Stand: 14.09.2017 23:59 Uhr

Grace Kelly: Monacos Fürstin bleibt unvergessen

von Maryam Bonakdar

Nach außen hin kühl, innerlich ein glühender Vulkan. Einerseits Schauspielerin, andererseits Fürstin von Monaco: Grace Kelly wandelt sich im Laufe ihres Lebens von der Charakterdarstellerin zur Lichtfigur eines ganzen Staats - und wird von den Monegassen seit ihrem frühen Unfalltot am 14. September 1982 noch immer vermisst.

Grace Kelly: Ein Mythos in Bildern

Ihre perfekten Gesichtszüge verbergen zwei Leben, sagt Thilo Wydra, der eine Biografie über die am 12. November 1929 in Philadelphia geborene Schauspielerin veröffentlicht hat. "Grace Kelly war ein zerrissener Mensch. Sie war jemand, der einerseits sehr lebensfroh war, sehr lebendig, sehr lustig, sehr laut und früher als Schauspielerin wild gefeiert hat. Champagner war ihr Lieblingsgetränk, sie hat nackt auf Tischen getanzt. Auf der anderen Seite war sie ein sehr introvertierter, reservierter, ängstlicher Mensch, der niemanden an sich herangelassen hat."

Steckbrief

Name: Grace Kelly
Titel: Fürstin Gracia Patricia von Monaco
Geburtstag: 12. November 1929
Geburtsort: Philadelphia, Pennsylvania
Todestag: 14. September 1982
Ehemann: Fürst Rainier III. von Monaco (gestorben am 6. April 2005)
Kinder: Caroline, Albert, Stéphanie
Sternzeichen: Skorpion

In ihren Rollen verdreht Grace Kelly allen den Kopf. Als Kind ist sie dagegen unscheinbar gewesen, ein Außenseiter. Während sich ihre Familie für Sport begeistert, liest Grace lieber. Die, die später alle wegen ihrer Aura feiern, ist für ihre Eltern unsichtbar. "Das ist die Person, die zu Hause am Esstisch saß, und wenn es Besuch gab, hat niemand mit ihr geredet", sagt Wydra. "Und irgendwann hieß es: 'Gracie-Darling ist ja auch noch da.' Aber sie hatte auch einen immensen Willen, eine ganz starke Willenskraft, weswegen sie es letzten Endes auch zum Oscar geschafft hat und zur Fürstin von Monaco."

Grace Kelly auf der Suche nach Anerkennung

Am Anfang steht ein dominanter Vater: Jack Kelly. Sie versucht alles, um ihm zu gefallen - vergebens. Das schildert Thilo Wydra in seinem detaillierten psychologischen Porträt "Grace". Ihre Eltern mischen sich auch in ihr Beziehungsleben ein. "Grace Kellys Leben ist auch ein Leben auf der Suche nach Anerkennung. Es geht die Legende, dass selbst als sie den Oscar bekommen hat, was nun die Krönung im filmischen Showgeschäft ist, Jack Kelly nur gesagt haben soll: 'What the fuck is an oscar?'", so Wydra.

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Schritt ins Rampenlicht: James Stewart und Grace Kelly im Hitchcock-Film "Das Fenster zum Hof" (1954).

Die Anerkennung, nach der sich Grace Kelly so sehr sehnt, bekommt sie in Hollywood. Mit nur 25 Jahren ist sie schon eine großartige Charakterdarstellerin. Auch durch ihre Aura und ihre schauspielerische Intensität werden die Hitchcockfilme "Das Fenster zum Hof" (1954) oder "Bei Anruf Mord" (1954) zu Klassikern. Nun bekommt sie zwar Applaus, doch die Glitzerwelt von Hollywood bleibt der bodenständigen Grace immer suspekt. Lediglich ihrem Freund und Mentor Alfred Hitchcock fühlt sie sich ihr Leben lang verbunden. Ihre Beziehung ist geprägt von gegenseitigem Respekt. Die einst Unsichtbare kann nur nicht verstehen, was er und der Rest der Welt eigentlich an ihr finden. "Wenn Grace Kelly den Raum betreten hat, dann war alles mucksmäuschenstill", so Wydra. "Und ihr war das unerträglich peinlich, weil sie das nicht wollte. Sie wollte gar nicht, dass sie im Fokus steht."

Großes Opfer für die Ehe mit Fürst Rainier III.

Biograf Wydra zeigt akribisch, wie Film und Leben ineinander übergehen. In "Über den Dächern von Nizza" (1955) brettert Grace genau die Straßen herunter, auf denen sie später 1982 verunglücken wird. Ihr größter Rollenwechsel beginnt nach einem halbstündigen Pressetermin mit Fürst Rainier in Monaco. Obwohl die beiden sich kaum kennen, verloben sie sich.

Porträt

Fürst Rainier - Hollywood an der Riviera

Es ist eine Traumhochzeit, als Fürst Rainier 1956 die US-Schauspielerin Grace Kelly zum Altar führt. Bis zu seinem Tod im Jahr 2005 steht er fast 56 Jahre an Monacos Spitze. mehr

Welches Opfer die leidenschaftliche Schauspielerin mit dieser Entscheidung bringen muss, ahnt sie nicht. Ein Journalist fragt sie: "Werden Sie Ihre Karriere fortsetzen?" Kellys Antwort: "Diese Entscheidung wird der Prinz treffen." Eine Journalistin wendet sich an Fürst Rainier: "Wird Miss Kelly weitere Filme machen, sofern welche anliegen?" "Ich glaube nicht", lautet die Antwort des Monegassen.

Von der Schauspielerin zur Fürstin Gracia Patricia

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Hochzeit wie im Märchen: Am 19. April 1956 geben sich Grace Kelly und Fürst Rainier das Jawort.

Grace Kelly wird 1956 zu Gracia Patricia von Monaco. Später wird sie sagen, dass ihre Hochzeit der schlimmste Tag ihres Lebens war. Sie ist nun Mutter - die ihrer Kinder und die eines Landes. Nach außen spielt sie die perfekte Repräsentantin, die ihre eigenen Bedürfnisse allem unterordnet. Als ihr Freund Alfred Hitchcock ihr eine weitere Rolle anbietet, wird sie vom Fürstenhof gezwungen abzusagen. "Es heißt, dass sie sich eine Woche eingesperrt hat, mit niemandem mehr geredet hat, und dass ein Teil von Grace Kelly in dieser Woche zerbrochen ist", erzählt Wydra.

Hollywood erinnert an die Stilikone

2014, dem Jahr in dem die Fürstin 85 Jahre alt geworden wäre, veröffentlicht Regisseur Olivier Dahan die Hollywood-Verfilmung "Grace of Monaco", in der es um genau diese entscheidenden Wochen geht. Kelly wird darin von Nicole Kidman gespielt, jede Szene zeigt die Fürstin als anmutsvolle Stilikone. Im wahren Leben aber boykottiert die Fürstenfamilie die Filmpremiere in Cannes und will nichts damit zu tun haben: Die Geschichte sei unrealistisch erzählt und die Anmerkungen der Familie nicht berücksichtigt worden, so ihre Kritik.

Buchtipp: Grace

Autor: Thilo Wydra
Preis: 22,99 Euro
Aufbau Verlag
ISBN: 978-3351027568

Was genau kurz vor dem Tod Gracia Patricias am 14. September 1982 passiert, als sie viel zu schnell in eine Kurve schoss, bleibt unklar. War es ein Schlaganfall? Fuhr doch Tochter Stéphanie? Grace Kelly stirbt mit 52 Jahren. Ihr Tod macht sie zur Legende und reißt ein Loch in die Seele Monacos. "Ich habe gespürt, dass die Menschen teilweise immer noch um sie trauern", erzählt ihr Biograf Wydra. "Dass die Freundin Grace fehlt, dass die Mutter Grace fehlt, und dass da immer noch etwas ist. Eine Sehnsucht nach ihr, nach dieser Frau, nach dieser großen Persönlichkeit, die sie war."

Dieses Thema im Programm:

NDR Fernsehen | Gracia Patricia | 02.10.2003 | 23:15 Uhr