Sendedatum: 11.11.2019 19:30 Uhr

Dorfgeschichte: Haby

von Thilo Buchholz

Wer nach Haby möchte, der fährt durch eine faszinierende Landschaft: sanfte Hügel, malerische Seen, im Herbst farbenfrohe Laubwälder. Haby liegt etwas versteckt zwischen dem Nord-Ostsee-Kanal und Eckernförde. Wer angekommen ist, dem fallen vielleicht in den vielen Vorgärten Kunstgegenstände aus Metall und Holz auf. Ist Haby ein Künstlerdorf? Ja, hier leben in der Tat viele Künstler. Manche nennen ihren Ort scherzhaft Klein Worpswede. Sie verweisen damit auf eine Stadt in Niedersachsen, die bekannt ist für eine Vielzahl an Künstlern, Kultureinrichtungen und Galerien. Reduzieren auf ein Künstlerdorf wollen die Menschen sich hier nicht, denn Haby ist noch viel mehr.

Dorfgeschichte Haby.

Dorfgeschichte aus Haby

Schleswig-Holstein Magazin -

In der kleinen Gemeinde Haby im Kreis Rendsburg-Eckernförde wohnen inmitten einer idyllischen Landschaft 560 Menschen - und von denen sind viele künstlerisch veranlagt.

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Eine Wohngemeinschaft der anderen Art

Karl-Heinz Rüter, ehemaliger Bürgermeister, lebt mit seiner Frau Rosemarie in einer WG. Beide wohnen mit 20 weiteren WG-Partnern in einem altem Bauernhof. Die alte Tenne ist der Gemeinschaftsraum. Es ist aber keine Wohngemeinschaft im studentischen Sinn. Jeder hat hier seine eigene Wohnung und sein eigenes Badezimmer. Wer privat sein will, kann das sein. Wer Gesellschaft möchte, kann Gesellschaft haben.

Karte: Haby

Soziales Engagement wird groß geschrieben

Karl-Heinz Rüter hat den alten Hof umbauen lassen. Er wollte so bezahlbaren Wohnraum schaffen. Flüchtlinge haben sie hier auch schon aufgenommen. Sozial sein - das ist ihm wichtig: Er hatte Hilfstransporte nach Bosnien-Herzegowina organisiert. Rüter leitet einen Seniorenverein mit 1.000 Mitgliedern. Aktuell veranstaltet er immer wieder Individual-, Schiffs- oder Vereinsreisen für Senioren nach Afrika, Peru oder Mallorca.

Mit Hilfe von Nutztieren zurück zur Natur

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Neben einer Arche für Nutztiere betreiben Peter Furck und seine Frau Ute einen Schafhof.

Individuell leben auch Peter Furck und seine Frau Ute. Sie haben eine Arche für Nutztiere. Zu ihren Mitbewohnern zählen Französische Enten, Rauwollige Pommersche Landschafe, Coburger Fuchsschafe, Bentheimer Landschafe, Vorwerk- und Sundheimer Hühner. Die zwei Diepholzer sind nicht mehr hier. Sie haben sich nicht vertragen mit den Hühnern. Alle Tiere von Peter und Ute stehen auf der Roten Liste bedrohter Nutztierrassen in Deutschland. Die Eheleute wollen diese seltenen Rassen erhalten und so für eine Tier-Vielfalt sorgen.

Seit 2008 besitzen Peter Furck und seine Frau neben der Arche auch einen Schafhof. Etwa 60 Schafe leben dort. Die Wolle verarbeiten sie. Regelmäßig veranstalten die beiden Spinnkreise für Menschen aus der Region. Gemeinsam sitzen sie dann an Spinnrädern und spinnen aus Rohwolle einen Faden. Etwas selbst herstellen, den Menschen den Bezug zu Tieren und zur Natur erklären - das wollen Peter Furck und seine Frau erreichen.

Ein gefragter Filmmusiker lebt in Haby

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David Shamban ist in Amerika ein gefragter Filmmusiker.

Auch Musikerinnen und Musiker leben im Dorf. Die Bürgermeisterin Gesche Clasen (SPD) ist Jazz- und Folkmusikerin. Sie beherrscht Violine und Querflöte. Ihr Ehemann David Shamban ist in Amerika ein gefragter Filmmusiker. Der Cellist war beteiligt an der Filmmusik-Produktion von Spider-Man, X-Men, 101 Dalmatiner und Batman.

Sein Filmmusik-Repertoire ist ellenlang. Außerdem trat er als Solo-Cellist unter anderem mit Stars wie Barbra Streisand, Michael Jackson, Madonna und Stevie Wonder auf. David Shamban und Gesche Clasen hatten sich auf einer Konzertreise kennengelernt. Seit 16 Jahren sind die beiden ein Paar und geben in Haby immer mal wieder Wohnzimmerkonzerte. David Shamban liebt es, in Haby zu leben. Er genießt die Ruhe und dass die Menschen hier entspannt sind.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 11.11.2019 | 19:30 Uhr