Rund um den Michel

Hamburger Flussgeschichten

Sonntag, 15. August 2021, 18:00 bis 18:45 Uhr
Montag, 16. August 2021, 01:55 bis 02:40 Uhr

Alster oder Elbe - in Hamburg ist das eine Grundsatzfrage. Bei Rund um den Michel können Sie selbst entscheiden – zwischen einem abenteuerlichen Segeltörn auf der Elbe oder einem entspannten Feierabendbier am Alsterufer in einer ehemaligen Bootswerft. Wir begleiten die Sheriffs auf der Dove-Elbe, gehen mit der Seelsorgerin an Bord der Binnenschiffe und besuchen das private Museum des Hafenlöwen, am Oberlauf der Alster in Bergstedt. Alles im Fluss - am 15. August um 18 Uhr bei Rund um den Michel im NDR Fernsehen.

Der Hafenlöwe

Jonny Harmstorf hat sich auf seinem Grundstück in Bergstedt im Hamburger Norden einen Traum erfüllt. Sein Garten gleicht einem Schifffahrtsmuseum. Jonny war 50 Jahre lang Hafenschiffer auf der Elbe und ist vor 18 Jahren in Rente gegangen. Auch mit 82 lebt er noch immer seine Leidenschaft aus. Er sammelt Schiffsraritäten aus Wracks, vom Schrott oder aus dem Fluss. Es sind große Anker, Schiffsschrauben, Leuchttürme und hunderte Miniaturschiffe. Seine Kollegen nannten ihn "Hafenlöwe" und auf seiner Schleppbarkasse "Rugenbergen" verbrachte er die längste Zeit auf der Elbe - fast 24 Jahre.

VIDEO: Der Hafenlöwe (4 Min)

Mit dem Segler unterwegs

Eben war es noch windstill. Aber jetzt blähen sich mit einem Mal die Segel. Die 13 Meter lange Segelyacht "Zaandam" gleitet fast lautlos durch die Elbe. Ihr Skipper Holger Brauns und seine Ein-Mann-Firma "Elbsegelei" bieten seit fünf Jahren etwas an, was sonst in Hamburg niemand macht: Halbtagestörns auf einer Sportyacht für Gäste auf der Elbe bis hinter Blankenese und manchmal sogar Richtung Nordsee. Es handelt sich sozusagen um Hafenrundfahrten unter Wind. Dabei kommt Brauns eigentlich aus einer vollkommen anderen Welt. Bevor er nämlich Skipper wurde, war der 45-jährige erfolgreicher Musikproduzent. 20 Jahre lang. Er hatte eine eigene Firma, die auf elektronische Tanzmusik spezialisiert war. Ein Experte für Sounddesign war er außerdem, entwickelte am Rechner elektronische Musikinstrumente. Das war ein, wie er sagt, lautes und schnelles Leben. Dann kam der erste Hörsturz, irgendwann der zweite. Ein Tinnitus, ein Pfeifen im Ohr, blieb. Und da fragte er sich, ob es das alles wert ist – und entschied sich, sein Hobby, das Segeln, fortan zu seinem Beruf zu machen – und wummernde Bässe und lange Partynächte gegen Wind und Wellen einzutauschen. Gerade zu Corona-Zeiten bringt das wesentlich weniger Geld ein als das frühere Leben - aber für Brauns auch wesentlich mehr Glück. Das Porträt eines Aussteigers auf der Elbe.

VIDEO: Mit dem Segler unterwegs (4 Min)

Der Fischtreppenbauer

Die Meerforelle ist eigentlich heimisch in der Alster. Doch durch die zahlreichen Schleusen schafft es der wandernde Fisch heute oftmals nicht mehr von der Nordsee zurück an seine Laichplätze im Oberlauf der Alster. Fischtreppen sind die Lösung. Drei Stück gibt es bereits in der Hansestadt, gerade wird an der vierten Fischaufstiegshilfe gebaut. Der Michel hat einen Blick auf die Baustelle geworfen und den Alster-Experten Frank Schlichting gefragt, ob die Meerforelle langsam in die Alster zurückkommt.

VIDEO: Der Fischtreppenbauer (3 Min)

Der Anleger

Zwischen Alsterdorf, Winterhude und Eppendorf versteckt sich eine kleine Oase. Drei Generationen Bootsbauer haben auf dem Gelände am nördlichen Alsterlauf geschuftet. Sein neuer Besitzer Jan Biedler möchte ein Ort schaffen, um dem Alltag zu entfliehen. "Anleger Hamburg" nennt er seinen Beach-Club, bei dem man auch Tretboote und Kajaks ausleihen kann.

VIDEO: Der Anleger (3 Min)

Café Canale

Wenn es sich auf dem Mühlenkampkanal im Sommer staut, dann ist ziemlich sicher das Café Canale der Grund dafür: Aus dem Küchenfenster ihres Cafés verkauft Monika Deichmann seit rund zehn Jahren Eis, Kuchen und Getränke und zwar nicht nur to go, sondern to boat. Rund um den Michel hat das rege Treiben im Wasser und in der Küche an einem sonnigen Wochenende beobachtet.

VIDEO: Café Canale (2 Min)

Die Sheriffs von der Dove-Elbe

Oberkommissar Jan Trodler und Kommissar-Anwärter Jan Philip Rathjen haben an der Dove-Elbe festgemacht und ihren Liegeplatz am Tatenberger Deich im Hamburger Yacht Club. Ihr Revier ist der Hafen und dazu gehört auch der 18 Kilometer lange Nebenarm der Elbe im Südosten Hamburgs. Die Wasserschutzpolizisten kontrollieren die Geschwindigkeit der Motorboote, prüfen Papiere und die Erlaubnis zum Angeln. Besonders nahe der sogenannten Rentnerbucht und der Ruderstrecke in Allermöhe wartet an einem sonnigen Wochenende viel Arbeit auf die Polizisten. "Eine Stimmung wie auf Mallorca" findet Bootsbesitzer "Matze". Acht Stundenkilometer Spitzentempo sind erlaubt und in dem sommerlichen Wassertrubel erwischen die Wasserschutzpolizisten so manchen "Raser".

VIDEO: Die Sheriffs von der Dove-Elbe (5 Min)

Die Flusskünstlerin

Die schwarz-blaue Biene ist eine Holzbiene und nagt ihre Nester in alte Baumstämme. Die Neu-Hamburgerin Sabine Boczkowski-Sigges fühlt sich diesem robusten Insekt als Holz-Bildhauerin sehr nahe - zumal sie auch durch ihren Vornamen von ihren Enkelkindern "Oma Biene" genannt wird. Vor wenigen Monaten hat sie zusammen mit ihrem Mann ihr riesiges Reetdachhaus auf dem Land in Schleswig-Holstein aufgegeben und ist an die Elbe gezogen. Dort hat sie sich einen Kindheitstraum erfüllt und ein altes Boot gekauft, das sie nun als Atelier benutzt. Nun lässt sie sich vom Leben am Fluss inspirieren und schafft Gallionsfiguren aus altem Schiffsholz und andere Kunstwerke. IHR Schiff hat als Gallionsfigur eine - man ahnt es - schwarze Biene!

VIDEO: Die Flusskünstlerin (3 Min)

Der Schwanenvater und sein Revier

Ihre Art zu leben, ihr Familiensinn - das schätzt Schwanenvater Olaf Nieß besonders an den anmutigen Tieren, um die er und sein Vater Harald Nieß sich seit insgesamt 70 Jahren als Schwanenvater kümmern. Im Mittelalter wichtiges Zeichen der Freiheit und des Wohlstands, sind sie heute ein Wahrzeichen Hamburgs auf den Gewässern der Stadt. Der aktuelle Schwanenvater, Olaf Nieß, ist gewissermaßen im Schwanenhaus aufgewachsen, kennt die Tiere von klein auf. Als er das Amt seines Vaters vor 25 Jahren übernahm, startete damit auch eine Familientradition. Doch nicht nur das Amt, auch die Außenalster und ihre Kanäle haben sich im Laufe der Jahre verändert. Immer mehr Hamburger zieht es bei gutem Wetter aufs Wasser, was den natürlichen Lebensraum der Tiere bedroht. Mit immer neuen Herausforderungen wird das Amt des Schwanenvaters nicht langweilig, meint Olaf

Nieß. Bis zur Rente hat er noch einige Jahre, die er am liebsten auf dem Wasser, in der Nähe seiner Tiere verbringt. Rund um den Michel ist mit dem Schwanenvater auf der Alster unterwegs, schaut in die Vergangenheit und wagt einen Blick in die Zukunft.

Binnenschiffer-Seelsorge

Der Hamburger Hafen, das sind nicht nur große Containerschiffe. Eines der ältesten Gewerke ist die Binnenschifffahrt, mit der seit Jahrhunderten alle möglichen Waren über Kanäle und Flüsse in die Stadt transportiert werden. Seit gut 60 Jahren setzt sich die Flussschifferkirche dafür ein, dass die Menschen auf Hamburgs Flüssen nicht vergessen werden. "Wenn die Menschen nicht zur Kirche kommen können, muss die Kirche zu den Menschen gehen." Diesem Grundsatz von Johann Hinrich Wichern, der die Binnenschifferseelsorge 1870 in Hamburg gründete, bleibt die Flussschifferkirche bis heute treu.

Jeden Donnerstag macht sich ein Seelsorge Team deshalb mit einer alten Zollbarkasse auf die Suche - nach Binnenschiffen in den versteckten Ecken des Hafens. Besonders im Hamburger Hafen gibt es für die Menschen auf den Binnenschiffen wenig Möglichkeiten, an Land zu kommen - und kaum Fürsprecher für bessere Arbeitsbedingungen. Oft sind sie mehrere Wochen am Stück an Bord. Christel Zeidler arbeitet seit 10 Jahren ehrenamtlich als Leiterin der Seelsorge, mit ihrem Team bringt sie Zeitungen und Schokolade und hilft, wo sie kann, damit auch die Binnenschiffer eine Zukunft im Hamburger Hafen haben.

VIDEO: Binnenschiffer-Seelsorge (5 Min)

Interview mit Mareijke Buhr von der Bergedorfer Schifffahrtslinie

Mareijke Buhr hat die Liebe aufs Schiff gebracht – zunächst die Liebe zur Flussschifffahrt und dann die zu ihrem Mann Heiko. Der betreibt die Bergedorfer Schifffahrtslinie nämlich seit 1998 und stammt aus einer traditionellen Binnenschifferfamilie.

Mittlerweile bietet das Ehepaar mit seiner Mannschaft viele unterschiedliche Fahrten in und um Hamburg, aber auch darüber hinaus an. Während einer Fahrt auf der Dove-Elbe durch das Marschland erzählt Mareijke Buhr von den unterschiedlichen Highlights und von ihrem Verhältnis zu den Flüssen, über die sie die Schiffe der Flotte demnächst auch selbst als Kapitänin steuern wird.

VIDEO: Mareijke Buhr von der Bergedorfer Schifffahrtslinie (3 Min)

 

Produktionsleiter/in
Andy Kaminski
Redaktionsleiter/in
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Redaktion
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Moderation
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