Sendedatum: 03.02.2019 19:30 Uhr

Die Erfolgsgeschichte des Matrosenanzugs

von Eva Diederich

Es gab Zeiten als Matrosenanzüge überall präsent waren - ob in der Werbung, in Filmen und vor allem in Kiel, Eckernförde und Flensburg. Jeder will ihn, denn ein Matrosenanzug symbolisiert mehr als irgendein anderes Kleidungsstück Freiheit - in Blau und Weiß, den Farben des Meeres. Die Erfolgsgeschichte des Matrosenanzugs beginnt wie so oft mit einem Zufall: als ein Geschenk von Oma.

Ein Porträt des kleinen Wilhelms ebnet den Weg

Der kleine Wilhelm, der später einmal deutscher Kaiser werden soll, hat eine berühmte Oma: Victoria, Königin von England. Als Wilhelm Schaukelpferde und noch nicht den Aufbau einer mächtigen Marine im Sinn hat, bekommt er 1862 von seiner Großmutter Victoria einen Matrosenanzug geschenkt. Es ist das Kleidungsstück der britischen Marine schlechthin. Kurze Zeit später fertigt ein Maler ein Porträt des kleinen adligen Spross in Matrosenanzug an. Ein aktuelles Bild des zukünftige Kaiser - nichts verbreitet sich schneller in der Gesellschaft. So wird auch der Matrosenanzug in Deutschland berühmt.

Unisex - wie später die Jeanshose

"Jede Frau wollte so einen Anzug für ihr eigenes Kind. Entweder aus einem Bekleidungsgeschäft oder schnell und günstig selbst genäht", erzählt der Kieler Uwe Jenisch, Professor für Seerecht und Forscher. Selbst der junge Willy Brandt wird darin abgebildet. Dabei geht es bei dem Kleidungsstück nicht nur um reine Mode. Laut Jenisch stellt der Matrosenanzug auch Einheitlichkeit her. Klassenunterschiede verwischen, denn jedes Kind ist nun gleich gekleidet.

Das weiß-blaue Outfit bleibt nicht lange den Kindern vorbehalten. Frauen entdecken es für sich. Abgewandelt als Kleid, Bluse oder sogar als Strand-Bekleidung für den Ausflug nach Laboe oder Strande. "Der Matrosenanzug war ein großes Stück Emanzipation. Unisex - wie später die Jeanshose", sagt Jenisch.

Keine Produktion mehr in Schleswig-Holstein

Der Kaiser nutzt den Erfolg des Matrosenanzuges später auch, um seine eigene Marinebegeisterung unters Volk zu bringen. Er braucht Unterstützung, um die Marine auszubauen. Sie soll Symbol eines nationalen Selbstbewusstseins sein. "Der Matrosenanzug war aber längst aus dem militärischen Kontext gelöst", sagt Jenisch. Coco Chanel nutzt ihn als Vorbild für Kostüme, auf Werbeplakaten kleidet er Männer, die lässig Zigarette rauchen und Zeichentrick-Enterich Donald Duck trägt ihn bis heute. Die blau-weißen Elemente tauchen immer noch in der Mode auf. Schneidereien, die den Matrosenanzug im großen Stil produzieren, gibt es in Schleswig-Holstein aber nicht mehr.

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Schleswig-Holstein Magazin | 03.02.2019 | 19:30 Uhr