Sendedatum: 16.11.2018 19:30 Uhr

Grünkohl: Ernte und Forschung in SH

Jetzt im Herbst hat der Grünkohl Hochsaison in Norddeutschland. Sein gutes Image hat er nicht nur wegen seines Geschmacks, denn er ist die Kohlsorte der Superlative, wenn es um Inhaltsstoffe geht. Von Ernährungsberatern wird er sogar als regionales Superfood beschrieben, weil er unzählige positive Wirkungen auf den Menschen hat. Das wussten auch die alten Griechen.

Grünkohl im alten Griechenland: Ein Mittel nicht nur gegen Kater

Das beliebte Wintergemüse stammt vom Wildkohl ab, welcher ursprünglich in der Mittelmeerregion und Kleinasien wuchs. Schnell fanden die Griechen heraus, dass der krause Kohl nicht nur gut schmeckt, sondern auch gesund ist. Er ist sehr kalorienarm, reich an Eiweiß und ein super Vitamin- und Nährstofflieferant. Überlieferungen zufolge haben die alten Griechen nicht nur Grünkohl gegessen, um ihren Hunger zu stillen, sondern auch um die Folgen von übermäßigem Alkoholkonsum zu lindern. Nach dem griechischen Arzt Hippokrates soll Grünkohl als Brühe zubereitet Heiserkeit und Husten lindern. Als Saft mit Weizenmehl vermischt, half er den Griechen und Römern bei Schlangenbissen.

Grünkohl im modernen Gewand: Ein Superfood mit viel Talent

Als Katermittel hat es der Grünkohl nicht in die moderne Hausapotheke geschafft. Jedoch haben Wissenschaftler viele andere seiner positiven Eigenschaften erforscht. Er ist reich an Antioxidantien, welche freie Radikale binden. Dies kann zum einen vor vorzeitiger Alterung, zum anderen vor Krebs schützen. Der hohe Ballaststoffgehalt des Grünkohls sättigt nachhaltig, regt den Stoffwechsel an und tut dem Verdauungssystem gut. Auch unser Herz-Kreislauf-System freut sich über Grünkohl: Schon 100 Gramm Grünkohl decken bereits den dreifachen Tagesbedarf eines Erwachsenen an Vitamin K ab. Dieses Vitamin schützt die Gefäße vor Ablagerungen, die langfristig zu Arterienverkalkungen führen. Die enthaltenen Omega-3-Fettsäuren wirken sich positiv auf das Blut aus. Es gilt, je schonender zubereitet (gedünstet oder gar roh), desto mehr Nährstoffe bleiben erhalten. Seine wertvollen Eigenschaften machen Grünkohl zu einem wahren Superfood.

Grünkohl: Superfood und Schnitzelersatz

Grünkohl statt Schnitzel

Das Superfood landet nicht nur typisch norddeutsch mit Pinkel auf unserem Teller. Das Gemüse ist voll im Trend und eignet sich hervorragend für vegetarische und auch vegane Gerichte. Das liegt an seinem relativ hohen Protein- und Eisengehalt. Er hat etwas mehr Eisen als Schweinefleisch und ist daher eine gute Alternative, um auf vegetarischem Weg den Bedarf zu decken. Ebenso enthält Grünkohl alle B-Vitamine, was gerade bei vegetarischer und veganer Ernährung wertvoll ist.

Grünkohl mal anders

Nicht nur die Europäer kennen und lieben den Grünkohl. Er wird auch auf den anderen Kontinenten geschätzt und nach heimischem Gusto zubereitet. Die einen mögen ihn klassisch mit Fleisch und Kartoffeln, andere mit Früchten als Smoothie gemixt oder getrocknet und gewürzt als Chips. Leckere Rezepte, beispielsweise aus der afrikanischen oder thailändischen Küche, können der klassisch deutschen Zubereitung Konkurrenz bieten.

Ein Kohl - viele Namen

Das krause, grüne Gemüse aus dem Garten ist überall bekannt - und trägt überall andere Namen. In Ostfriesland kennt man Grünkohl unter dem Namen "Friesische Palme", in Bremen wird im Zusammenhang mit Grünkohl oft vom ursprünglich dort angebauten "Braunkohl" gesprochen. Auch als "Krauskohl" oder "Winterkohl" ist der Grünkohl bekannt und, im wahrsten Sinne des Wortes, in aller Munde.

Grünkohl alleine hilft nicht beim Einschlafen

Der Biologe Dr. Henning Vollert aus Bad Segeberg, erforscht gerade, ob und wie Grünkohl die Wirkung von Baldrian verstärken kann. Sein Ziel ist es herauszufinden, welcher der mehr als 100 Bitterstoffe des Grünkohls am besten mit Baldrian zusammenwirkt. Diese Kombination konnte in der Vorstudie für einen besseren Schlaf sorgen. Denn anders als bei synthetischen Schlafmitteln, wird durch die Kombination nicht der ganze Körper lahmgelegt, die Areale im Hirn, die für die Regeneration nötig sind, bleiben aktiv. Das heißt aber nicht, dass Grünkohl essen förderlich für guten Schlaf ist. Dagegen spricht auch einiges: Grünes Gemüse, also auch Grünkohl, enthält zwar Magnesium und Calcium, ist jedoch auch reich an Ballaststoffen. Der menschliche Verdauungstrakt benötigt einige Zeit, um diese Ballaststoffe zu verarbeiten. Isst man nun am späten Abend Grünkohl, so treffen Schlaf und das Verarbeiten der Ballaststoffe zusammen - mit der Folge, dass der Schlaf alles andere als ruhig und fest ist.

Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 16.11.2018 | 19:30 Uhr

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