Barmstedter Grafenmord in neuem Licht

Sendedatum: 21.11.2021 19:30 Uhr

Ein 300 Jahre alter Mordfall wird neu aufgerollt: Michael Theilig und seine Mitstreiter haben sich mit dem Grafenmord in der Grafschaft zu Rantzau beschäftigt - mit neuen Erkenntnissen.

von Corinna Below

Der Grabstein von Reichsgraf Christian Detlev zu Rantzau © NDR / SH Magazin
Der Reichsgraf Christian Detlev zu Rantzau wird im Jahr 1721 kaltblütig ermordet. Bis heute sind die Umstände nicht eindeutig geklärt.

Ein Weg im Rantzauer Forst, wenige Minuten vom Schloss entfernt. Am 11. November 1721 reitet der Reichsgraf Christian Detlev zu Rantzau mit seinem Leibjäger in den Wald, um Schnepfen zu schießen. Plötzlich kommen Schüsse aus dem Hinterhalt. Der Jäger reitet zum Schloss und der Reichsgraf erliegt seinen Verletzungen. Bis heute geben die Umstände Rätsel auf. Wer sind die Mörder? Und wer hat den Mord am Grafen in Auftrag gegeben?

Auftragsmord in der Grafschaft?

Genau 300 Jahre nach dem Mord am Reichsgrafen machen jetzt vier Männer eine Ausstellung zu den Hintergründen und zum tatsächlichen Geschehen. Sie gehören der Gruppe von Ehrenamtlichen an, die dem Museum der Grafschaft Rantzau seit ein paar Jahren neues Leben einhauchen. Seit fast zwei Jahren haben sie sich an dem spektakulären Mord-Fall festgebissen. Seit 300 Jahren halten sich Zweifel an der offiziellen Version. Demnach soll der Bruder des Reichsgrafen, Wilhelm Adolf, den Mord in Auftrag gegeben haben.

Futter für Verschwörungstheorien

Drei Männer bereiten eine Ausstellung zu den Hintergründen des Mordes von Reichsgraf Christian Detlev © NDR / SH Magazin
Michael Theilig und drei weitere Mitstreiter finden die Zweifel berechtigt und machen eine Ausstellung zu den Hintergründen.

Michael Theilig hat fast 2000 Seiten digitalisierte Akten transkribiert und sie zusammen mit seinen drei Mitstreitern ausgewertet - sozusagen als Hobby-Cold-Case-Unit. Theilig und die anderen haben herausgefunden: Zweifel an der offiziellen Geschichte sind mehr als angebracht. Wahrscheinlich war alles ganz anders. Möglicherweise gehörte auch der Leibjäger zu den Verschwörern und vielleicht steckte hinter dem Anschlag kein geringerer als der dänische König.

Viele hatten ein Motiv

Fakt ist, dass damals viele ein Motiv hatten. Und frühere Mordversuche gegen Christian Detlef Graf zu Rantzau hatte es auch gegeben. Der Grund: Er war extrem unbeliebt - ein Lebemann, der seine Untertanen tyrannisierte. Ein junger Jäger klagte ihn sogar an, ihn sexuell bedrängt zu haben. Graf Ratzau saß deswegen 1715 bis Ende 1719 im Kerker. Die Abwesenheit des Grafen nutzte sein Bruder aus. Er übernahm die Macht, verherrlichte sich mit einer neuen Kirche.

Dänischer König erbte die Grafschaft

Nach der Haft jagte der Reichsgraf mithilfe von 50 Soldaten seinen Bruder wieder aus dem Schloss. Der hatte also durchaus ein Motiv. Der Bruder Wilhelm Adolf und der angebliche Schütze wurden nach der Tat prompt festgenommen und von einem dänischen Gericht verurteilt. Der Schütze wurAllde gerädert und Wilhelm Adolf starb nach sechs Jahren Haft im Kerker. Diese Linie der Rantzaus war damit ausgestorben, denn es gab keine männlichen Nachkommen. Der dänische König erbte somit die Grafschaft. War das sein Plan gewesen? Der Mord also ein politisches Komplott?

Die Ausstellung "Grafenmord" ist ab sofort und noch bis März 2022 im Museum der Grafschaft Rantzau zu sehen.

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Dampflokomotive aus dem 19. Jahrhundert. © dpa - report Foto: Votava

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