Rund um den Michel

Hamburger Wahrzeichen

Sonntag, 07. April 2019, 18:00 bis 18:45 Uhr
Montag, 08. April 2019, 02:05 bis 02:50 Uhr

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Blick vom Michel auf einen Sonnenaufgang über der Elbphilharmonie in Hamburg.

Manche Städte haben gar keins, andere gleich mehrere: Wahrzeichen, emblematische Orte, die für viele Menschen das Wesen der Stadt auf den Punkt bringen. In Hamburg ist das zunächst natürlich die Hauptkirche St. Michaelis, die aber zunehmend Konkurrenz durch die Elbphilharmonie bekommt. Rund um den Michel erzählt Geschichten über alte und neue Wahrzeichen. Zum Beispiel über die Speicherstadt, hinter deren Mauern längst nicht mehr nur Tee, Teppiche oder Kaffee lagern, oder über die Köhlbrandbrücke, die Jahrzehnte lang die Silhouette der Stadt prägte und demnächst in Rente gehen muss.

Pokale für den Michel, Keramik für den Elbtunnel

Wahrzeichen werden nur zu solchen, wenn sie möglichst vielen Menschen etwas bedeuten. So lässt ein Schützenkönig all seine Pokale einschmelzen, weil der Michel neues Silber für Abendmahlskelche braucht. Ein Keramikkünstler fertigt seit Jahren in liebevoller Kleinarbeit Kacheln für den über 100 Jahre Alten Elbtunnel an, der demnächst saniert wiedereröffnet wird.

Fischmarkt-Reportage

Jeden Sonntag kommt Oliver Schrader aus Leipzig zum Fischmarkt. Seit 19 Jahren. Seine Ware hat er aus Italien. Denn Olli verkauft keinen Fisch, sondern Nudeln. "Nudel-Olli" steht auf seinem Verkaufswagen. Im Winter laufen die Geschäfte auf dem Fischmarkt nicht ganz so gut. Weil es kalt ist, bleiben die Besucher nicht so lange und bekommen die Hände nicht aus den Taschen, meint Olli. Er fängt trotzdem früh an, denn offiziell beginnt der Fischmarkt schon um 5 Uhr.

Fensterputzen an der Elbphilharmonie

Im Interview lässt Elbphilharmonie-Sprecher Tom R. Schulz die aufregendsten Momente in der noch jungen Geschichte der Elbphilharmonie Revue passieren, erklärt, wie man am besten an Karten für den begehrten Großen Saal kommt und erzählt ein paar praktische Fakten zum Gebäude - zum Beispiel wie das große Fensterputzen im Frühjahr funktioniert.

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Nach zwei Jahren: Elbphilharmonie läuft blendend

Zwei Jahre nach der Eröffnung verzeichnet die Elbphilharmonie eine gute Bilanz. Das Konzerthaus ist fast immer ausgebucht. Die Plaza wurde von über acht Millionen Menschen besucht. (04.01.2019) mehr

Silber für den Michel

Werner Schumacher war jahrzehntelang ein erfolgreicher Schütze im Verein, hat viele Auszeichnungen in dieser Zeit erhalten. Nun bringt der 80-Jährige seine zahlreichen versilberten Schützenorden zum Michel. Das Silber aus den Medaillen soll eingeschmolzen werden, damit daraus neue Kelche für das Abendmahl im Michel entstehen. Denn der so genannte "Silberfraß" durch den alkoholhaltigen Wein hat den derzeitigen Abendmahlskelchen stark zugesetzt. Eine Restaurierung wäre teurer als ihr Wert. Daher will die Michelgemeinde 15 neue Abendmahls-Kelche aus gespendetem Silber fertigen lassen. Bis Palmsonntag will die Gemeinde mindestens 30 Kilogramm hochwertiges Silber sammeln. Mit dabei: das Silber von Werner Schumacher, für den der Michel eine Herzensangelegenheit ist.

Der Keramiker des Alten Elbtunnels

Ganze 18 Jahre lang arbeitete der Keramiker Hans Kuretzky für ein besonderes Hamburger Wahrzeichen: Für die Sanierung des Alten Elbtunnels entwarf, brannte und glasierte er Tausende Fliesen und Kacheln. Ende April 2019 wird der Tunnel offiziell eröffnet und Kuretzkys Arbeit ist beendet. Wie es er hinter das Geheimnis der Glasur der Kacheln gekommen ist, wie es sich anfühlt ein Hamburger Wahrzeichen nach so langer Zeit wieder loszulassen und was Kuretzky für die Zukunft im Sinn hat, erzählt er bei Rund um den Michel.

Köhlbrandbrücke: Ein Wahrzeichen geht in Rente

Die Köhlbrandbrücke ist seit 1974 eine der wichtigsten Verkehrsverbindungen im Hafen. Langsam hinterlässt aber der starke Lkw-Verkehr seine Spuren an der Brücke und deshalb ist bereits beschlossen, sie abzureißen. Zwei Menschen trifft das besonders - denn sie haben schon von Berufs wegen eine sehr enge Beziehung zur Brücke über dem Köhlbrand. Frank Zetzsche ist Projektleiter bei der Hamburg Port Authority und verantwortlich für die 3.618 Meter lange Brücke. Einmal im Monat geht er auf Inspektionstour und kann dabei auch schon mal den tollen Blick auf den Hafen genießen. Auch für Containertrucker Hauke ist die "Kö" etwas ganz Besonderes. Manchmal sei es bei ihm auch eine Hassliebe, wenn sich mal wieder alles staut vor und auf der Brücke. Wenn der Verkehr aber fließt, schafft er mit seinem Lkw zehn Überquerungen am Tag. Er kann sich einfach nicht vorstellen, dass es die Köhlbrandbrücke in einigen Jahren nicht mehr gibt.

Labskaus-Diplom

Leicht rosa und weich - so sieht Labskaus aus. Das Seefahrer-Gericht sollte jeder Hamburger mal probiert haben, denn es schmeckt deutlich besser als sein Ruf. Im "Old Commercial Room" gibt es Labskaus seit 40 Jahren nach unverändertem Rezept. 100 Kilo landen pro Woche auf den Tellern des Restaurants, das seinen Gästen nach dem Genuss ein Labskaus-Diplom ausstellt. Angefangen hat die Erfolgsgeschichte des Labskaus dort mit einem Auftritt des damaligen Restaurantbesitzers bei Rudi Carrell.

Haltestelle Elbbrücken

Im Dezember wurde direkt an den alten Elbbrücken die vorläufige Endhaltestelle der Linie U4 eröffnet. Momentan liegt diese vom renommierten Hamburger Architekturbüro "Gerkan, Marg und Partner" entworfene Haltestelle noch im Nirgendwo, da der Bau der östlichen Hafencity noch nicht bis an die Elbbrücken herangerückt ist. Doch schon jetzt hat sich dieser Ort aufgrund seiner imposanten Architektur und der reizvollen Lage direkt an den Elbbrücken zum Geheimtipp für Fotografen entwickelt. 

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Neue U-Bahn-Station Elbbrücken eröffnet

Große Feier mit Lichtshow: Die neue U-Bahn-Station der Linie 4 an den Hamburger Elbbrücken ist feierlich eröffnet worden. Ein großes Glasdach prägt den spektakulären Bau. (06.12.2018) mehr

Reichshof: Das geheime Wahrzeichen

1910 war es das größte Hotel Deutschlands: Der Gründer des Reichshof machte keine halben Sachen. Emil Langer hat sich vom Küchenchef auf einem Kreuzfahrschiff zum Luxus Hotel Direktor hochgearbeitet. 80 Jahre war der Reichshof in Familienbesitz und wurde von den Langers geführt. Seinen einzigartigen Jugendstil-Dekor hat sich das Haus auch heute noch bewahrt - und Ingeborg Langer, die Schwiegertochter, hat immer noch eine besondere Beziehung zu "ihrem" Haus.

Speicherstadt: Hinter den Mauern des Weltkulturerbes

Die Hamburger Speicherstadt ist schon lange ein absolutes Wahrzeichen und ein echter Touristenmagnet. Seit in den 70er-Jahren die Containerschifffahrt die auf Stückgut ausgelegten Speicher überflüssig gemacht hat, sind nach und nach andere Mieter in die alten Speicherböden eingezogen. So wie Elli Erichreineke, die früher eine erfolgreiche Tänzerin war und 2007 "Dance Affairs" eröffnet hat - Norddeutschlands größtes Tanzgeschäft. Außerdem besuchen wir den Teehändler "Hälssen & Lion", einen der Erstmieter des riesigen Lagekomplexes, dessen Mietvertrag in der Speicherstadt 1887 abgeschlossen wurde.

Souvenir-Händler: Was nimmt der Tourist mit?

Oliver Binikowski ist ein Experte in Sachen "Stehrumchen". Kleine Souvenirs wie Elphi-Schneebälle oder Liköre namens Hafennutte verkauft er direkt an den Landungsbrücken. "Der Michel oder die Elbphilharmonie sind begehbar und die Leute wollen in Form eines Souvenirs die Erinnerungen daran mit nach Hause nehmen", sagt Binikowski. Besonders die Dinge unter fünf Euro werden von den internationalen Touristen gekauft. Binikowski hat aber auch noch zwei weitere Elbufer-Läden am Hafen. Der gelernte Bankkaufmann ist sozusagen der König der Souvenirs. Bei ihm kann man auch einzigartige, maritime Nautiquitäten kaufen. Sein teuerstes Stück ist ein alter Kompassstand von einem Frachter für 4.000 Euro. Besonders stolz ist Oliver Binikowski auch auf sein Buddelschiff für 3.000 Euro. In der Flasche ist die "Peking", der legendäre Viermaster.

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