Rund um den Michel

Sonntag, 07. Januar 2018, 18:00 bis 18:45 Uhr
Montag, 08. Januar 2018, 01:55 bis 02:40 Uhr

Die Reeperbahn, der Hafen, die Elbphilharmonie und so viele andere Ecken wären nichts als Kulisse, wenn nicht ganz besondere Menschen sie mit Leben erfüllen würden. Hamburger Typen eben, die das Flair dieser Metropole ausmachen.

Rund um den Michel meldet sich am 7. Januar um 18 Uhr aus jenem Stadtteil, der womöglich noch bekannter ist als Hamburg selbst – aus St. Pauli. Dort treffen wir den Fotografen Günter Zint, der den Kiez kennt wie kaum ein anderer, ein St.Pauli-Museum ins Leben gerufen und bereits in den 1960er-Jahren die Beatles im Star Club fotografiert hat. Seit 50 Jahren lichtet er besondere Typen ab und ist längst selbst einer.

Besondere Zwillinge

Zwei sehr besondere Brüder sind Frederick und Gerrit Braun: Mittlerweile ist das von ihnen betriebene Miniaturwunderland in der Speicherstadt die beliebteste Sehenswürdigkeit Deutschlands, gerade bauen die Zwillinge am Abschnitt Venedig.

Die Bierkönigin von Eilbek

Mitten in Eilbek, kurz hinter Hauptverkehrsstraße und S-Bahngleisen, liegt Hamburgs kleinstes Königreich. Seit 2005 wird es regiert von Esther Isaak - ihr Thron ist aus Kisten, ihre Zepter aus Glas. Ursprünglich aus Paraguay, kam sie im Alter von 20 Jahren nach Deutschland, um hier zu studieren. Heute verkauft Esther Isaak in ihrem Geschäft mehr als 100 verschiedene Biersorten aus allen Teilen der Welt und betont stets, dass Bier mehr unterschiedliche Aromen habe als Wein. Zudem engagiert sie sich in der Partei "Die Partei" politisch. Für ihren Stadtteil und die Menschen, die um sie herum leben. Was dazugehört? Man müsse Mut haben - und bescheuert sein, sagt sie. Vor allem aber müsse man Menschen lieben. Und das tut sie, Esther Isaak, Hamburgs selbsternannte Bierkönigin.

Zwischen Salsa und Sandkasten

Früher war er als Radar-Techniker in Kriegsgebieten unterwegs - jetzt arbeitet er als Tagesvater mit Krippenkindern. Arturo Triggs ist im kubanischen Havanna geboren und aufgewachsen und vor 14 Jahren der Liebe wegen nach Hamburg gekommen. Als er sich dann liebevoll um seine Kinder und manchmal auch um die seiner Nachbarn gekümmert hat, haben sie ihn auf die Idee gebracht, daraus einen Beruf zu machen. Für die Kinder ist er dabei ein echter Hingucker: Er ist groß und kräftig, aber die Kinder haben keine Angst vor ihm. "Die Kinder sehen nur meine Seele", sagt der 52-Jährige. Zum Ausgleich zu seinem neuen Leben, das sich fast rund um die Uhr um Kinder dreht, tanzt er jede Woche im "Cascadas", einer Salsa-Bar in der Nähe der Binnenalster - für ihn eine Art "Heimaturlaub".

Günther Zint im Interview

Seit Jahrzehnten lebt und arbeitet Günter Zint auf St.Pauli, kennt den Stadtteil und seine Bewohner wie kaum ein anderer. Gerade hat er wieder ein Buch herausgegeben mit dem Titel "Hamburg meine Perle", das seine berühmten Aufnahmen neben denen zweier Hamburger Fotografen aus den 1940er und 1950er Jahren zeigt. "Foto Günter" hieß er im Milieu, dem er in unzähligen Aufnahmen ein Denkmal setzte. Auch die Gründung des Stadtteilmuseums geht auf seine Initiative zurück. Ein wichtiger Kopf im Jahr 2018 ist er aber wegen seiner Erlebnisse mit der 68er-Bewegung, die nun ihren 50. Geburtstag feiert. Als er nach einer Demonstration gegen Springer mit gebrochener Kniescheibe im Krankenhaus lag, kam er auf die Idee, als Gegenentwurf zur "Bild"-Zeitung die "St.Pauli Nachrichten" zu gründen. Julia-Niharika Sen plaudert mit ihm im St. Pauli-Museum. 

Strick-Anna mit Herz und Nadel

Stricken, Häkeln und Sticken ist ihre Leidenschaft. Bei Anneliese Meierott dreht sich alles um edle Garne - und um ihr soziales Engagement. Die 79-Jährige hilft Obdachlosen auf der Straße, ein bisschen wärmer durch den kalten Winter zu kommen. Sie verteilt selbstgestrickte Pullover, Handschuhe, Decken und Mützen. Ihre Wolle dafür kommt von Spendern aus ganz Deutschland. "Strick-Anna", so ihr Spitzname, hat ein erfolgreiches Arbeitsleben hinter sich, doch einmal ging sie mit einem feinen Fischladen in Pöseldorf pleite und hatte dadurch hohe Schulden. Das hat die 79-Jährige bis heute nicht vergessen. Gerade deshalb hilft sie den Obdachlosen in Hamburg. "Strick-Anna" ist aber auch bei ihren beliebten Strickkursen mit Herz und Nadel bei der Sache. In gemütlicher Runde gibt sie zu Hause in ihrem Wohnzimmer vielen Schülerinnen Unterricht.

Personalausweis unter der Haut: Der Cyborg

In einer Einfamilienhaus-Siedlung im beschaulichen Hamburg-Bergstedt wohnt die Zukunft. Die heißt Patrick Kramer und nennt sich selbst einen Cyborg, eine Mischung aus Mensch und Maschine. Kramer trägt einen wenige Millimeter kleinen Mikrochip unter der Haut: an der Hand, zwischen Daumen und Zeigefinger. Einen Autoschlüssel braucht er nicht mehr. Auch keinen Haustürschlüssel. Er öffnet und schließt alles mit einer Handbewegung mithilfe seines Mikrochips, wie in einem Science-Fiction-Film. Außerdem auf seinem Chip: seine Visitenkarte, sein Social Media-Profil, ein medizinischer Notfallpass. Und das ist erst der Anfang: "In Zukunft werden wir Mikrochips im Gehirn tragen und damit direkt von Gehirn zu Gehirn kommunizieren", sagt Kramer. Er selbst hat seinen Job als Unternehmensberater aufgegeben und entwickelt und vertreibt nun selbst Mikrochip-Implantate und andere, sogenannte Biohacking-Geräte wie etwa einen Gehirnstrommesser, mit dem sich die tägliche Meditation optimieren lässt. Kramers Frau ist ebenfalls ein Cyborg. Ihr Mann hat ihr einen Mikrochip in die Hand implantiert. Sie hat unter anderem ihr Ehegelübde auf dem Chip gespeichert. "Die Idee kommt von meinem Mann. Die Verbindung von Technik und Romantik", sagt sie. Wir besuchen den Hamburger Cyborg und wagen mit ihm einen Blick in die Zukunft der Menschheit.

Das Abenteuerer-Paar

Sie frösteln und frieren, der Hamburger Schmuddelwinter ist ihnen ganz fremd geworden: Die Hamburger Lena Wendt und Ulrich Stirnat haben getan, wovon so viele träumen. Sie sind ausgestiegen, einfach abgehauen und 22 Monate nach Afrika gefahren. Eigentlich war ihr Ziel Südafrika, doch über Westafrika sind sie nie hinausgekommen. 46.000 Kilometer, 14 Länder. Nun sind sie wieder da und haben jede Menge Filmmaterial dabei. Eigentlich waren die Aufnahmen für Freunde und Verwandte gedacht, doch jetzt versuchen die beiden einen großen Dokumentarfilm per Crowdfunding auf die Reihe zu bekommen - sie wollen ihr Afrika zeigen, ganz persönlich das Publikum an ihren Erfahrungen teilhaben lassen, an ihrer Reise, die ihr Leben vollkommen verändert hat. Mit ihren beiden mitgebrachten Hunden "Fufu" aus Ghana und "Undido" aus Marrokko sind sie bei Freunden am ländlichen Rand Hamburgs untergekommen und arbeiten unermüdlich an ihrem Projekt.

Die Pflegerin des Jahres

Sie ist eine Krankenpflegerin mit Leidenschaft. Elisa Siebler sagt selbst, dass sie einen Traumberuf habe, denn nirgendwo anders könne man Menschen so sehr helfen. Dabei musste sie auch selbst lernen, dass Krankheit jeden treffen kann. Sie hat Multiple Sklerose. Doch gerade die Krankheit gibt ihr jeden Tag neu Kraft, sich um die anderen zu kümmern. Das zeichnet sie aus. Und macht sie so sympathisch.

Vom Wunderland zum Social Influencer: die Gebrüder Braun

Zurzeit rasen sie von einer Talk-Show zu nächsten und reden über das, was ihr Kindheitstraum war: die weltweit größte Modelleisenbahn zu bauen. Vor 16 Jahren haben Frederik und Gerrit Braun mit einer Hand voll Leuten die ersten Weichen auf ihrer Anlage in der Speicherstadt gestellt. Heute sind sie Chefs von 300 Mitarbeitern. Zwei Jahre in Folge wurde das Miniatur Wunderland der Zwillingsbrüder zur beliebtesten Sehenswürdigkeit  in Deutschland gekürt. Längst nutzen die beiden ihre Popularität auch in sozialen Netzwerken: Sie rufen dazu auf, zur Wahl zu gehen oder sich zum Thema G20 zu verhalten. Wir konnten sie für ein paar Stunden durch ihren Alltag begleiten.

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Kleine, große Welt: Das Miniatur Wunderland

Vom Harz bis zum Grand Canyon, vom Open-Air-Konzert bis zum Liebespaar im Blumenfeld: In den fantasievoll gestalteten Landschaften der Hamburger Modelleisenbahn wimmelt es von Details. mehr

Elefantenflüsterer in vierter Generation

Tropenaquarium, Eismeer, Orang-Utan-Haus: Im Tierpark Hagenbeck ist seit den 70er, 80er-Jahren so viel passiert. Manches ist aber auch noch wie früher, zum Beispiel Elefantenpfleger Thorsten Köhrmann. Gute Laune schon morgens um sechs, Augen links und rechts, immer ansprechbar für die neuen Kollegen und mit aller Liebe im Dienst seiner "Hasen", wie Köhrmann die Elefanten liebevoll nennt.

Theaterregisseur Murat

Als Kleinkind kam er nach Hamburg, seine Eltern waren Gastarbeiter aus der Türkei. Sein Vater wollte, dass er mal den Lebensmittelladen übernehmen würden. Aber Murat Yeginer wollte ans Theater. Und der heute 59-Jährige ging seinen Weg: Als Schauspieler und als Regisseur.

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Elbphilharmonie - Hamburgs stolzes Wahrzeichen

Die Elbphilharmonie entwickelt sich zum größten Besuchermagneten Hamburgs. Hier finden Sie Informationen zu Programm und Ticket-Kauf sowie alles rund um die spektakuläre Eröffnung. mehr

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