Zeitreise: Das Nordseesanatorium von Wyk auf Föhr

Stand: 04.06.2021 17:41 Uhr

Dr. Karl Gmelin hat vor mehr als 100 Jahren sein Sanatorium für Kurgäste am Südstrand von Föhr gebaut - übrig geblieben ist davon aber wenig.

von Andreas Bell

Gesundes Leben heißt: Kein Alkohol, kein Zucker, viel Bewegung an frischer Luft - wer glaubt, dass das ein Gesundheitstrend der letzten Jahre ist, der irrt. Im Nordseesanatorium in Wyk auf Föhr (Kreis Nordfriesland) hatte Herr Dr. Karl Gmelin genau das für seine Kurgäste vorgesehen  - und zwar bereits vor mehr als 100 Jahren

Die Vision des Dr. Karl Gmelin

Ein historisches Bild von Frauen, die im Fitnessstudio Sport treiben. © NDR
Karl Gmelins Vision war gesundes Leben: Sport war ein Teil davon.

Nachdem er zum ersten Mal auf Föhr war, war der Arzt Dr. Karl Gmelin hingerissen von der guten Luft. Er untersuchte das Klima und stellte fest: Am Südstrand ist es am allerbesten. Also fing er an, hier sein Sanatorium zu errichten.

Und da das Gebäude zu seiner Vision von gesundem Leben passen sollte, engagierte er den jungen Designer August Endell, die Gebäude zu entwerfen. Es entstanden prächtige Haupthäuser im Jugendstil mit großen Fenstern und hellen Räumen. Es wurden Gymnastikräume und eine große Küche für den vegetarischen Lebensstil eingerichtet.

Jedes Jahr ein neues Gebäude

Viele Jahre lief der Sanatoriumsbetrieb gut, es kamen Gäste aus der halben Welt nach Föhr, um das Gesundheitskonzept von Dr. Karl Gmelin zu genießen. Er baute weiter: Eine Bühne für Kunst und Kultur, Holzhäuser aus Norwegen für die Kinder, eine Liegehalle - das alles in einem 20 Hektar großem Park, direkt am Meer. Aber Karl Gmelin war kein guter Kaufmann. Sein Schwager stieg mit in die Geschäftsführung ein, wandelte das Sanatorium in eine AG um und tauschte selbst fleischlose Kost und Abstinenz gegen Genuss und Vergnügen.

Aus dem Sanatorium wird ein Hotel

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Sanatorium als Hotel weiter betrieben. Die Jugendstil-Kunst musste dem 50er-Jahre-Chic weichen. Aber auch damit war in den 70er Jahren Schluss. Der Gebäudekomplex verfiel - obwohl er 1978 unter Denkmalschutz gestellt worden war - und verkam zu einer Ruine: Die Kurhof-AG, das Denkmalschutzamt und die Stadt Wyk stritten darum, wer hier wie investieren muss.

Der Abriss

Die Föhrer erinnern sich an Wasserschäden, Brände und Plünderungen. Vom Festland kamen Hausbesetzer, deutsche Kunsthistoriker machten sich stark für den Erhalt des Jugendstil-Ensembles. Aber 1991 schließlich wurden die Haupthäuser abgerissen. Platz gemacht für die sogenannten "Millionärsvillen" - Ferienhäuser für zahlungskräftige Gäste vom Festland. Gerettet wurde eine der imposanten Jugendstil-Wandfresken - sie ziert heute die Wand der Kieler Kunsthalle.

Verein will Park und Häuser erhalten

Ein Gebäude des ehemaligen Sanatoriums in Wyk auf Föhr. © NDR
"Haus Otto" gehörte früher zum Gesamt-Ensemble.

Die mehr als 100 Jahre alten Holzhäuser im Park haben allerdings die Zeit überstanden. Sie wurden als Unterkünfte für Mitarbeiter des Nationalparkamtes genutzt, sind zum Teil privat vermietet. Sie und vor allem auch den Park drumherum zu erhalten, ist jetzt das Ziel des Vereins Nordseekurpark. Denn die Lage des ehemaligen Sanatoriums ist genauso einzigartig wie seine Geschichte - direkt am Südstrand in Wyk auf Föhr.

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