Rund um den Michel

Elbgeschichten

Sonntag, 16. August 2020, 18:00 bis 18:45 Uhr
Montag, 17. August 2020, 01:50 bis 02:35 Uhr

Die Elbe ist seit jeher die Lebensader der Hansestadt. Auch wenn nicht mehr alles in Hamburg vom Hafen abhängt, so prägt die Lage am großen Fluss doch die Mentalität der Hamburger, denn mit ihren Fluten hat die Elbe nicht nur Waren, sondern auch viele Menschen und ihre Geschichten in die Stadt gespült. Einige davon erzählt Rund um den Michel. An Bord seines Kutters fahren wir mit dem Elbfischer Lothar Buckow den Fluss hinauf.  Wir machen Halt an der Kult-Tankstelle für Schiffe im Hafen, beobachten das Naturparadies in der Süderelbe, gehen baden und genießen Kaffee auf einer traditionsreichen Terrasse im Treppenviertel. Elbgeschichten - bei Rund um den Michel am 16.August um 18 Uhr im NDR Fernsehen.

Die Övelgönner Seekiste

Ein Leben direkt am Ufer der Elbe - für Hannes Lührs und seine Frau Uschi ist das der Alltag. Und zwar schon immer. Seit 300 Jahren wohnt die Familie Lührs am Fluss. Lebten zunächst von dem, was die Elbe anspülte und verdienten sich als Strandpiraten, später fuhren die Söhne als Kapitäne zur See. Bis zur vorletzten Generation: Wegen eines Augenfehlers wurde Hannes Vater Bootsbauer. Um sein Fernweh trotzdem zu stillen, gründete er ein Privatmuseum im Hinterhof und holte Maritimes, Nautisches und die Geschichten der weiten Welt zu sich nach Hause. Der Michel hat die Familiengeschichte der Lührs nachgespürt - natürlich direkt am Fluss.

Die Zwei von der Schiffs-Tankstelle

Zwei Frauen und Hündin Kiwi - das sind die Drei von der HBS-Schiffstankstelle. Birgitt von Zengen und Andrea Herforth tanken auf dem Ponton im Hafen kleinere Schiffe auf - jeden Tag ab sieben Uhr. "Musst schon ein bisschen „Knöff“ haben", meint die 64-jährige Andrea. Sie und Birgit betanken bis zu 20 Schiffe täglich mit Diesel oder GTL. Die Bunkerstation am Johannisbollwerk nahe den Hamburger Landungsbrücken gibt es bereits seit 1963. Früher wurden Dampfschiffe noch mit Kohlen aus dem sogenannten Bunker befeuert. Und so spricht man auch heute noch von Bunkern, wenn Schiffe aufgetankt werden, erklärt Birgitt, die vor diesem Job 30 Jahre in der Gastronomie gearbeitet hat. Seit fünf Monaten wird sie von Andrea eingearbeitet. Die beiden Frauen sind wahrlich nicht auf den Mund gefallen und sagen auf ihrer Bunkerstation der meist männlichen Kundschaft deutlich, wo es langgeht. Ob Wasserschutzpolizei, Helgoland-Katamaran oder Fahrgastschiffe, sie alle tanken bei den zwei "guten Seelen" im Hamburger Hafen.

Schwimmen in der Elbe- Baywatch Wittenbergen

26 Grad - Hochbetrieb am Elbstrand. Während die einen relaxen, müssen andere wachsam sein. "Im Fahrwasser gibt es massive Strömungen", warnt Arto van der Meirschen. Er ist in die Rolle des Wasser-Lebensretters quasi hineingeboren, denn schon seine Eltern waren in der DLRG. Sein Team muss 13 Kilometer Elbstrand genau im Blick haben. Von der DLRG-Station Wittenbergen aus starten die ehrenamtlichen Rettungsschwimmer mit dem Motorboot zu Kontrollfahrten. Auch mit der Flug-Drohne überprüfen sie die Lage auf dem Wasser. Immer wieder unterschätzen einige Badende die Strömungen der Elbe, die durch die Flussvertiefungen zugenommen haben. In Blankenese schwimmt Hella Kemper regemäßig in der Elbe. Sie hat darüber sogar Bücher geschrieben. "Ich finde es sehr kostbar, dass wir hier einen Fluss haben, der Badewasserqualität hat", sagt die Journalistin, die sich gerne auch mit ihren Freundinnen zum Elbschwimmen trifft. Kemper warnt allerdings, genau wie die DLRG-Retter, auch vor den Gefahren in der Elbe.

Interview mit Lothar Buckow, einem der letzten Elbfischer

Lothar Buckow wurde in einem Leuchtturm am Ufer der Elbe geboren und hat sie seitdem nie aus dem Blick verloren. Als einer der letzten Elbfischer kennt er sich mit dem Ökosystem des Flusses bestens aus. Im Interview zeigt er Julia-Niharika Sen seine gerade gefangenen Aale und berichtet aus seiner Sicht über die jetzt schon sichtbaren Folgen der  Baggerarbeiten für die Elbvertiefung.

Schuldt's Kaffeegarten

Wasser ist in Hamburg nicht schwer zu finden. Berge allerdings schon. Vielleicht ist das der Grund, warum Blankenese zu einem der begehrtesten Stadtteile Hamburgs geworden ist. Der Süllberg ist zwar nur etwa 75 Meter hoch, aber bietet einen ganz eigenen Blick über die Elbe. Und mitten im berühmten Treppenviertel liegt Schuldts Kaffeegarten -seit 1877 ein Familienbetrieb. Sophie von Elm arbeitet hier in 6. Generation. Und jede Generation hat ein bisschen Blankeneser Geschichte zu erzählen.

Die Große Elbstraße - Wandel einer Hafenstraße

Die Elbe ist Hamburgs Lebensader seit Jahrhunderten. Und doch hat sich die Stadt lange vom Wasser abgewandt. So prägten Industrie und Hafenunternehmen das Gesicht des westlichen Elbufers in Altona. Doch seit den 90er Jahren heißt das Motto: Hamburg zurück an die Elbe! Das lange vernachlässigte Gebiet rund die Große Elbstraße hat sich in den vergangenen Jahren zur "Elbmeile“" gewandelt und bleibt gleichzeitig mit der Tradition fest verbunden.

Fischkutter Greta - Segeln wie anno dazumal

Die "Greta" ist 1904 als "Lüttfischkutter" in Hamburg Finkenwerder erbaut worden und war bis in die 30er Jahre als reiner Segler auf der Elbe auf Fischfang unterwegs. Lange Jahre lag sich brach, nun hat das 116 Jahre alte Schiff von der Stiftung Hamburg Maritim eine komplette Restaurierung bekommen - und kann endlich wieder über die Elbe segeln.

Alles Elbe - Was der Fluß ins Glas spült

1.100 Kilometer fließt die durch Mitteleuropa - von ihrer Quelle in Tschechien bis zur Mündung in die Nordsee. Die Besitzer einer Bar auf Sankt Pauli haben sich vom Weg der Elbe inspirieren lassen: In ihrer Bar "Alles Elbe" werden deshalb ausschließlich Getränke und Speisen serviert, die aus dem Elbeeinzugsgebiet stammen. Bier aus Tschechien, oder auch von der Bunthäuser Spitze aus Hamburg, Wein aus Sachsen, Wurst und Käse aus Norddeutschland.

Das Naturbeobachtungsschiff

In Hamburg südlich der Elbe liegt Finkenwerder. Das ehemalige Fischerdorf war früher eine Insel mitten im Strom. Doch dann wurde die Insel eingedeicht und die Alte Süderelbe von den Gezeiten des Hauptflusses abgeschnitten. Heute ist Finkenwerder einerseits ein wichtiger Standort für die Hafenindustrie, andererseits haben sich dort, wo früher Kutter gefahren sind, auf der Alten Süderelbe Fauna und Flora prächtig entwickelt. Bisher ist diese Naturidylle noch ein Geheimtipp. Doch nun gibt es ein neues Boot für Naturbeobachtungen, mit dem sich dieses Biotop befahren lässt. Anwohner und Naturfreunde haben es in den vergangenen sechs Jahren gebaut. Ganz aus Holz hat es kaum 30 Zentimeter Tiefgang und ist damit bestens für das Flachwasser in diesem stillgelegten Flussarm der Elbe geeignet. Um Natur und Vögel ungestört zu beobachten, werden die Seiten mit Planen abgehängt, in die Sehschlitze integriert sind. Zwei Dutzend Gäste können an Bord kommen und zur Fahrt ins Naturparadies starten. 

Das Hafenmuseum

Am 7. Septemeber wird der historische Frachtsegler "Peking" in den Hamburger Hafen geschleppt. Drei Jahre wurde das Schiff, das zuvor als Museumsschiff in New York lag, auf der Peters Werft in Wewelsfleth umfangreich restauriert. Die "Peking" wird in den kommenden Jahren im Hansahafen liegen und vom Hafenmuseum Hamburg betrieben. Dort wird sie ab Frühjahr 2021 auch für Besucher zugänglich sein. Ihren endgültigen Liegeplatz soll sie in einigen Jahren auf dem kleinen Grasbrook finden, wo ein Neubau für das künftige Deutsche Hafenmuseum entsteht. Am Bremer Kai im Hansahafen laufen momentan die Vorbereitungen für die Ankunft der "Peking", die dort nach Jahrzehnten erstmals wieder ihren Heimathafen anlaufen wird.

Weitere Informationen
Hafenrundfahrt im Hamburger Hafen © imago/McPHOTO

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Redaktionsleiter/in
Sabine Rossbach
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