Rund um den Michel

In Hamburgs Herz: St. Pauli mal anders

Sonntag, 06. September 2020, 18:00 bis 18:45 Uhr
Montag, 07. September 2020, 03:10 bis 03:55 Uhr

Wo schlägt eigentlich Hamburgs Herz? Rund um den Michel hat man es auf St. Pauli besonders laut gehört. Auch wenn der Amüsierbetrieb auf der Reeperbahn derzeit sehr eingeschränkt ist, gibt es trotzdem viel zu sehen und viele herzliche Menschen zu treffen, die diesen Stadtteil so liebenswert machen. Zum Beispiel Ingo und Heidrun Dick mit ihrem legendären Tanzschuh-Laden, der sich seit 1975 in der Talstraße behauptet, obwohl dort eigentlich viel höhere Absätze gefragt sind. Wir begeben uns mit Axel Ohm, dem Betreiber der River-Kasematten, auf die Spur des legendären Brauers Henricus Knaust, der vor 500 Jahren in Hamburg Biergeschichte geschrieben hat und befragen Alexander Schulz, wie er trotz Corona ein erlebnisreiches Reeperbahn-Festival organisiert.

Der Tango-Kiez

Die Beine eines Tango-Paares © Picture-Alliance/KEYSTONE
Der Tango Argentino gehört seit Jahren zum Kiez dazu.

Der Tango Argentino ist eine besondere Facette der Erotik auf St. Pauli. Er ist ein ganz spezieller Tanz voller Sinnlichkeit und knisternder Spannung. Der Tango schwappte Mitte der achtziger Jahre nach Europa. Auf dem Kiez ist er seitdem nicht mehr wegzudenken. Sylvia und Eckhard lieben hier das Lebensgefühl und den bunten Mix der Menschen, den Tango tanzen sie im La Yumba. Von solchen Tanzschulen leben auch Heidrun und Ingo Dick. Ihr Kultschuhladen ist auf St. Pauli eine echte Institution. Die Damen vom Kiez brauchen beim Table Dance aber höhere Absätze. "Viel höhere Absätze", meint Heidrun.

Konditorei Rönnfeld

Birgit Aue kreiert ihre "Marzipan-Girlies" in unbedeckter Schönheit. In ihrer Konditorei Rönnfeld auf St. Pauli sind die süßen Leckereien ein echter Hingucker. Alles ist bei Birgit garantiert handgemacht - feinste Pralinen, Torten oder Sahneschnittchen. Schon Jan Fedder hat bei ihr genascht. In der Konditorei trifft sich das Kiez-Publikum um Leipziger Lerchen oder die Herzen von St. Pauli zu genießen. Seit 29 Jahren arbeitet die Konditorin nun schon hier - und das nicht ohne Grund.

Schmidts Tivoli

Auch kulturell ist St. Pauli das Herz von Hamburg - mit seinen vielen Theatern und Musikclubs. Und so langsam erwacht das kulturelle Leben hier auch wieder, nachdem wegen Corona monatelang alles daniederlag. Den Anfang hat das Schmidt Tivoli schon Anfang Juli gemacht - als bundesweit erstes Theater, das seit Beginn der Corona-Krise wieder den Spielbetrieb aufgenommen hatte.

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Das Plakat von der neuen Show im Schmidts Tivoli.

Start fürs Schmidts mit "Paradiso"

Für das Schmidts Tivoli ist der Spielbetrieb nach drei Monaten wieder gestartet. "Paradiso" ist die neue Show, die unter Corona-Auflagen aufgeführt werden darf. mehr

Chris aus der Talstraße

Er trägt gerne Hüte, aber mit der Reeperbahn hat Christopher Gerdts nicht viel am Hut. Sein St. Pauli sind die ruhigen Ecken. Christopher ist ein echtes Unikum und lebt seit 32 Jahren auf dem Kiez. Der Mann mit Knebelbart und Zopf liebt es, als ehemaliger Seemann und Heizungsbauer in Zunftkluft herumzulaufen. "Die St. Paulianer sind sehr tolerant und der Kiez sehr vielschichtig", sagt Christopher. Beim Einkaufsbummel durch sein Viertel besucht er traditionelle Geschäfte, die ein Tourist in der Regel gar nicht kennt.

Seewetteramt Hamburg

Regenjacke oder doch lieber Sonnenhut? Wer an den Landungsbrücken unterwegs ist, könnte ganz einfach die Profis vom Deutschen Wetterdienst und vom Seewetteramt Hamburg fragen. Denn die erforschen seit gut 150 Jahren auf St. Pauli das Wetter. Und das nicht nur in Norddeutschland, sondern besonders auch auf den Ozeanen, um Seeleute und Schiffe sicher über die Weltmeere zu bringen.

Annas neue Apotheke

Was macht man, wenn man plötzlich eine 221 Jahre alte Apotheke erbt? Anna Genger ist Künstlerin. Die Apotheke hatte ihre Mutter seit den 1970ern gepachtet, die Einrichtung stammt noch von 1799 und steht unter Denkmalschutz. Und Anna Genger hat ungewöhnliche Pläne dafür: Sie möchte ein Museum daraus machen, in dem sie alte Massageapparate und Vibratoren ausstellt, aber auch moderne Kunst.

Interview mit Alexander Schulz, dem Organisator des Reeperbahn-Festivals

Im Club Nochtspeicher trifft Julia-Niharika Sen auf den Organisator des Reeperbahn-Festivals Alexander Schulz, der ihr im Gespräch erklärt, wie er und sein Team es schaffen, das größte Clubfestival Europas unter Corona-Bedingungen stattfinden zu lassen. "Das Publikum wird an Tischen sitzen und sich fühlen wie in einem Jazz-Club der 1930er Jahre", verspricht Schulz.

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Das Publikum sitzt auf Klappstühlen beim Konzert. © NDR Foto: Benjamin Hüllenkremer

Alle Infos zum Reeperbahn Festival 2020

Trotz Corona-Pandemie ist das 15. Reeperbahn Festival in Hamburg über die Bühnen gegangen. Über die neue Streaming-Plattform konnten Fans viele Konzerte online verfolgen. mehr

Die schlagfertigen Frauen der Ritze

Reklame auf der Reeperbahn © dpa Picture Alliance
Der wohl bekannteste Kiezclub: die Ritze.

Rote High Heels – gespreizte Beine. So empfängt einer der wohl bekanntesten Kiez-Clubs seine Gäste. Zwielichtige Rotlicht-Größen, berühmte Boxer und diverse andere Promis gingen in der "Ritze" schon ein und aus. Im legendären Boxkeller haben die ganz Großen geboxt – Muhamed Ali, Dariusz Michalczewski, die Klitschko-Brüder. Heute stehen auch Frauen im Ring - trainiert von der dreifachen Box-Weltmeisterin Maria Lindberg. In der Ritze trifft alte Tradition auf neue Frauenpower. Wir besuchen die Menschen, die hier Kiezgeschichte bewahren und neue Kapitel schreiben.

Bier und Jazz: die Riverkasematten

Die Landungsbrücken und den Fischmarkt kennt so gut wie jeder. Aber dazwischen liegt ein Gebäude, das durchaus mal übersehen wird: Die Riverkasematten. Und dabei schlummert in den ehemaligen Lagerhallen so viel über St. Paulis Geschichte. Tranbrennerei, Markthalle, Luftschutzbunker - das sind nur einige Stationen. Nach dem 2. Weltkrieg gab es hier in einem vorgelagerten Gebäude den legendärsten Jazzclub Hamburgs, in dem selbst Größen wie Ella Fitzgerald und Louis Armstrong spielten. Ein paar Jahre lang standen die Riverkasematten leer, aber Axel Ohm und sein Team haben es sich zur Aufgabe gemacht, den Ort wieder zum Leben zu erwecken. Wo früher Wale zerlegt wurden, tüfteln sie jetzt außergewöhnliche Biersorten aus. Und sind dabei auch noch auf den wohl ältesten, prominenten Bierliebhaber Hamburgs gestoßen: Henricus Knaust, der vor mehr als 400 Jahren schon ein Buch über 150 unterschiedliche Biere geschrieben hat.

Der gute Geist von St. Pauli

Karl Schultz ist katholischer Pfarrer auf St. Pauli und seine Kirche steht direkt auf der Großen Freiheit. Größer könnte der Kontrast kaum sein: ein Ort der Besinnung inmitten des weltberühmten Party-Zentrums. Umgeben von Diskotheken, Bars und Strip-Clubs. Karl Schultz sagt über seine Kirche: "Wir sind hier der älteste Club" - denn die Kirche war lange vor der Partymeile da. Heute konkurrieren Glaube und Besinnung mit lauter Musik und Alkohol. Oder ist es vielmehr ein Miteinander?

Redaktionsleiter/in
Sabine Rossbach
Redaktion
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Moderation
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Produktionsleiter/in
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