Sendedatum: 04.08.2019 19:30 Uhr

Zeitreise: 150 Jahre TÜV Nord

von Carolin Rabe

In Fabriken zischten die Dampfkessel - dann knallt es. Es ist der Beginn der Industrialisierung im 19. Jahrhundert, Dampfmaschinen kommen auf den Markt und die explodieren immer wieder. Dabei sterben viele Menschen. Eine staatliche Kontrolle oder Aufsicht gab es damals nicht, also schlossen sich Kesselbesitzer regional zusammen: erst im Süden Deutschlands , dann auch im Norden. 1869 gründeten sie den Norddeutschen Verein zur Überwachung von Dampfkesseln. Der sogenannte DÜV überwachte schließlich alles, was mit Technik zu tun hatte. Daraus entstand 1938 dann der Technische Überwachungsverein: TÜV.

Kein Fahrzeug ohne TÜV

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Wilhelm Riemenschneider erinnert sich noch gut an die Prüfungsmethoden von damals.

Bekannt wurde der TÜV in erster Linie für die Kontrolle von Fahrzeugen. In den 60er Jahren nahm die Zahl der zugelassenen Fahrzeuge rapide zu. Seit 1961 ist die Prüfplakette am Nummernschild Pflicht. "Anfangs, da war das Haupt-Prüfinstrument der Hammer", weiß Wilhelm Riemenschneider zu berichten. "Die Grube lag immer voller Rost", erinnert er sich. Und wird wohl auch nie vergessen, dass einige Autobesitzer und findige Tüftler versuchten, die maroden Stellen mit Schaum zu füllen. Wilhelm Riemenschneider ist Diplom-Ingenieur, Kfz-Sachverständiger und war Leiter der Prüfanlage in Kiel. 35 Jahre lang arbeitete er beim TÜV NORD. Im Laufe der Jahre gab es immer mehr Autos, lange Wartezeiten beim TÜV und immer mehr gesetzliche Vorschriften und Verordnungen.

Ohne Prüfsiegel geht nichts

Mängel zu finden, ist auch in anderen Bereichen wichtig. Aufzüge prüft der TÜV schon seit Anfang des 20. Jahrhunderts. Teddies auf ihre Feuerfestigkeit überprüfen, Motorradhelme auf ihre Stabilität, die Strahlungsintensität von Röntgengeräten testen: In der 150-jährigen TÜV-Geschichte wächst das Spektrum. Vom Toaster über Windkraftanlagen bis hin zum Atomkraftwerk und digitaler Sicherheit. Wilhelm Riemenschneider ist seit fünf Jahren im Ruhestand. Die TÜV Nord-Gruppe beschäftigt heute 13.000 Mitarbeiter, Techniker, Ingenieure, Naturwissenschaftler und ist inzwischen eine Aktiengesellschaft und weltweit in 70 Ländern aktiv. Geblieben aber sind: das TÜV-Siegel und die Prüfplakette.

Mit diversen schwarz-weiß Aufnahmen blicken wir zurück auf die 150-jährige Geschichte des TÜV - in unserer Zeitreise.

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Schleswig-Holstein Magazin | 04.08.2019 | 19:30 Uhr

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