Stand: 30.04.2013 22:31 Uhr  | Archiv

Willem-Alexander will König zum Anfassen sein

Kronprinz Willem-Alexander und Prinzessin Máxima beim Interview im niederländischen Fernsehen. © dpa Bildfunk Foto: Robin Utrecht
Wollen als Königspaar neue Wege beschreiten: Willem-Alexander und Máxima geben sich volksnah.

"Die Monarchie wird sich mit der Gesellschaft verändern." Diese Aussage des künftigen niederländischen Königs Willem-Alexander fasst kurz und knapp zusammen, was der Thronfolger und seine Frau Máxima am Mittwoch in einem einstündigen TV-Interview entspannt verkündeten: Es geht um nichts weniger als einen Spagat zwischen Moderne und Tradition, wenn Willem-Alexander den niederländischen Thron von seiner Mutter Beatrix übernimmt und die Monarchie in die Zukunft führt.

Thronfolger will Menschen ermutigen und verbinden

Noch ist Willem-Alexander ein Mitglied der Regierung - das wird sich jedoch erledigt haben, sobald er König ist. Dann muss er sich in eine ausschließlich zeremoniell geprägte Rolle einfinden. Kein Problem für den jungenhaften Regenten: "Ich werde alles akzeptieren, solange es ein demokratischer Prozess ist und die Regeln der Verfassung befolgt werden", sagte Willem-Alexander in dem Interview. Er sehe sich als stabilisierenden Faktor, der Menschen ermutige und verbinde. Das Volk sieht das wohl ähnlich: In Meinungsumfragen nach der Sendung zeigte sich eine deutliche Zustimmung. Das kommt nicht von ungefähr - Willem-Alexander steht den Menschen nahe. Dazu gehört auch, dass ihn jeder ansprechen darf, wie er will. "Ich bin kein Protokollfetischist", so der künftige König.

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Máxima - vertrauensvoll und schweigsam

Selbst will sich das Paar nach eigenen Aussagen nicht verändern. "Ich finde es sehr wichtig, auch weiterhin inhaltlich zu arbeiten", sagte die gebürtige Argentinierin Máxima. Sie wolle weiterhin ihre internationalen Aufgaben erfüllen. Insgesamt hielt sie sich im Interview generell deutlich zurück. Ihre sonst offenen langen blonden Haare waren in einem Knoten aufgesteckt. "Ich werde meinen Mann unterstützen", sagte Máxima über ihre künftige Rolle. Davon abgesehen sah sie ihren Mann die meiste Zeit vertrauensvoll und schweigsam an.

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Töchter sollen behütet aufwachsen

Auch privat soll alles beim Alten bleiben - jedenfalls soweit es möglich ist. Das betrifft vor allem die drei Töchter des Paares. Die Thronfolgerin unter ihnen, Prinzessin Amalia, solle weiterhin abgeschirmt und behütet aufwachsen und mit ihren Schwestern und Freundinnen spielen können. Die Neunjährige verstehe "sehr gut, dass sie als nächste an der Reihe ist", so der Vater in dem Interview. So habe sie ihn bereits gefragt, wie lange er König bleiben wolle.

Unfall von Friso überschattet Thronwechsel

Bitterer Aspekt des Interviews:Friso, der verunglückte Bruder des Thronfolgers. Seit er im Januar 2012 beim Skiurlaub in Österreich von einer Lawine verschüttet wurde, liegt der Zweitgeborene im Koma und kann dem Thronwechsel daher nicht beiwohnen. Für Willem-Alexander ist das sichtlich eine sehr schmerzhafte Angelegenheit, die den festlichen Tag fraglos etwas überschatten wird.

Moderner und offener König

Knapp fünf Millionen Fernsehzuschauer sahen sich das Interview an - und waren am Schluss überzeugt davon, dass sie einen modernen und offenen König bekommen werden. Politiker aller Parteien und auch Kommentatoren lobten den Auftritt des Thronfolgerpaares. Gut 90 Prozent der Niederländer sind Umfragen zufolge der Meinung, dass Willem-Alexander ein guter Nachfolger seiner Mutter Beatrix sein wird.

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Das Erste | Tagesschau | 30.4.2013 | 20:00 Uhr