Zeitreise: 60 Jahre Oslokai

Stand: 23.04.2021 16:00 Uhr

Am 24. April 1961 wurde der Oslokai eröffnet, 5,2 Millionen D-Mark hatte der Bau damals gekostet. Ein Kieler Hobbyfilmer war bei der Eröffnung dabei.

von Karl Dahmen

Kurt Adolf hatte in der Zeitung von der Zeremonie am Hafen gelesen und dachte, die Eröffnung des Oslokais dürfe er sich doch nicht entgehen lassen. Die Schwierigkeit: Er sollte eigentlich als Schaufenstergestalter bei Karstadt arbeiten. Aber er konnte seinen Chef überzeugen, dass der Start Kiels in ein "neues Zeitalter" unbedingt auf Film festgehalten werden muss. Kurt Adolf hatte sich nämlich gerade eine neue Kamera gekauft und das Filmen, das wussten alle bei Karstadt, war seine große Leidenschaft. Und so durfte er zum neuen Fährterminal laufen und er erzählt, dass "schon ordentlich Prominenz" angekommen war und mehrere tausend Kieler.

Das größte Fährschiff der Welt

Kieler Wirtschaftsvertreter hatten den norwegischen Reeder Anders Jahre überzeugt, ein Fährschiff für die Linie Oslo-Kiel zu bauen. So entstand bei Howaldt die erste "Kronprins Harald". Damals das größte Fährschiff der Welt. Jetzt brauchte man noch einen An- und Ablegeplatz für das Schiff und zusammen mit dem Land Schleswig-Holstein baute Kiel für 5,2 Millionen D-Mark den Oslokai an eine Stelle, wo vorher nur Wasser war. Riesige Mengen von Trümmern wurden dafür in die Förde geschüttet. Die Bauarbeiten waren noch nicht abgeschlossen, als am 24. April 1961 der Oslokai eröffnet wurde.

Mit der Kamera an Bord

Amateurfilmer Kurt Adolf.
Kurt Adolf hatte sich kurz vor der Eröffnung des Kais eine neue Kamera gekauft und filmte bei der Eröffnung 1961.

Der Kieler Hobbyfilmer Kurt Adolf rannte an diesem Tag über die Decks des Schiffes. Die Filmkamera war damals seine Eintrittskarte, sagt der heute 93-Jährige. Er schaute sich die Restaurants an, stieg alle Treppen hoch, bis er auf der Brücke landete. Die Offiziere waren an Land bei den Reden, an Bord waren vor allem Werftarbeiter für letzte Arbeiten am Schiff. Und so kann man auf dem heute noch existierenden Film von Kurt Adolf die leere Schiffsbrücke sehen und den Blick der Kamera hinab auf den Kai, wo das Polizei-Musikorchester spielte und die Reden zur Eröffnung gehalten wurden. Noch heute schwärmt der Amateurfilmer von den vielen Menschen, der feierlichen Stimmung und dem guten Wetter an diesem Tag.

Eine neue Ära

Mit der Eröffnung des Oslo-Kais und dem Beginn der Fährlinie Kiel - Oslo startete eine Erfolgsgeschichte, die bis heute anhält. Kiel wurde einer der wichtigste Fährhafen an der Ostsee. 1967 legte am Oslo-Kai zum ersten Mal eine Fähre der schwedischen Line an, die die Fördestadt mit Göteborg verband. Auch diese Fährlinie sollte bleiben. 1982 zog die Stena Line um zum Schwedenkai, 1997 folgten die Schiffe der Color Line an den Norwegenkai. Der Oslokai wurde zum Kreuzfahrtterminal umgebaut und in Ostseekai umbenannt. Doch bei vielen Kielern heißt das Terminal immer noch Oslokai und viele erinnern sich ebenfalls noch gut an die verschiedenen Versionen der "Kronprins Harald". Der Ur-Kieler Kurt Adolf denkt gern zurück an diese Zeit, als Kiel mit der Eröffnung des Oslokais, sich den Ruf als "Hafen in den Norden" erwarb.

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Dampflokomotive aus dem 19. Jahrhundert. © dpa - report Foto: Votava

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 25.04.2021 | 19:30 Uhr