Stand: 15.04.2019 20:18 Uhr

Experten warnen vor zu viel Antibiotika für Kinder

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Kindern werden besonders häufig Antibiotika verordnet. Zu häufiger Einsatz könnte die Bildung resistenter Keime fördern, warnen Experten.

Es werden zu viele Antibiotika verschrieben, warnt das Robert Koch-Institut. Und das geht schon im zarten Kindesalter los. Ein aktueller Report der DAK zur Kinder- und Jugendgesundheit belegt, dass jedes vierte Kind hier im Land im vergangenen Jahr Antibiotika bekommen hat. Damit liegt Schleswig-Holstein zwar leicht unter dem Bundesdurchschnitt, aber Kinder bis 14 Jahren zählen hier zu der besonders stark mit Antibiotika versorgten Bevölkerungsgruppe.

Doch eine zu häufige Anwendung von Antibiotika kann die Bildung von antibiotikaresistenten Keimen fördern. Schätzungen zufolge sterben in Deutschland jährlich etwa 2.300 Menschen an multiresistenten Keimen. Zwei Kinderärzte aus Altenholz (Kreis Rendsburg-Eckernförde) versuchen entgegen dem allgemeinen Trend, mit Antibiotika besonders bei Kindern äußerst zurückhaltend umzugehen.

Antibiotika erst nach eingehenden Untersuchungen

Kinderarzt Philipp Elischer hat zurzeit ein volles Wartezimmer. Sein erster Patient ist Lennart. Er hatte gestern Fieber und hat starke Halsschmerzen. Bei ihm im Kindergarten geht gerade Scharlach rum, der meist mit Antibiotika behandelt wird. Ein Scharlach-Test soll Klarheit für Lennart bringen. Der Kinderarzt aus Altenholz achtet besonders darauf, Antibiotika erst nach eingehenden Untersuchungen einzusetzen.

Züchten resistente Bakterien, die wir nicht mehr behandeln können

Sein Kollege Ralf van Heek hat eine Initiative gegründet, um den Einsatz von Antibiotika einzudämmen. Einige Ärzte würden sie aus Zeitmangel verschreiben oder aus Angst, etwas übersehen zu haben: "Häufig denkt der Arzt, die Eltern wollen ein Antibiotikum oder sie wollen, dass ich etwas tue", erklärt van Heek. "Wir haben ein gesellschaftliches und eigentlich ein ökologisches Menschheitsproblem, dass wir Antibiotika zu großzügig einsetzen und uns resistente Bakterien heranzüchten, die wir irgendwann nicht mehr behandeln können".

Während Lennart noch auf das Testergebnis wartet, untersucht Doktor Elischer seinen zweiten Patienten Leo. Er konnte die ganze Nacht nicht schlafen, hat Fieber und Husten. Elischer muss entscheiden, ob Leo nur erkältet ist oder doch etwas Ernsteres hat. Doch nur bei einem Bruchteil der Erkrankungen sind Antibiotika wirksam: "Wir schauen dem Infekt erst mal 72 Stunden lang zu, dann müssen wir Blut abnehmen und den Urin kontrollieren, ob denn die Harnwege betroffen sind. Da müssen wir uns dann einfach auf die Suche machen," erklärt er der besorgten Mutter.

Die meisten Infekte sind viral, da sind Antibiotika wirkungslos

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Einige berufstätige Eltern können es sich nicht leisten, mit ihrem Kind zu Hause zu bleiben. Sie beharren deshalb auf Antibiotika, weil sie sich davon eine schnellere Genesung ihres Kindes erhoffen. "Da die meisten Infektionen, die wir heute bei Kindern behandeln, Virusinfektionen sind, stellt sich eigentlich die Frage nach einem Antibiotikum nicht", erläutert van Heek. "Virusinfektionen können wir einfach nicht antibiotisch behandeln. Die können wir überhaupt nicht behandeln, da muss das Immunsystem allein mit fertig werden."

Müssen lernen, Fieber bei Kindern auszuhalten

Die Waffe des Immunsystems ist Fieber. "Da würden wir gern Eltern mehr zu bringen, informieren und bilden, damit sie das aushalten", sagt van Heek. Eltern sollten Kindern viel Ruhe und genügend zu trinken geben. Schmerztabletten sollten sie nur verabreichen, wenn das Kind Schmerzen hat. Um das Fieber zu senken, sollten Eltern die Haut des Kindes großflächig mit einem nassen Waschlappen anfeuchten, so die Experten. Erst ab 41 Grad könne Fieber bei Kindern gefährlich werden.

In der Zwischenzeit ist der Scharlachtest von Lennart fertig. Er ist negativ und das bedeutet laut Elischer, dass ein Antibiotikum derzeit nicht zu empfehlen sei.

Der nächste kleine Patient wartet schon und auch bei ihm wird Elischer genau prüfen, ob ein Antibiotikum wirklich notwendig sind.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 15.04.2019 | 19:30 Uhr