Sendedatum: 05.04.2020 19:30 Uhr

Zeitreise: Der Flensburger Pastorenaufstand

von Thomas Kahlcke

Wenn wir von den "68ern" sprechen, meinen wir in der Regel die Studenten, die in den Jahren ab 1968 auf die Straße gingen und lautstark einen Systemwechsel verlangten. Aber es gab Ende der 1960er Jahre auch auf anderen Gebieten Umwälzungen - zum Beispiel in der Kirche. Eine Gruppe junger Pastoren sorgte damals von Schleswig-Holstein aus sogar deutschlandweit für Aufsehen mit ihren Aktionen und Forderungen.

Altes Archivbild der Studentenrevolte beim Pastorenaufstand in Flensburg von 1968 wird mit einem Projektor auf eine Kirchenwand geworfen © NDR / SH Magazin
Unsere moderne Kirche war nicht immer so, wie wir sie heute kennen.

Mitte der 1960er Jahre lernten sich sieben angehende Pastoren rund um Dieter Andresen im Preetzer Priesterseminar kennen. Dort verabredeten sie, alle gemeinsam in einer Region Pastorenstellen zu erlangen. Das gelang ihnen in und um Flensburg. Dort wollten sie nun als rebellisches Team die Kirche umkrempeln.

VIDEO: Zeitreise: Der Flensburger Pastorenaufstand (5 Min)

Moderne Kirche stößt auf Ablehnung

Runter von der Kanzel, ran ans Volk - das könnte man als ein Motto der Bewegung bezeichnen. Neben der traditionellen Gemeindearbeit und einer modernisierten Bibel-Auslegung wollten die Sieben auch viele junge Menschen erreichen, die von Hause aus nicht unbedingt der Kirche nahestanden. Sie veranstalteten thematisch völlig offene Zeltlager - die fanden großen Anklang bei den Jugendlichen, stießen aber häufig auf Ablehnung der Eltern. Die beanstandeten etwa, dass ihre Kinder unter kirchlicher Anleitung eigenwillige Ideen vom Leben entwickelten.

Kein kriegerisches Denkmal in der Kirche

Altes Archivbild der Studentenrevolte beim Pastorenaufstand in Flensburg von 1968 © NDR / SH Magazin
Die jungen Pastoren verbreiten ihre Botschaften in ganz Europa.

Auch innerhalb der Kirche selbst provozierte das Pastoren-Team. Aus einer Kapelle der Flensburger Marienkirche ließen sie ein jahrzehntealtes Kriegerdenkmal entfernen. Ihr Argument: Militär und Krieg seien mit der christlichen Botschaft unvereinbar. Die Aktion sorgte in der ganzen Republik für Diskussionen.

Offenere Kirche dank Revolte

Dann aber löste sich das Team auf. Die sieben Pastoren wollten sich individuell weiterentwickeln. Und die europaweite Studentenrevolte mit ihren viel größeren Themen erschien ihnen wichtiger als der kircheninterne Widerstand. Dennoch: Dass die Kirche heute offener ist, näher dran am Menschen - das ist auch den jungen Pastoren zu verdanken, die vor einem halben Jahrhundert in Flensburg den Aufstand wagten.

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Dampflokomotive aus dem 19. Jahrhundert. © dpa - report Foto: Votava

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Schleswig-Holstein Magazin | 05.04.2020 | 19:30 Uhr

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