Sendedatum: 27.10.2019 19:30 Uhr

Zeitreise: 60 Jahre Klosterbrand

von Kati Bochow

Jürgen Gregor war damals 16 Jahre alt und gerade in die Preetzer Jugendfeuerwehr eingetreten. Christian Stocks war zwölf und wohnte nur wenige Straßen entfernt. Beide waren Augenzeugen in der Nacht vom 3. auf den 4. Oktober 1959 - der Nacht, in der das Kloster von Preetz (Kreis Plön) brannte. Vor 60 Jahren steckte ein junger Mann einen Heuhaufen hinter einem Stall an und vernichtete so den unter Denkmalschutz stehenden Wirtschaftshof des Klosters. Die Flammen zerstörten rasend schnell die Gebäude - das größte war 50 Meter lang. Mehrere Menschen - darunter ein Kind - wurden verletzt, Pferde kamen um, eingelagerte Autos eines Händlers und auch die der Anwohner verbrannten. Insgesamt entstand so ein Schaden von mehreren Hunderttausend D-Mark.

Das Kloster Preetz

Das Kloster wurde im 13. Jahrhundert unter dänischer Herrschaft als Benediktinerinnenkloster gegründet. 1261 bekam es seinen endgültigen Sitz in Preetz. Im Zuge der Reformation wurde es in ein adliges Damenstift umgewandelt, das bis heute besteht. Für die Damen wurden mehrere Häuser auf dem Gelände errichtet. Zum Kloster gehört auch ein Klosterforst. Die gesamte Anlage steht auch heute noch unter Denkmalschutz. Es ist das größte Kloster der Landes.

Schwierige Löscharbeiten

Jürgen Gregor versuchte damals, den Brand mit seinen Kameraden von Wehren aus dem Umkreis von 15 Kilometern zu löschen. Knapp hundert Menschen lebten damals auf dem Klostergelände. Das Problem: Der Hydrant auf dem Gelände war schnell überlastet. So konnten die Flammen von einem reetgedeckten aufs nächste Gebäude übergreifen - es fehlte Löschwasser. An die Schwentine direkt hinter dem Gelände kamen die schweren Einsatzwagen nicht heran - sie drohten dort einzusinken. Aber Jürgen Gregor hatte die rettende Idee, Wasser aus der nahegelegenen Mühlenau zu nehmen - die war tief genug.

Rückblick auf den Klosterbrand vor 60 Jahren

Die Gebäude brannten dennoch nieder

Die sechs Gebäude brannten in wenigen Minuten komplett ab. Die Einsatzkräfte mussten die nahe gelegene Kirche und auch das historische Torhaus vor den Flammen retten. Aber das gelang ihnen. In den Tagen danach spürte man Trauer, Erschütterung und auch Zorn gegenüber dem Brandstifter, den die Polizei schnell fassen konnte. Der 19-jährige Brandstifter wurde später im Prozess zu dreieinhalb Jahren Jugendstrafe verurteilt. Sein Motiv ist bis heute unklar.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 27.10.2019 | 19:30 Uhr