Stand: 10.03.2020 10:44 Uhr

Kaputte Kreisstraßen: Lange Umwege für Anwohner

von Jan Körner

Aus sieben Dörfern setzt sich die Gemeinde Rubkow im Landkreis Vorpommern-Greifswald zusammen. 615 Einwohner leben hier noch, zur Wende waren es noch doppelt so viele. Doch nicht nur mit der Einwohnerzahl geht es hier in dieser strukturschwachen Region rund um Anklam bergab. Auch die Qualität der Kreisstraßen lässt zu wünschen übrig.

Straßen in "katastrophalem Zustand"

VIDEO: Kaputte Kreisstraßen: lange Umwege (6 Min)

Holger Wendt © NDR Foto: Screenshot
Muss lange Umwege in Kauf nehmen: Rubkows Bürgermeister Holger Wendt.

Holger Wendt ist der ehrenamtliche Bürgermeister von Rubkow. Die schlechte Qualität des Straßenbelags wird nun auch auf Wendts Fahrt zum Problem. Denn er hat einen Termin im Nachbarort Buddenhagen. Das liegt gleich hinter Rubkow, drei Kilometer durch den Wald auf der Kreisstraße K19. Doch diese Verbindung hat der Kreis im Dezember gesperrt. Weil die Straße in einem derart schlechten Zustand sei, dass die Verkehrssicherheit dort nicht mehr gegeben sei. "Für unsere Handwerksbetriebe im Ort ist das ein großes Ärgernis", sagt Holger Wendt, "die Straßen, die jetzt vom Landkreis gesperrt wurden, die sind in katastrophalem Zustand", so der Bürgermeister weiter.

Denn die Kreisstraße nach Buddenhagen ist nicht die einzige, die auf Wendts Gemeindegebiet gesperrt worden ist. Zwei weitere Kreisstraßen, die durch Rubkow führen, hat es ebenfalls getroffen. Auch sie sind aus Sicherheitsgründen vom Landkreis gesperrt worden. Dabei findet Wendt, dass auch die anderen Straßen in keinem besseren Zustand wären. "Auf den Straßen, die noch befahrbar und freigegeben sind, haben sich mehr Leute die Ölwanne weggekloppt, als auf den nun gesperrten Straßen."

Dem zuständigen Kreis fehlt Geld

Achim Froitzheim © NDR Foto: Screenshot
Kreissprecher Achim Froitzheim verweist auf die engen finanziellen Spielräume.

Wendt muss nun für seinen Termin einen großen Umweg fahren, 27 Kilometer wird er am Ende nach Buddenhagen benötigen. Für den Zustand der Kreisstraßen ist der Landkreis Vorpommern-Greifswald verantwortlich. Aber wird der seiner Verantwortung gerecht, wenn er Straßen sperrt, statt sie zu erneuern? Kreissprecher Achim Froitzheim sieht das so: "Der Kreis trägt automatisch eine Mitverantwortung, aber im Rahmen seiner Möglichkeiten. Und Mitverantwortung heißt an der Stelle: Wenn ich das nicht mehr zumuten kann, dass dort Anwohner fahren, dass ich dort sperre", erklärt er. Der Kreis, so Froitzheim weiter, habe einfach nicht genug Geld, um sein gesamtes Straßennetz instand zu halten.

Seinen Termin hat Holger Wendt übrigens im Kindergarten des Nachbarortes. Dort will er eigentlich klären, ob auch die Kinder seiner Gemeinde eben jenen Kindergarten besuchen können. Denn in Rubkow gibt es schon seit Jahren keine solche Einrichtung mehr. Doch wenn die Straße nach Buddenhagen nun gesperrt bleiben sollte, dann war Wendts Termin vergebens. Denn wer fährt seinen Nachwuchs schon auf einem 27 Kilometer langen Umweg in den Kindergarten des Nachbarortes?

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Dieses Thema im Programm:

Panorama 3 | 10.03.2020 | 21:15 Uhr