Sendedatum: 16.09.2019 19:30 Uhr

Dorfgeschichte: Katharinenheerd

von Carsten Prehn

In Katharinenheerd auf Eiderstedt leben links und rechts der B202 um die 180 Menschen. Wer von einer auf die andere Seite der Straße will, hat ein Problem, sagt Christa Heisterkamp: "Dann hab ich Pech gehabt! Ab zehn Uhr kommst du hier im Sommer nicht mehr rüber", denn der Verkehr von und nach St. Peter-Ording ist einfach zu stark. Selbst jetzt, gegen Ende der Urlaubszeit, tut sich nur selten eine Lücke im Strom der Autos auf: "Wir wollten gerne mal eine Fußgängerampel haben, aber das hat leider nicht hingehauen."

Schmiedeeiserne Königin mit Schriftzug

Dorfgeschichte aus Katharinenheerd

Schleswig-Holstein Magazin -

Katharinenheerd auf Eiderstedt in Nordfriesland hat eine sehr verkehrsgünstige Lage. Die B202 - die Hauptverkehrsader nach St. Peter-Ording, führt mitten durch das Dorf.

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900 Jahre St. Katharina

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Die Kirche St. Katharina steht auf dem höchsten Punkt in Katharinenheerd.

Abseits der Hauptverkehrsader wird es gleich viel ruhiger. Vorbei an idyllischen Grundstücken führt uns Dieter Heisterkamp, der Bürgermeister (KWK), zum höchsten Punkt. Auf diesem thront St. Katharina. In der 900 Jahre alten Kirche ist nur alle vier Wochen Gottesdienst, denn das Dorf teilt sich den Pastor mit drei Nachbargemeinden. Trotz des schönen Wetters sind nur wenig Menschen im Ort zu sehen. "Die sind wahrscheinlich alle zur goldenen Hochzeit", sagt der Bürgermeister. Da aber Katharinenheerd keine eigene Gaststätte mehr hat, feiert die Festgesellschaft in Dithmarschen - und das soll in Nordfriesland schon was heißen.

Obst und Gemüse im Vorbeifahren

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Das farbenfrohe Gemüse von Ahmad Hussein lockt viele Menschen an.

Direkt an der B202 gelegen befindet sich auch die "Ole School", das Gemeindehaus. Dort tagt der Gemeinderat und die Senioren treffen sich zum Kaffeetrinken. Daneben liegt ein Kinderspielplatz, dahinter ein Sportplatz und eine Festwiese. Einkaufsmöglichkeiten, Ärzte und Apotheken gibt es im Umkreis zwischen Tönning und St. Peter-Ording. Aber ein großer Gemüsestand lässt viele Autos in Katharinenheerd anhalten. Leuchtende Kürbisse, Kohl aller Art, Lauch, Sellerie, Äpfel und Pflaumen - aus Dithmarschen. "Das ist alles hier aus Deutschland, nur ich bin Ausländer," lacht Ahmad Hussein, der syrische Verkäufer.

Kunst am Dorfrand

Er malt und schweißt: Karl Kamrad macht Bilder und Metallobjekte. Seit dem Tod seiner Frau wohnt er allein mit einer Katze in einem 400 großen Haus. "Das war mal ’ne Kneipe und ’n Puff", schmunzelt der Künstler, "und ganz früher wurden hier Pferde beschlagen. Beim Graben im Garten hab‘ ich 200 Hufeisen gefunden." Im Garten wiegen sich seine stählernen und eisernen Skulpturen im Wind. Oder sie klingeln leise, "aber bei Sturm hört sich das anders an!", lächelt Karl Kamrad. In drei Berufen hat er gearbeitet: als Schlosser, im Büro und in der Altenpflege. Die Kunst war früher immer Nebensache. Inzwischen ist sie neben Haus, Garten und Katze zur Hauptsache geworden.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 16.09.2019 | 19:30 Uhr