Sendedatum: 26.08.2018 19:30 Uhr

Zeitreise: Der Flugpionier von Gut Bothkamp

von Karl Dahmen
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Das Modell "Alsterkind" war einer der Flieger, den Harry von Bülow-Bothkamp mit seinem Partner in der Hamburger Firma baute.

Es riecht nach Johannisbeeren. Ein Schwirren und Summen ist in der Luft, ein Imker hat ein Dutzend Bienenkörbe aufgestellt und vor kurzem hat am Rande eines Weges noch kniehoch der Raps gestanden. All das kann man entdecken, wenn man am rostigen Wellblechschuppen steht, der hier in den Feldern beim Herrenhaus Bothkamp im Kreis Plön steht. Aber die alte Wellblechbehausung war nicht immer so kaputt wie jetzt, mit aufgerissenem Dach und herausgebrochenen Fenster. Früher war sie ein Flugzeughangar und darin hatte Harry von Bülow-Bothkamp seinen Flieger untergebracht, mit dem er fast täglich nach Hamburg flog.

Schwarz-weiß Foto: Harry von Bülow-Bothkamp und Paul Bäumer

Harry von Bülow-Bothkamp - der Flugpionier

Schleswig-Holstein Magazin -

Ein alter Wellblechschuppen in der wilden Natur: Nicht viel erinnert noch an Harry von Bülow-Bothkamp und sein Wirken als Pionier der schleswig-holsteinischen Luftfahrtgeschichte.

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Firma für 60 PS-Flieger

Zwanzig Minuten brauchte der ehemalige Jagdflieger aus dem Ersten Weltkrieg, um zu seiner Firma auf dem Flughafen Fuhlsbüttel zu fliegen. Die "Bäumer Aero GmbH" war ein junges Unternehmen, das er 1922 zusammen mit seinem Kriegskameraden Paul Bäumer gegründet hatte. Da die Deutschen nach dem verlorenen Krieg nur Flugzeuge mit höchstens 60 PS bauen durften, mühten sich die Ingenieure der Firma leistungsstarke kleine Flieger zu bauen, die sie "Sausewind" und "Alsterkind" nannten. Sie waren erfolgreich, das Modell "Sausewind" errang mehrere Weltrekorde. Und manche munkeln, es sei das Vorbild für die englische "Spitfire" gewesen.

Landung zwischen Kühen

Um zu seiner Hamburger Arbeitsstelle zu kommen, baute Harry von Bülow-Bothkamp einen eigenen Flugplatz auf den Feldern, die zum Gut Bothkamp gehörten. Dazu zählte natürlich auch ein Hangar, um das Flugzeug unterzustellen und zu warten. Bei einem "Tag der offenen Tür" in den 1920er Jahren durften Bauern, Knechte, Mägde sich den Hangar ansehen. Und sie staunten über die Flugzeuge, die auf einer Landebahn starten mußten, auf denen oft Kühe grasten. Beim Landen drehte von Bülow-Bothkamp immer erst ein paar Runden in der Luft, um die Kühe zu vertreiben.

Wellblechschuppen erinnert an Luftfahrtgeschichte

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Auf dem Gelände des Herrenhaus Bothkamp im Kreis Plön stand damals der Hangar, in dem Harry von Bülow-Bothkamp seinen Flieger unterstellte.

1927 stürzte der Mitgesellschafter und die treibende Kraft der "Bäumer Aero GmbH" Paul Bäumer mit dem Flugzeug ab und starb. 1932 wurde die Firma dann aus dem Handelsregister gestrichen. Harry von Bülow-Bothkamp war während des Zweiten Weltkriegs Kommodore eines Jagdfliegergeschwaders und 1944 als Oberst in die Reserve geschickt. Sein Sohn erzählt: Als er nach dem Krieg von den ungeheuren Verbrechen der Nazis erfuhr, hätte Harry von Bülow-Bothkamp beschlossen, nie wieder ein Flugzeug zu fliegen. Das wird auch das Ende des kleinen Flughafens gewesen sein.

An all das erinnert ein kleiner Wellblechschuppen am Rande eines Feldes, der einmal ein Flugzeughangar war. In unserer Zeitreise erinnern wir an dieses unbekannte Kapitel aus der schleswig-holsteinischen Luftfahrtgeschichte.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 26.08.2018 | 19:30 Uhr