NaturNah: Deichpflege in der Großstadt

Dienstag, 03. März 2020, 18:15 bis 18:45 Uhr
Donnerstag, 05. März 2020, 11:30 bis 12:00 Uhr

Jedes Jahr zieht Schäfermeisterin Verena Jahnke mit 900 Schafen von Niedersachsen nach Hamburg-Wilhelmsburg. Ihr Auftrag: auf 54 Hektar Deichpflege betreiben - eine Aufgabe, die auf der Elbinsel einen besonders hohen Stellenwert hat. Denn vor über 50 Jahren gab es in Hamburg die größte Sturmflut aller Zeiten. Damals konnten die Deiche die Wassermassen nicht abwehren. Den Stadtteil Wilhelmsburg hatte es besonders hart getroffen. Mehr als 200 Menschen verloren ihr Leben.

Durstlöschen mit Elbwasser. © NDR/ECOmedia
Durstlöschen mit Elbwasser: Schäfermeisterin Verena Jahnke mit ihrer Herde bei der Deichpflege in Hamburg.

Deswegen hat es auf der Elbinsel oberste Priorität, die Grasnarbe der sogenannten Hochwasserschutzanlagen dicht zu halten. Dabei übernehmen die Schafe von Verena Jahnke die größte Rolle. Mit ihren Hufen festigen sie die Kleidecke, treten die Schlupflöcher von Wühlmäusen zu und liefern mit ihrem Kot den Dünger für das Gras. Die naturnahe Pflege der Deiche durch Schafe kann keine Maschine der Welt ersetzen.

Das Handwerk der Hüteschäferei

Wenn das Wetter mitspielt, wandert die 27-jährige Verena Jahnke mit ihren Tieren dreimal um die Insel. Wenn nicht, muss sie improvisieren. Als eine der Letzten betreibt sie das Handwerk der Hüteschäferei. Noch können sie und ihre Familie von der Deichpflege und der Schafzucht leben. Aber wie lange noch?

Während früher für eine vierköpfige Familie 400 Schafe reichten, um den Lebensunterhalt zu sichern, sei heute die dreifache Anzahl nötig, so Verena Jahnke. Wenn dann ein Hitzejahr dazukomme und das Futter verbrenne, werde es nicht einfacher.

Auch die Schäferin braucht Unterstützung

Mit dem Frettchen auf der Suche nach Kaninchen. © NDR/ECOmedia
Frettchen spüren Wildkaninchen auf, die den Deich mit ihren Gängen unterhöhlen.

Damit die Deiche auch 100-prozentigen Hochwasserschutz gewährleisten, braucht die Schäferin Unterstützung. Halme und Wildkräuter, die die Schafe nicht fressen, werden mithilfe von Firmen entfernt. Große Risse im Boden werden mit Spezialgeräten verfüllt. Aber auch andere Tiere kommen als Helfer beim Deichschutz zum Einsatz: Bussard und Frettchen sollen Wildkaninchen vertreiben, die mit ihren Bauten den Deich unterhöhlen.

Jedes Jahr, bevor im Herbst die Hochwassersaison beginnt, treffen sich Politiker und Sachverständige dann zur Deichschau. Wie fällt ihr Urteil nach diesem trockenen Sommer aus? Ist es der Schäferin und den anderen Beteiligten in den vergangenen Monaten gelungen, die Deiche angemessen zu unterhalten?

Produktionsleiter/in
Frederik Keunecke
Redaktion
Birgit Schanzen
Autor/in
Katrin Spranger

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