Rund um den Michel

Dorf in der Metropole: Winterhude

Sonntag, 02. Februar 2020, 18:00 bis 18:45 Uhr
Montag, 03. Februar 2020, 01:55 bis 02:40 Uhr

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Schönes Winterhude: Schicke Altbauwohnungen sind hier ebenso zu finden, wie originelle Geschäfte.

Im Stadtteil Winterhude, der aus einem kleinen Bauerndorf gewachsen ist, kann man sich mitten in der Metropole immer noch dörflich fühlen. Das liegt auch an den vielen originellen Geschäften und den besonderen Handwerkerinnen und Handwerkern, die man hier noch antrifft. Während in Winterhude früher die Alsterkähne auf den flachen Wiesen ruhten, ist heutzutage auch in der kalten Jahreszeit jede Menge los. Rund um den Michel hat sich auf den acht Quadratkilometern umgesehen und jede Menge Geschichten gefunden. Zum Beispiel die des ältesten Programmkinos der Stadt. Wir schauen hinter die Fassaden der City Nord und erleben, wie modern dort schon in den 60er Jahren geplant wurde. Außerdem machen wir einen Rundgang durchs Hamburgs Polizeimuseum, das über so viele Exponate verfügt, dass auch die Ausstatterinnen und Ausstatter der Kultserie "Babylon Berlin" dort Rat suchten.

Die Feinsattlerin

Christin Dahlmann ist eine Exotin auf ihrem Gebiet, denn solche wie sie gibt es nur noch zwölf in ganz Deutschland. Die 52-Jährige ist Hamburgs einzige Feinsattlerin. In Winterhude in der Gertigstraße arbeitet sie in ihrem kleinen Atelier noch mit historischen Werkzeugen und Nähkolben. Im vergangenen Jahr wurde sie als Hamburgs Handwerkerin des Jahres ausgezeichnet. Die gebürtige Schwerinerin war früher Topmodel und lief nach der Wende für Jil Sander und Armani. Nun hat sie ihre wahre Berufung gefunden. Eine Ausbildung als Feinsattlerin gibt es nicht. Christin Dahlmann hat sich alles selbst beigebracht. Und sie hat bereits eine neue Geschäftsidee ins Leben gerufen - von ihr designte Luxus-Hundebetten mit Bioschaummatratzen.

Die Kinoretter vom "Magazin"

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Das älteste Programmkino Hamburgs: Im Magazin gibt es auch alte Klassiker zu sehen.

Wenn man an Kino denkt, dann doch an Multiplex mit neonbunten Leuchtanzeigen, süßen Popcorngeruch in der Nase und eine große Filmauswahl. In der kleinen Straße Fiefstücken ist das ein bisschen anders. Da wird im Magazin noch Kino von Hand gemacht. Es gibt nur einen Kinosaal und die Auswahl wird unter anderem von den Wünschen des Publikums bestimmt. Häufig genug laufen dort auch dementsprechend nicht aktuelle Blockbuster, sondern alte Klassiker. Aber genau das lieben die Besucher so sehr an ihrem Kino. Und deswegen kann das älteste Programmkino in Hamburg sich auch so gut behaupten.

Lebendiges Denkmal City Nord

Winterhude - das Dorf in der Metropole. Dabei hat der Stadtteil auch eine City zu bieten: die City Nord. Einer der größten Bürostandorte in ganz Europa. Denn im Gegensatz zu Frankfurt entschied sich der Hamburger Senat während der Wirtschaftswunderzeit nach dem Krieg keine Bürohochhäuser in der Innenstadt anzusiedeln, sondern ein ganz neues Viertel zu bauen. Die City Nord war zu jener Zeit eines der größten und anspruchsvollsten städtebaulichen Projekte. Eine eigene Stadt für sich, die manche Überraschung bietet.

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Abschied von der Post-Pyramide

Die City Nord in Hamburg wandelt sich. Jetzt hat der Abriss der Post-Pyramide aus den 70er-Jahren begonnen - für einen Neubau mit Wohnungen. Passt das Projekt in die Bürostadt? mehr

Winterhudes Fifth Avenue

Er war schon immer eine der Hauptstraßen von Winterhude, hat sich aber in den Jahrzehnten ordentlich verändert: der Mühlenkamp. Kleine Läden und familienbetriebene Fachgeschäfte weichen heute immer mehr schicken Restaurants und Café und das Publikum wird immer jünger. Eines aber hat er sich trotz allem bewahrt: den etwas dörflichen Charakter. Wir waren auf dem Mühlenkamp unterwegs und haben drei Geschäfte besucht, die schon seit Jahrzehnten hier zuhause sind.

Interview mit Joachim Schulz, Leiter Polizeimuseum

Der Leiter des Polizeimuseums auf dem Gelände der Polizeiakademie in Winterhude hatte schon als Kriminalbeamter mit Museen zu tun. Damals ermittelte Joachim Schulz in Sachen Kunstdiebstahl und brachte beispielsweise den legendären Störtebeker-Schädel wieder zurück ins Museum für Hamburgische Geschichte. Heute beschäftigt er sich im Polizeimuseum mit der Historie der Hamburger Polizei, die hier ebenso gründlich wie anschaulich aufgearbeitet wird. Im Interview mit Julia-Niharika Sen erzählt er, was das Museum so einzigartig macht.

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Polizeimuseum macht Besucher zu Ermittlern

St. Pauli-Killer, Hitler-Tagebücher, Ölfass-Mord: Im Polizeimuseum können Besucher Kriminalfälle der Hamburger Polizeigeschichte entdecken. Manche wurden nie aufgeklärt. mehr

Die Hutmacherin aus der Hudtwalckerstraße

In Winterhude lebt die Königin der Hüte: Gisela Freytag entwirft und verkauft seit über 30 Jahren Hüte an der Hu(d)twalckerstraße. Glocken-, Aufschlag, Hochzeitshüte, bei ihr findet jeder Kunde und jede Kundin, was er oder sie sucht und auch viele Prominente lassen sich von ihr die Kopfbedeckung entwerfen: Marie-Luise Marjan aus der Lindenstraße und auch die Schauspielerinnen Inge Meysel und Evelyn Hamann kauften hier ihre Hüte. Wie der ideale Hut für 2020 aussieht, verrät Gisela Freytag bei Rund um den Michel.

Die Trinkhalle im Stadtpark

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Die Trinkhalle im Hamburger Stadtpark, ein historisches Kleinod, das aus seinem Dornröschenschlaf geweckt wurde.

Als Stadtplaner Fritz Schuhmacher den Stadtpark vor mehr als 100 Jahren entwarf, sollte er der Bevölkerung eine Zuflucht aus ihren engen, Behausungen mit schlechter Luft und wenig Licht bieten. Ein Ort der "Leib und Seele gesund macht und gesund hält". Die Trinkhalle versorgte die Stadtbewohner mit Heilwasser. Lange drohte das historische Kleinod zu verwittern, bis eine Hamburger Gastronomin es aus dem Dornröschenschlaf weckte.

Jarrestadt - 90 Jahre Nachbarschaft

Ein ganz besonderes Viertel in Winterhude ist die Jarrestadt: Ein Wohnquartier, das nahezu ausschließlich aus dunklem Klinkerstein gebaut wurde. Und das zu seiner Bauzeit Ende der 1920er Jahre Vorreiter war für eine bis dato nicht gekannte Wohnqualität für die Arbeiterschaft. Der damalige Hamburger Oberbaudirektor Fritz Schumacher wollte die aus ihren dunklen, überfüllten und schlecht belüfteten Behausungen holen. Das Ergebnis war ein durch den einheitlichen Baustoff geschlossenes Ensemble, das hunderte 50 bis 60 Quadratmeter große 2,5-Zimmer Wohnungen beherbergt. Schon damals zeichnete die "Jarrestädter" in ihrer Backstein-Welt ein besonderes Gemeinschaftsgefühl aus. Und das ist bis heute geblieben.

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Fritz Schumacher - Hamburgs moderner Stadtplaner

Stadtpark, Jarrestadt, Alsterkanäle: Fritz Schumachers Bauwerke prägen Hamburgs Stadtbild bis heute. Er wollte dem modernen Städter eine neue Heimat schaffen. Ein Porträt zum 150. Geburtstag. mehr

Mit Petra Oelker durchs historische Winterhude

Wenn heute von Winterhude als "Dorf in der Stadt" die Rede ist, dann gilt das für die Vergangenheit erst recht. Denn Winterhude blieb lange Zeit ein reines Bauerndorf, während der Rest der Stadt längst vor Menschen überquoll. Doch dann ging es blitzschnell: Innerhalb weniger Jahrzehnte wuchs Winterhude vom Dorf zum Stadtteil. Die Bestseller-Autorin Petra Oelker, bekannt für historische Hamburg-Romane, begibt sich auf eine Reise in die spannende Geschichte Winterhudes.

Der Dorfschuster

Er fährt aus einem Dorf in der Lüneburger Heide jeden Morgen in das Dorf in der Metropole. In seinem Geschäft am Poelchaukamp in Winterhude scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Genauer gesagt, im Jahre 1970, als Carl-Heinz Schwartau hier als Schuster begonnen hat. Seitdem kümmert er sich hier um die Sohlen und kaputten Nähte der Winterhuder und ist längst als echtes Original bekannt. Durch sein Schaufenster hat er die Entwicklung des Winterhudes seit Jahrzehnten im Blick.

Produktionsleiter/in
Edgar Rygol
Redaktionsleiter/in
Sabine Rossbach
Redaktion
Susanne Dobke
Moderation
Julia-Niharika Sen