Sendedatum: 26.11.2018 19:30 Uhr

Dorfgeschichte: Roge

von Thilo Buchholz

Das Leben im Dorf spielt sich draußen auf der Straße, ab. Man kann Spaziergänger treffen, Eltern mit ihren Kindern oder auch Ponys und Hühner neben der alten Schule sehen. Die Tiere gehören Friederike Grüllich. Sie hat in Roge einen Reitstall mit 15 Pferden - und eben Hühnern. Elf sind es an der Zahl. Einfangen kann sie ihre Federtiere nicht, sagt sie. Sie führen ein Eigenleben im Ort. Bedeutet aber eben auch, dass die Tiere bei Nachbarn ab und an in den Beeten picken. Damit der Dorfsegen nicht schief hängt, bekommen "betroffene" Anwohner Eier, gratis.

Roge-Tafel-Inschrift.

Dorfgeschichte aus Roge

Schleswig-Holstein Magazin -

Rund 300 Menschen leben im kleinen Roge im Kreis Ostholstein. 750 Jahre alt ist das Dorf - und so stehen neben Einfamilienhäusern auch viele historische Gebäude.

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Kreuze überall im Dorf

Sie sind nicht zu übersehen: blaue Kreuze. Sie stehen im Dorfzentrum, in der Dorfstraße oder am Dorfein- beziehungsweise -ausgang. Sie sind Symbole des Widerstands gegen das geplante Milliardenprojekt Fehmarnbelt-Tunnel. Gegner des Bündnisses "Beltretter" haben insgesamt 2.000 dieser eineinhalb Meter großen Holzkreuze aufgestellt zwischen Lübeck und Puttgarden.

Planungen für den Zugverkehr

In Roge, zwischen Dorf und A1, soll die Bahntrasse verlaufen. Bürgermeister Bernhard Markmann (FWV) und weitere Kritiker befürchten, dass bei einem Bau des deutsch-dänischen Infrastrukturprojekts mehr als 70 Güterzüge pro Tag unmittelbar am Dorf vorbeifahren. Die Bürgerinitiative will deshalb für eine Lärmschutzwand im Bereich Roge kämpfen. Die sogenannten "Beltretter" wollen den Fehmarnbelt-Tunnel verhindern, befürchten Schaden für Umwelt, Tourismus und Lebensqualität.

Roge im Wandel

25 Kinder leben aktuell mit ihren Eltern im Ort. Der jüngste Bewohner des Ortes ist keine zehn Tage jung. Eine Krippe, Kita oder Schule gibt es nicht. Die kleinen Bewohner müssen nach Neustadt in Holstein oder Süsel fahren. Der Vater des jüngsten Bewohners von Roge, Axel Benrath, hilft Ende November seinem Kumpel beim Hausbau. Sie putzen jede Menge rote Backsteine für die Fassade des neuen Hauses. Die alten Backsteine stammen aus den Wänden einer alten Scheune - nachhaltiges Bauen: im Ort ein wichtiges Thema. In Roge entsteht aktuell Wohnraum. Bezahlbar soll er sein, sagt der Bürgermeister. Die Gemeinde hat zwei größere Bauvorhaben laufen. An der ehemaligen Schule entstehen zwei Häuser mit je vier Wohnungen und im Baugebiet "Karkhof" sind es neun Grundstücke.

Lebendiger Weihnachtskalender

Roge hat etwa 300 Einwohner. Eine Dorfgemeinschaft gab es nicht, sagt Susanne Völkel. Sie hat es vor Jahren, als sie hierher zog, so empfunden und deshalb hat sie ein Projekt initiiert: einen lebenden Adventskalender. An 23 Tagen im Dezember treffen sich die Roger zum Lagerfeuer, Glühweintrinken, Basteln oder Klönen - und das immer an einem anderen Ort. Mal ist es ein Wohnzimmer, mal eine Scheune oder ein Raum der Freiwilligen Feuerwehr. Susanne Völkel organisiert diesen originellen Kalender zum zweiten Mal. Es sei ein geselliges Miteinander und das Dorf wachse auf diese Art zusammen.

Weitere Informationen

Dorfgeschichten aus Schleswig-Holstein

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 26.11.2018 | 19:30 Uhr