Stand: 30.04.2013 21:55 Uhr Archiv

Royalty inside: Kann Willem-Alexander König?

von Leontine Gräfin von Schmettow
Vom "Prinz Pilsje" zum König. Wird Willem-Alexander den Wechsel schaffen?

Zugegeben, sie kommt spät, aber ganz unberechtigt ist diese Frage nicht: Kann Willem-Alexander König? Kritische Stimmen gab es ja immer wieder, wenn es um den Kronprinzen ging. Der Thronfolger sei faul, übergewichtig, dem Feiern mehr zugeneigt als der royalen Pflicht. Für sein Studium brauchte er sechs Jahre, zwei mehr als die vorgeschriebene Mindestdauer, und schloss es mit "befriedigend" ab. In dieser Zeit waren hübsche Frauen, schnelle Autos und die Bierflasche, die ihm den Spitznamen "Prinz Pilsje" eintrug, häufige Begleiter. Auch der erste Platz im Kloschüssel-Weitwerfen brachte ihm nicht unbedingt Pluspunkte im öffentlichen Ansehen ein - wenn auch in ganz offizieller Mission am Königinnentag.

Die Vorstellung, lebenslang fremdbestimmt und in einem engen Korsett zu sein, hat ihn ganz offensichtlich abgeschreckt. Deswegen schlug er schon zu Schulzeiten einen Rollentausch vor: "Eigentlich fände ich es am besten, wenn mein Bruder Friso König würde. Aber der will auch nicht." Friso zeigte tatsächlich keine Ambitionen, sondern bat darum: "Schlagt Alex ruhig, aber bitte bringt ihn nicht um, sonst muss ich König werden".

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Auf Anraten des Vaters suchte sich Willem-Alexander nach dem Studium den Themenbereich Wasserwirtschaft und Umwelt aus - traditionell für die Niederlande ein wichtiges Gebiet. Seit 2006 sitzt er dem UNO-Beratungsgremium für Wasser und Gesundheit vor und wird von Kennern als Fachmann respektiert. Langsam konnten sich nun auch die Niederländer vorstellen, dass Willem-Alexander für das königliche Amt geeignet war.

Die Autorin

Die Adelsexpertin: Leontine Gräfin von Schmettow

Die adelige Journalistin kennt sich aus mit Königs-, Adels- und Fürstenhäusern in ganz Europa. Für Royalty.de schreibt sie regelmäßig eine Kolumne. mehr

Den eigentlichen Durchbruch aber verdankt der Kronprinz seiner Máxima. Mit ihrem Charme und Lachen hat sie das ganze Land im Sturm erobert. Man verzeiht ihr sogar einen Vater mit fragwürdiger politischer Vergangenheit. Mit ihr an seiner Seite ist Willem-Alexander selbstsicherer und lockerer geworden. Es hat sich bei ihm eine fühlbare Balance zwischen Souveränität und entspannter Volksnähe eingestellt. Die bewies er gerade kürzlich in einem Interview anlässlich des Thronwechsels: "Die Leute können mich ansprechen, wie sie wollen, weil sie sich dann wohl fühlen." Die obligatorische Anrede "Majestät" gibt es mit ihm als König also nicht.

Als künftiger Monarch wird er zusammen mit Máxima den Stil im Königshaus verändern: Weniger distanziert als die Mutter, Königin Beatrix, die für ihren Fleiß und ihre Disziplin zwar respektiert, aber nicht unbedingt geliebt wird. Willem-Alexander präsentiert sich den Niederländern als einer der ihren, der mit seinen drei blonden "Meisjes" Fahrrad fährt und am Wochenende die Angestellten nach Hause schickt, immer um ein möglichst "normales" Familienleben bemüht. Die Zeit ist reif für diesen jungen modernen König, der nicht zögert, auch eigene Zweifel zuzugeben, ob er der Regentschaft gewachsen ist. "Das ist auch gut so", sagt der Thronfolger im Interview. Willem-Alexander und Máxima sind ein zeitgemäßes Königspaar, das weiß, dass es sich im 21. Jahrhundert den Menschen annähern und ihre Sorgen ernst nehmen muss, und dass zu viel Distanz und Respekt schädlich sein kann, zu wenig aber auch. Máxima scheint darin ein Naturtalent: den Menschen ganz nah und doch königlich. Mit dieser Gabe wird sie ihrem Mann nun aus der zweiten Reihe den Rücken stärken. Aber wir können gewiss sein, dass Willem-Alexander in ihr eine ausgesprochen gute Beraterin hat, auf die er in wichtigen Momenten hört. Mit ihr an seiner Seite, das werden wir nach dem 30. April sehen, "kann Willem-Alexander König".

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Tagesschau | 30.4.2013 | 20:00 Uhr