ära mit der Explosion von Eckeners neuesten Zeppelins "Hindenburg". So etwas kann heute nicht mehr passieren. Die Zeppeline, die heute gebaut werden, sind mit Helium gefüllt, nicht mehr mit dem leicht brennbaren Wasserstoff. Die beiden Nachfahren der Luftfahrtpioniere gehen durch den Hangar der Deutschen Zeppelin-Reederei in Friedrichshafen. Mit viel Begeisterung betrachten sie den sanften Riesen in der großen Halle. Seit 20 Jahren heben hier wieder Zeppeline für Passagierrundflüge über den Bodensee ab. "Mein Großvater hat ziemlich am Schluss seines Lebens mal gesagt: Wenn das Luftschiff groß und silbern aus dem blauen Luftmeer aufgetaucht ist, dann erschien es den Menschen wie ein Bote aus einer anderen, einer besseren Welt." zitiert Uwe Eckener. "So hat es auf ihn gewirkt und so wirkt es auf viele Leute." Hugo Eckener lehrte seinen Enkel viel über die Meteorologie. Ihnen beiden gemeinsam ist außerdem die Liebe zum Segeln. Während Uwe Eckener aus dem Fenster des Zeppelins schaut, ist er seinem Großvater ein Stück näher. Hugo Eckener starb im Alter von 86 Jahren am Bodensee, da war der Enkel 16 Jahre alt. Uwe Eckener wohnt noch heute hier. Sein Großvater, der einst von der internationalen Presse als "Magellan der Lüfte" bezeichnet wurde, hat sich selbst Zeit seines Lebens als Botschafter der Völkerverständigung gesehen. Und so sieht ihn sein Enkel noch heute.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 29.09.2019 | 19:30 Uhr

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