Schleswig-Holstein 18:00

Inklusives Business 2.0

Freitag, 23. September 2016, 18:00 bis 18:15 Uhr

Dass Menschen mit körperlichem, geistigem oder seelischem Handicap in Werkstätten arbeiten und dabei grandiose Qualität abliefern, dürften inzwischen jeder mitbekommen haben. Unternehmen, die sich soziale Verantwortung auf die Fahne schreiben, geben gezielt ihre Aufträge an solche Werkstätten. Ahnungslose Konsumenten merken nicht einmal, dass ihr Möbelstück aus einem Integrationsbetrieb stammt. So normal, so selbstverständlich ist das schon.

Als Biohof konkurrenzfährig

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Ebenfalls direkt an den Hof angeschlossen, ist die hofeigene Produktion, in der die Waren direkt weiterverarbeitet werden.

Aber da geht noch mehr, finden einige schleswig-holsteinische Vordenker. Auf Hof Kubitzberg in Altenholz bearbeiten zum Beispiel 60 betreute Mitarbeiter einen Biohof, der grundsätzlich mit vergleichbaren landwirtschaftlichen Betrieben konkurrenzfähig wäre. Klar gibt es Zuschüsse, klar sind die Mitarbeiter, die zum Beispiel eine psychische Störung vom ersten Arbeitsmarkt fernhält, nicht immer gleich gut drauf und belastbar. Aber es geht. Und es macht den Arbeitnehmern Spaß, Rinder und Hühner zu versorgen, Kürbisse zu ernten, sie gleich für den Kunden weiter zu verarbeiten, oder im hofeigenen Bioladen zu verkaufen. Struktur für den Alltag, soziale Kontakte und ein eigenes Einkommen sind drei wichtige Dinge, die die Mitarbeiter auf Hof Kubitzberg bekommen. Die Einrichtung gehört zu den Schleswiger Werkstätten und unter deren Dach finden sich noch weitere innovative Jobangebote für Menschen mit seelischen, geistigen und körperlichen Problemen.

Lebenserfahrung statt pädagogischer Ausbildung

Das Hotel Alter Kreisbahnhof mit angeschlossenem Restaurant setzt zu 41 Prozent auf Menschen mit Behinderungen. Im Gastro- und im Roomservice kommen Menschen zum Einsatz, die zum Beispiel unter einer Lernbehinderung leiden. "Das Anlernen dauert deshalb länger, aber danach läuft der Laden", sagt Betriebsleiter Mario Klein, seines Zeichens Koch und Kaufmann. Sein Konzept könne nicht nur, es müsse stärker Schule machen. Eine sozialpädagogische Ausbildung hat er nicht. Ihm reichen Lebenserfahrung und Leidenschaft, um sich auf die speziellen Bedürfnisse seiner Mitarbeiter einzustellen. Die schicken maritimen Möbel, die Hotel und Terrasse schmücken sind selbstverständlich in den Werkstätten entstanden.

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Design mit regionalem Bezug

Nur zehn Autominuten vom Kreisbahnhof entfernt werden im Schleiwerk Taschen und Sitzsäcke aus altem Segeltuch upgecycelt. Von Menschen mit psychischen Störungen und ihren Gruppenleitern. Zu den handwerklichen Arbeiten kommt eine kreative Komponente hinzu. Die Gruppen arbeiten nicht nur Aufträge ab, sie designen eigene, regionale Logos mit Bezug zur Schlei und verkaufen bedruckte Shirts oder Becher. Im Laden und über einen, ebenfalls in Eigenregie gepflegten, Onlineshop.

Rarität im inklusiven Geschaft: EDV-Jobs

Vierte Station der Reise durch die integrative Wirtschaft Schleswig-Holsteins ist das Bücher-Café. Gespendete Bücher werden dort aufpoliert und über einen Amazonshop verkauft. Fünf Jahre läuft das Projekt und es lohnt sich inzwischen richtig. Die Einrichtung hatte damals auf den Umstand reagiert, dass EDV-Jobs sehr rar sind im inklusiven Geschäft. In den Büros und Lagerräumen des Bücher-Cafés im schleswiger Industriegebiet können Menschen mit körperlichen und seelischen Einschränkungen nun auch am Computer arbeiten. Datenbanken verwalten, Onlinekorrespondenzen führen und Bestellungen bearbeiten.

Für Schleswig-Holstein 18:00 schnuppert NDR Moderator Philipp Jeß rein in Bauernhof, Küche, Werkstatt und Onlinehandel.

Moderation

Philipp Jeß

Film und Fernsehen sind die Leidenschaften des quirligen Jung' aus Kiel. Seit 2013 moderiert er Schleswig-Holstein 18:00. mehr

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Norbert Lorentzen