Stand: 29.12.2019 11:03 Uhr

Als Flensburg bis "zu den Knien" im Wasser stand

von Karl Dahmen

Als Kind sei sie immer einfach in ihre Gummistiefel geschlüpft und hätte damit den Wasserstand am Flensburger Hafen getestet, erzählt Ilse Böhme. Wenn das Wasser oben reinlief, war Hochwasser und dann rannte sie nach Hause, um die Strümpfe zu trocken. Meist gab es dann auch noch schulfrei, denn sie wohnte Ecke Schiffbrück/Herrenstall und da ließen die Lehrer die Kinder zuhause bleiben.

Zeitreise - Wenn die Ostsee über Ufer tritt

Schleswig-Holstein Magazin -

Überschwemmungen an der Nordsee - das kennen wir. Aber auch die Ostsee kann ihren Charakter zeigen. Unsere Zeitreise blickt 60 Jahre zurück nach Flensburg. Im Januar 1960 stand die ganze Innenstadt unter Wasser.

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Im Winter vor 60 Jahren

Seit fast 80 Jahren wohnt sie am Hafen, hier ist sie geboren, aber so ein heftiges Hochwasser wie im Januar 1960 hatte sie noch nicht erlebt. 1,75 Meter über Normal, die Ostsee drängte sich bis zum Nordertor hoch, die Menschen wateten durch die Fluten - manche in der Stadt sagen noch heute, die Ostsee sei damals genauso schlimm gewesen wie die stürmische Nordsee.

Helfer im Dauereinsatz

Wasserschutzpolizei und Feuerwehr waren im Dauereinsatz. Und immer war der Gedanke da: Menschen könnten in Gefahr sein, in überfluteten Kellern festsitzen. 1960 ist Wilhelm Flor seit zwei Jahren bei der Feuerwehr. Er hatte großen Respekt vor dem Wasser, das Kreuzungen lahmlegte und das Leben in Flensburg stocken ließ. Die Feuerwehr hatte lediglich ein Schlauchboot und, wie sich Flor erinnert, ihr wichtigstes Hilfsmittel im Januar vor 60 Jahren: die Wathose.

Flensburg in Schwierigkeiten

Es ist keine Katastrophe gewesen, erinnert er sich heute, aber Feuerwehr und Polizei waren extrem gefordert. Menschen mussten mit dem Boot aus Geschäften "befreit" werden, die Keller der Polizeidirektion und der Post wurden überflutet und der Seegrenzschlachthof musste wegen des Wassers den Betrieb einstellen. Außerdem wurden viele Autofahrer von dem Hochwasser überrascht und standen nun ratlos vor ihren im Wasser schwimmenden Autos. "Die haben wir rausgeschaufelt", sagt Wilhelm Flor. Unter alle vier Räder kam eine Schaufel und dann konnten die Feuerwehrmänner die Fahrzeuge aus dem Wasser ziehen.

Keine Sicherheit vor Hochwasser

In den 1990er Jahren erhöhte man die Kaimauer, die Parkfläche wurde erweitert. Überschwemmungen gab es aber trotzdem. Das Wasser kommt jetzt aus der Kanalisation. Eine absolute Sicherheit gegen Hochwasser gebe es einfach nicht, meint ein Sprecher der Stadt. Da würde nicht einmal ein Deich helfen. In unserer Zeitreise erinnern wir an den Januar 1960 und zeigen Flensburg, wie es "bis zu den Knien" im Wasser stand.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 05.01.2020 | 19:30 Uhr

04:47

Zeitreise - Wenn die Ostsee über Ufer tritt

Überschwemmungen an der Nordsee - das kennen wir. Aber auch die Ostsee kann ihren Charakter zeigen. Unsere Zeitreise blickt 60 Jahre zurück nach Flensburg. Im Januar 1960 stand die ganze Innenstadt unter Wasser. Video (04:47 min)