Stand: 20.07.2020 19:30 Uhr

Dorfgeschichte: Rabenkirchen-Faulück

von Karin Lorenzen

Der Ursprung von Rabenkirchen-Faulück soll auf eine Sage zurückgehen: Einst sollen sich hier Raben niedergelassen haben. Als Himmelsboten, um den richtigen Standort für den Bau einer Kirche anzuzeigen. Auf den Pfeilern eines Eingangstors zum Friedhof sitzen auch noch zwei steinerne Fragmente - sie symbolisieren die beiden Vögel, wenn sie auch nicht mehr gut zu erkennen sind.

VIDEO: Dorfgeschichte: Rabenkirchen-Faulück (4 Min)

Durch Gebietsreform an die Schlei

Die Gebietsreform in den 1960er und 1970er Jahren hat für viele Gemeinden viele Veränderungen gebracht. Rabenkirchen-Faulück hatte Glück: Seit 1971 gehört der Ort Karschau zur Gemeinde und mit ihm die direkte Lage an der Schlei. Hier gibt es einen großen Campingplatz mit 230 Stellplätzen - ein beliebter Ferienort für Gäste aus dem gesamten Bundesgebiet und aus Dänemark. Seit dem 18. Mai ist der "Campingpark Schlei-Karschau" wieder geöffnet und zur Freude seiner Besitzer ausgebucht.

Junge Menschen in alten Häusern

Die Kirche des Ortes Rabenkirchen. © NDR Foto: Screenshot shmag
Die Geschichte des Ortes ist auf einer Sage begründet: Einst sollen sich hier Raben niedergelassen haben. Als Himmelsboten, um den richtigen Standort für den Bau einer Kirche anzuzeigen.

Im Ort selber ist in den vergangenen Jahren viel passiert. Viele der alten Häuser wurden liebevoll saniert, einige werden von Städtern aus Hamburg oder Berlin als Ferienhäuser genutzt. Das alte Pastorat hat das Ehepaar Große aus Glücksburg gemietet. Ein stattliches Haus, das länger leer stand. Sie entdeckten es im Internet und Kerstin Große war zunächst gar nicht begeistert: Ein altes Gebäude mit niedrigen Decken wollte sie nicht. Aber als sie dann im Haus waren, war es um sie geschehen, erzählt sie: "Ich habe in Gedanken sofort begonnen einzurichten." Gleich nebenan ist die Marienkirche aus dem 12. Jahrhundert, die gerade erst neu restauriert worden ist.

Auch der alte Bahnhof hat neue Besitzer gefunden. Früher einmal ging die Bahnlinie von Süderbrarup nach Kappeln durch den Ort, heute werden die Gleise nur ab und zu noch von der Angelner Dampfeisenbahn genutzt. Tordis Laß und ihr Freund haben das Gebäude komplett renoviert, haben Wände rausgerissen, neue Böden verlegt und Bäder gebaut. Zur Belohnung wohnen sie jetzt in einem Haus mit großen Räumen und hohen Decken.

Neues Leben im Rabenhof

So weit wäre Trutz Clausen auch gerne. Der Landwirt wollte mit seiner Frau und seinen zwei Kindern in sein Elternhaus ziehen: auf den "Rabenhof". "Das Haus war altbacken, aber schien gut in Schuss", berichtet er. Als sie dann aber anfingen zu renovieren, entdeckten die Bauarbeiter Hauschwamm. Und das erfordert eine Grundsanierung, sagt er. Zur Zeit steht das Haus leer, die Decken werden von Stahlträgern gestützt und noch ist nicht absehbar, wann es wieder zu nutzen ist. Eine spannende Geschichte: Auch auf den Torpfeilern des "Rabenhofs" sitzen zwei versteinerte Raben - der Sage nach hätten sie auch diesen Standort für den Bau der Kirche ausgewählt.

Holsteiner Pferde für die Zucht

Braune und weiße holsteiner Pferde stehen auf einer Weide. © NDR Foto: Screenshot shmag
Der Ort ist bekannt für die Pferdezucht der Holsteiner.

Die jungen Familie Clausen ist fest entschlossen, hier wieder einzuziehen. Sie wollen den Platz für sich, aber vor allem auch für ihre Pferde. Die Clausens züchten seit vielen Jahren Holsteiner Pferde und wählen die besten aus, um sie von professionellen Reitern zu Springpferden ausbilden zu lassen. Zur Zeit haben sie zehn Stuten mit ihren Fohlen auf der Weide, fünf gehören ihnen, fünf haben sie in Pension genommen. Sie betreuen die Stuten beim Abfohlen und übernehmen die Aufzucht des Nachwuchses.

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Etwas älteres Paar sitzt auf dem Sofa und schaut Fernsehen. © goodluz/fotolia Foto: goodluz

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 20.07.2020 | 19:30 Uhr