Rauchschwaden neben der Ostsee-Fähre "Lisco Gloria". © dpa Foto: Thomas Nyfeler

"Lisco Gloria": Dramatische Rettung vor Fehmarn

Stand: 08.10.2020 12:00 Uhr

Eigentlich sollte es eine ganz normale Fahrt von Kiel nach Klaipëda werden. Doch dann bricht in der Nacht zum 9. Oktober 2010 auf der Fähre "Lisco Gloria" Feuer aus - der Kapitän funkt "Mayday".

Als die "Lisco Gloria" den Hafen der schleswig-holsteinischen Landeshauptstadt am Abend des 8. Oktober 2010 verlässt, sind neben den rund 30 Besatzungsmitgliedern mehr als 200 Passagiere an Bord. Nach ein paar Stunden ist die Normalität aber für alle Menschen vorbei: Die Fähre befindet sich gerade nördlich von Fehmarn, da beginnt ein Lkw auf dem Fahrzeugdeck zu brennen. Das Feuer breitet sich rasend schnell auf dem gesamten Schiff aus, es kommt zur Explosion. Der Kapitän entscheidet, die Fähre zu evakuieren - mitten in der Nacht auf der offenen Ostsee funkt er "Mayday".

Lebensretter der Bundespolizei aus Neustadt

Die Besatzung des Bundespolizeischiffes "Neustrelitz" hört den Funkspruch und fährt sofort zu den angegebenen Koordinaten. Schon von weitem sehen die Bundespolizisten die brennende Fähre und denken nur noch an eines: Was ist mit den Menschen? Die "Neustrelitz" ist das erste Schiff vor Ort. Erleichtert stellen die Beamten fest, dass Rettungsboote auf sie zukommen. Die Passagiere haben es rechtzeitig geschafft, die "Lisco Gloria" zu verlassen. Für die Männer und Frauen auf der "Neustrelitz" beginnt ein Einsatz, von dem sie noch ihren Enkelkindern erzählen werden. Mehr als 100 Menschen können sie bei sich an Bord unterbringen und so retten.

Alle Menschen an Bord werden gerettet

Das Fährschiff "Deutschland" kann diese und auch die weiteren Menschen, die sich auf Rettungsbooten und -inseln in Sicherheit gebracht haben, schließlich nach Kiel bringen. Insgesamt 28 Personen, darunter ein Säugling sowie drei Kinder und ein Jugendlicher, haben Verletzungen und Rauchvergiftungen erlitten - doch alle 249 Menschen an Bord sind gerettet.

"Lisco Gloria" brennt kontrolliert ab

Die Löscharbeiten auf dem Schiff gestalten sich schwierig. Die Einsatzkräfte versuchen den ganzen Tag, ein Sinken des kombinierten Fracht- und Passagierschiffs zu verhindern, nachdem eine zweite Explosion den Brand verstärkt hat. Mehrere Hilfsschiffe sind im Einsatz, darunter ein Feuerwehr- und zwei Gewässerschutzschiffe, zwei Notschlepper und Seenotrettungskreuzer.

Am folgenden Tag stellen die Helfer die Brandbekämpfung schließlich ein: "Es kann nicht unbegrenzt Löschwasser in den Havaristen gepumpt werden, sonst droht das Kentern des Schiffes, an dessen Bord sich zudem noch Treibstoff befindet", heißt es vom Havariekommando. Die Spezialkräfte lassen das Schiff stattdessen kontrolliert abbrennen und beschränken sich auf das Kühlen des Rumpfes.

Weitere Informationen
Löscharbeiten an der Ostsee-Fähre "Lisco Gloria" © dpa Foto: Sok Handout

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 24.01.2016 | 19:30 Uhr