Sendedatum: 17.02.2019 19:30 Uhr

Zeitreise: 350 Jahre Botanischer Garten Kiel

von Janina Harder

Der Botanische Garten Kiel ist nicht nur der nördlichste Botanische Garten Deutschlands, er ist auch der einzige in Schleswig-Holstein. Und er hat eine bewegte Geschichte. 350 Jahre ist er nun alt. Im Jahr 1669, nur vier Jahre nach der Gründung der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU), entstand dieser Garten. Johann Daniel Major, zu dieser Zeit Professor für theoretische Medizin und Botanik an der Uni Kiel, legte ihn in einem Teil des Schlossgartens als einen hortus botanicus, einen Garten für die Lehre an der Universität, an. Es war ein streng geometrischer Garten mit Heil- und Zierpflanzen. Lotusblumen, Sonnenblumen und Krokusse blühten dort, daneben gediehen Gewürze wie Majoran, Basilikum und Rosmarin. Damals lag der Botanische Garten noch am Rand der noch kleinen Ortschaft Kiel, direkt am Wasser. Finanziert hat ihn Johann Daniel Major weitgehend aus eigener Tasche.

Pflanze aus dem Botanischen Garten in Kiel.

Zeitreise: 350 Jahre Botanischer Garten Kiel

Schleswig-Holstein Magazin -

Der Botanische Garten in Kiel ist der nördlichste Deutschlands. Auf acht Hektar Fläche wird ein Querschnitt der Pflanzenwelt aus allen Teilen der Erde gezeigt.

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Entwicklung des Kieler Botanischen Gartens

Ab 1727 war der Botanische Garten in Kiel am Kloster in der Falkstraße untergebracht, wo er jedoch nicht mehr der Öffentlichkeit zur Verfügung stand, sondern als Anzuchtsfläche für Heilpflanzen genutzt wurde. Der Mediziner und Arzt Georg Heinrich Weber legte an seinem zunächst privat errichteten, dann aber von der Universität übernommenen Akademischen Krankenhaus 1802 den dritten Botanischen Garten an. Erstmals lassen sich nun Gewächshäuser nachweisen, in denen unter anderem Sukkulente aus Südafrika gehalten wurden. Ab 1873 wurde ein vierter Standort, nördlich des ersten und wieder in der Endmoränenlandschaft an der Kieler Förde, umgestaltet. Hier entstand durch die Planung von Adolf Engler der erste nach rein pflanzengeographischen Gesichtspunkten angelegte Botanische Garten der Welt. Die hier aufgebauten Gewächshäuser waren zeitweise zumindest an Sonntagen für die Allgemeinheit zugänglich. Insgesamt zwei Hektar groß war dieser Garten.

Der Botanische Garten in der Leibnizstraße

Nach insgesamt vier Umzügen innerhalb des Kieler Stadtgebietes befindet sich der Botanische Garten seit 1985 in der Leibnizstraße, wo er seither wächst und gedeiht und eine wertvolle Grundlage für Forschung, Lehre und Bildung ist. Der heutige Botanische Garten zeigt auf einer rund acht Hektar großen Fläche und in sieben großen Schaugewächshäusern einen Querschnitt der Pflanzenwelt aus allen Erdteilen. Bekannt ist er auch für seine besonders häufig blühende Titanwurz und eine der größten Seerosenblätter der Welt.

Diese Heilpflanzen wachsen im eigenen Garten

Zieht die Universität um, muss der Garten mit

Der Botanische Garten ist so oft umgezogen, weil er seither an die Universität angegliedert war und bei jedem ihrer Umzüge auch den Standort wechseln musste. "Das war eine enorme Herausforderung", sagt Dr. Dietrich Ober, jetziger Leiter des Botanischen Gartens Kiel. Denn nicht nur mussten jedes Mal die Pflanzen verlegt werden; alle Gärten wieder neu zu konzipieren, anzulegen und zu bauen. Das war auch enorm zeitaufwendig und kostspielig. Allein der letzte Umzug hat von der Planung bis zur Durchführung 15 Jahre in Anspruch genommen. Klaus Hesselbarth wird in diesem Jahr 90 Jahre alt und kann sich noch genau daran erinnern. Als damaliger technischer Leiter des Botanischen Gartens hat er den Umzug jahrzehntelang geplant und am Ende auch durchgeführt. Die größte Schwierigkeit war dabei der Transport der besonders verletzlichen und empflindlichen 500 Jahre alten Butterbäume. Sie sind das Wahrzeichens des Botanischen Gartens. In keinem botanischen Garten der Welt gibt es größere und ältere Exemplare als in der Fördestadt. "Ihre Stämme sind innen so weich wie Kohlrabi, da mussten wir besonders behutsam vorgehen", erinnert sich Klaus Hesselbarth. Außerdem hätten die hohen Bäume gerade mal so eben auf dem Tieflader unter einer Brücke durchgepasst.

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Sukkulenten vor dem Zweiten Weltkrieg verschont

Und auch von einer weiteren prekären Situation weiß Klaus Hesselbarth zu berichten. Sein Vorgänger Dr. Hermann Jacobsen war seit 1929 der technische Leiter und hat mit viel Mut und Hingabe einen Großteil des wertvollen Pflanzenbestandes durch den Zweiten Weltkrieg gebracht. Die Scheiben der Gewächshäuser gingen im Winter wegen eines Luftangriffs zu Bruch und die exotischen Pflanzen drohten zu erfrieren. Zum Glück hatte Hermann Jacobsen Kontakte zu anderen befreundeten Gärtnern und Kakteenliebhabern. Bei einer Gärtnerei aus Bordesholm brachte er einen Großteil seiner wertvollen Sukkulentensammlung unter. Sukkulenten sind Pflanzen, die sehr viel Wasser speichern können wie beispielsweise Kakteen oder die Aloe vera Pflanze. Mit einem Gärtner namens Christian Klinker aus Schleswig tauschte der Botaniker schon in den ersten Kriegsjahren regelmäßig seine wertvollsten Pflanzen aus. So konnte er sicherstellen, dass es immer noch Ableger seiner Pflanzen in Schlesiwg-Holstein gab, selbst wenn die Pflanzen im stark bombardierten Kiel Schaden nehmen würden.

Dank gilt Hermann Jacobsen

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Das heutige Literaturhaus im Alten Botanischen Garten in Kiel

"Das und der Wiederaufbau des Gartens mit seinen Gewächshäusern nach den gewaltigen Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg sind eine große Leistung", sagt der jetzige Leiter des Gartens, Dr. Dietrich Ober. "Ohne Hermann Jacobsen hätten wir unsere Sukkulentensammlung verloren. So haben wir noch heute Pflanzen, die aus jener Zeit stammen und deren Ableger." Die Verdienste des Herrn Jacobsen spiegeln sich auch heute noch in Form einiger Pflanzennamen wider. Zum Beispiel bei dem Mittagsblumengewächs "Jacobsenia kolbei". Auch die Anpflanzungen vieler ausländischer Bäume und Sträucher gehen auf den Botaniker zurück. Durch sein "Handbuch der Sukkulentenkunde" und andere Werke wurde er weltbekannt. Hermann Jacobsen wohnte in dem 1906 erbauten Inspektorenhaus, dem heutigen Literaturhaus. Die Gedenktafel oberhalb der Treppe zur Aussichtsplattform erinnert noch heute an ihn. Der Botanische Garten Kiel hat ihm viel zu verdanken.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 17.02.2019 | 19:30 Uhr