Stand: 08.08.2018 12:31 Uhr

In Niedersachsen geschehen die meisten Morde

Bild vergrößern
107 Mordopfer gab es 2016 in Niedersachsen.

163 vollendete Tötungsfälle innerhalb eines Jahres: Niedersachsen nimmt in der Kriminalstatistik des Bundes für 2017 den absoluten Spitzenplatz ein. Auf Rang zwei der Mordstatistik landet Nordrhein-Westfalen mit 93 vollendeten Fällen, gefolgt von Baden-Württemberg mit 79 Fällen. Was die Häufigkeit von Morden in Bezug auf die Einwohnerzahl angeht, sitzt Niedersachsen somit auch dort auf dem Spitzenplatz. Statistisch gesehen wurden 2017 2,1 von 100.000 Einwohnern in den beiden Bundesländern Opfer eines Mordes oder Mordversuchs. Vergleich: In Hamburg waren es 0,8 in Schleswig-Holstein 0,7 und in Mecklenburg-Vorpommern 0,4 Menschen.

Hohe Aufklärungsrate

Mord- und Totschlagsdelikte sind oft spektakulär - tatsächlich machen sie in den Polizeilichen Kriminalstatistiken der norddeutschen Bundesländer und des Bundes aber nur einen Bruchteil der Delikte aus. Die Aufklärungsquote bei Mord- und Totschlag ist überdurchschnittlich hoch.

  • So viele Morde gab es 2017 im Norden

    In Niedersachsen erfasst die Polizeiliche Kriminalstatistik für 2017 immerhin 154 Mordfälle inklusive 43 Mordversuche. 149 dieser Fälle wurden aufgeklärt. Es gab 189 Fälle von Totschlag inklusive versuchten Totschlags, von denen 177 aufgeklärt werden konnten. Insgesamt weist die Statistik 526.120 Straftaten aus, bei einer Aufklärungsquote von 612,30 Prozent.

  • In Schleswig-Holstein gab es im vergangenen Jahr laut der Polizeilichen Kriminalstatistik für 2017 insgesamt fast 189.000 Straftaten, die Aufklärungsquote lag bei 53,9 Prozent. Die Polizei ermittelte in 15 Fällen von Mord oder Mordversuch, alle Fälle wurden aufgeklärt. Zudem gab es 52 Fälle von Totschlag oder versuchtem Totschlag, alle davon wurden aufgeklärt.

  • In Mecklenburg-Vorpommern lag die Zahl der Straftaten im Jahr 2017 bei insgesamt rund 123.000, bei einer Aufklärungsquote von 62,8 Prozent. Darunter waren 55 "Straftaten gegen das Leben" - in der Hauptsache Fälle von Totschlag, fahrlässiger Tötung oder Töten auf Verlangen (jeweils inklusive des Versuchs dazu). 89,1 Prozent der Fälle wurden aufgeklärt. Unter diesen in der Polizeilichen Kriminalstatistik des Landes erfassten Fällen sind auch ein Mord und vier Mordversuche. Alle Fälle konnten aufgeklärt werden.

  • In Hamburg verzeichnete die Polizei im vergangenen Jahr fünf Morde und 25 Mordversuche. 29 der Fälle wurden aufgeklärt. Insgesamt wurden in der Polizeilichen Kriminalstatistik 105 "Straftaten gegen das Leben" erfasst - diese umfassen auch die Delikte Totschlag, Töten auf Verlangen und fahrlässige Tötung. Immerhin 97 dieser Straftaten gegen das Leben wurden aufgeklärt. Insgesamt gab es in der Hansestadt fast 226.000 Straftaten inklusive Versuche, die Aufklärungsquote lag bei 44,4 Prozent.

  • In Bremen führt die Kriminalstatistik für das vergangene Jahr elf Morde inklusive acht Mordversuche an. Zehn davon wurden aufgeklärt. Zudem sind 23 Fälle von Totschlag erfasst. Davon wurden 22 aufgeklärt. Insgesamt gab es 81.176 Straftaten bei einer Aufklärungsquote von 48,5 Prozent.

  • Bundesweit gab es laut der vom Bundeskriminalamt (BKA) herausgegebenen Polizeilichen Kriminalstatistik im vergangenen Jahr 785 Morde beziehungsweise Mordversuche, wobei die Aufklärungsquote in dieser Rubrik bei 95,5 Prozent lag. Zudem gab es 1.594 Fälle von Totschlag einschließlich versuchten Totschlags, bei einer Aufklärungsquote von 95,7 Prozent. Insgesamt lag die Zahl der Straftaten bei 5,76 Millionen und die Aufklärungsquote bei 57,1 Prozent.

zurück
1/4
vor

Deutlich mehr männliche als weibliche Tatverdächtige

Männer morden häufiger als Frauen - diese Schlussfolgerung lässt die BKA-Statistik eindeutig zu, denn von 823 des Mordes Verdächtigen im Jahre 2017 waren immerhin 718 männlich. Auch in der Rubrik "Totschlag nach Paragraf 212" waren 1.680 von insgesamt 1.884 Tatverdächtigen Männer. Dieses Ungleichgewicht fällt auch in früheren Statistiken auf. Zudem starben in den vergangenen Jahren mehr Frauen als Männer durch Mord (siehe Grafik).

Oft gibt es eine Opfer-Täter-Beziehung

In einer erheblichen Zahl von Fällen gibt es eine enge Beziehung zwischen den Opfern und den Tatverdächtigen. 2017 waren von 731 Opfern von Mord, Totschlag und Tötung auf Verlangen 43,8 Prozent mit dem Tatverdächtigen verwandt oder waren dessen Partner. 19,3 Porzent der Mordopfer waren mit dem Tatverdächtigen zumindest bekannt.

Nur "Hellfeld" erfasst

Die Statistiken werden jährlich von den Bundesländern beziehungsweise dem Bundeskriminalamt erstellt und bilden die von der Polizei erfassten Fälle sowie Zahlen zu Opfern und Tatverdächtigen ab. Dabei wird allerdings nur das sogenannte Hellfeld aufgeführt - also die Straftaten, die der Polizei bekannt werden. Einige Straftaten passieren aber, ohne dass es bemerkt wird oder dass sie als solche erkannt werden. So kann ein Todesfall zum Beispiel vom Arzt als Unfall oder natürlicher Tod eingeordnet werden - in Wahrheit steckt aber ein Mord dahinter. Welchen Umfang dieses "Dunkelfeld" hat, ist nicht bekannt. Die Polizeiliche Kriminalstatistik kann demnach nur einen begrenzten Einblick in die Kriminalität geben.

Statistik mit Grenzen

Und auch aus weiteren Gründen hat die Statistik Grenzen: Sie sagt nichts darüber aus, ob ein Tatverdächtiger auch wirklich angeklagt wurde oder sich als unschuldig erwies. Es kann zudem sein, dass ein Fall, der von der Polizei als Mord geführt wurde, gar nicht als solcher vor Gericht landet, sondern zum Totschlag oder zu einem anderen Vergehen herabgestuft wird. Generell muss zunächst die Staatsanwaltschaft festlegen, für welches Vergehen ein Tatverdächtiger angeklagt wird. Dann entscheidet das Gericht, ob ein Verdächtiger auch wirklich wegen dieses Vergehens verurteilt wird und wie das Strafmaß ausfällt.

Mord oder Totschlag?

Im Strafgesetzbuch (StGB) wird zwischen Mord nach Paragraf 211 und Totschlag nach Paragraf 212 unterschieden. Mörder ist demnach, wer "aus Mordlust, zur Befriedigung des Geschlechtstriebs, aus Habgier oder sonst aus niedrigen Beweggründen heimtückisch oder grausam oder mit gemeingefährlichen Mitteln oder um eine andere Straftat zu ermöglichen oder zu verdecken, einen Menschen tötet". Eines dieser sogenannten Mordmerkmale muss also erfüllt sein, zudem muss der Täter mit Vorsatz getötet haben. Mord wird mit lebenslangem Freiheitsentzug bestraft - wobei lebenslang nicht heißen muss, dass ein Angeklagter auch wirklich bis zum Lebensende im Gefängnis bleibt. Frühestens nach 15 Jahren kann geprüft werden, ob die Strafe zur Bewährung ausgesetzt wird.

Wertet das Gericht ein Tötungsdelikt hingegen als Totschlag nach Paragraf 212, wurde aus Sicht der Richter zwar vorsätzlich getötet, aber keines der Mordmerkmale erfüllt. Totschläger sind damit per Gesetz Personen, die einen Menschen töten, ohne Mörder zu sein. Totschlag wird in der Regel mit einer Freiheitsstrafe zwischen 5 und 15 Jahren bestraft. In besonders schweren Fällen kann auch eine lebenslange Freiheitsstrafe verhängt werden.

Mehr Informationen

Zahl der Straftaten in Niedersachsen geht zurück

Innenminister Pistorius hat am Montag die Kriminalstatistik für das vergangenen Jahr präsentiert. Die Ergebnisse sind erfreulich, denn es gab so wenige Straftaten wie lange nicht. (Stand: 26.02.2018) mehr

Dieses Thema im Programm:

Morddeutschland | 21.09.2018 | 21:15 Uhr