Sendedatum: 15.07.2019 19:30 Uhr

Dorfgeschichte: Klinkrade

von Karin Henningsen

Das Bürgermeisterschild habe er gerade erst angeschraubt, erzählt der Bürgermeister von Klinkrade, als wir morgens im Ort ankommen. Tatsächlich ist Wolfgang Heß erst seit dem Juni im Amt, einstimmig gewählt und glücklich "etwas für seinen Ort tun zu können", sagt er stolz. Sein Ort: Das ist eine Gemeinde im Kreis Herzogtum-Lauenburg, in der etwa 600 Menschen leben.

Bürgermeister Wolfgang Hess bei der Anbringung eines Schildes an einem Haus.

Dorfgeschichte aus Klinkrade

Schleswig-Holstein Magazin -

Klinkrade liegt südlich von Lübeck im Kreis Herzogtum Lauenburg. Etwa 600 Menschen leben dort und es ist immer was los.

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Versammlung bei der Feuerwehr

Und auch für uns hat er einiges getan: Vor dem Feuerwehrgerätehaus warten die Mitglieder der Wehr, des Sportvereins, der Gemeindevertretung und der Lokalzeitungen auf uns. In der kleinen Sporthalle nebenan ist zwar kein Betrieb, aber die Rennradgruppe trifft sich hier regelmäßig am Samstag, um von hier aus eine 60 Kilometer lange Trainingsrunde zu drehen. Gleich daneben fällt uns ein besonders hübsches Reetdachhaus ins Auge. Es ist die 300 Jahre alte Schäferkate, in der heute Renate Obermeyer wohnt. Die 81 Jahre alte Frau ist vor sechs Jahren aus Düsseldorf hierher gezogen. "4000 Kilometer bin ich durch Deutschland gefahren, um so ein Haus zu finden", erzählt sie.

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In liebevoller Handarbeit gestaltet: die kleinen Figuren aus Knete von Renate Obermeyer.

Heute geht Renate Obermeyer hier ihrer Bastelleidenschaft nach: aus Knetmasse formt und klebt sie Alterssituationen nach und hat zum Beispiel einen kompletten Markt mit allen erdenklichen Ständen gebaut. Und Renate repariert bestickte Perlentaschen. Sie kauft alte Stücke auf Flohmärkten und setzt sie in mühsamer Kleinarbeit wieder instand.

Eigenes Blockheizkraftwerk

Beheizt werden die meisten Häuser im Ort vom Klinkrader Blockkraftheizwerk. 2009 haben sich 60 Bewohner zusammengetan und eine Genossenschaft gegründet. Sie haben vier Kilometer Leitung im Ort verlegen lassen, eine weitere zu einer Biogasanlage in einer Nachbargemeinde und sind seitdem, was Wärmeenergie angeht, autark: "Das gibt es nicht so oft in Schleswig-Holstein", sagt der Bürgermeister.

In der alten Schmiede wird hingegen noch manchmal das Feuer in der uralten Esse angemacht. Nicht um zu heizen, sondern um filigrane Metallspitzen zu schmieden, erzählt der Metallbauer Kai Schütt. Er führt den Betrieb in vierter Generation, aber stellt nicht, wie früher, Teile für Landmaschinen her. Kai hat sich auf Zäune, Rankgitter und anderes Gartenzubehör spezialisiert.

Dorfdisco und Howard Carpendale

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Der Saal der Dorfdisco von Rolf Pein ist regelmäßig gut gefüllt. Jugendliche aus der ganzen Umgebung zieht es nach Klinkrade.

Achtmal im Jahr ist der Ort voll mit Autos und vor allem voll mit jungen Menschen. Der Gastwirt des Ortes hält nämlich die Tradition am Leben, eine Dorfdisco zu veranstalten. Rolf Pein ist eigentlich Landwirt, hat aber den Gasthof von seinem Vater übernommen. Er macht nur Saalbetrieb und von September bis Ostern einmal im Monat Disco, die die Jugendlichen aus der ganzen Umgebung anzieht. Dann richtet sich ein Discjockey auf der Bühne ein, auf der schon mal ein echter "Promi" aufgetreten ist: 1969 war Howard Carpendale zu Gast in Klinkrade. Die erste Dorfdisco ist Ende September - ein guter Zeitpunkt, um Klinkrade mal wieder zu besuchen.

Karte: Klinkrade (Kreis Herzogtum Lauenburg)
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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 15.07.2019 | 19:30 Uhr