Stand: 22.07.2013 14:15 Uhr  | Archiv

Thronwechsel: Ein neuer König für Belgien

Belgien hat einen Neuen: Philippe ist am Nationalfeiertag des Landes im Jahr 2013 als siebter König der Belgier vereidigt worden. Er trat damit offiziell die Nachfolge seines Vaters Albert II. an. Vor dem Parlament legte der neue König den Amtseid ab, eine pompöse Inthronisierungsfeier wurde ihm nicht geboten - aus Kostengründen. Belgiens Premierminister Elio Di Rupo hatte angesichts knapper Kassen darauf bestanden, das 400.000 Euro schwere Budget für einen normalen Nationalfeiertag nicht zu überschreiten.

Es lebe der König!

Schwere Aufgaben für den neuen König

Vor den Parlamentariern gelobte König Philippe, seinem Land zu dienen und den Dialog zwischen den Bürgern zu verstärken. Eine Aufgabe, die nicht leicht werden dürfte, denn Belgien ist gespalten zwischen den Niederländisch sprechenden Flamen im Norden und den frankophonen Wallonen im Süden des Landes. Vor der Unterzeichnung der Abdankungsurkunde im Königspalast in Brüssel hatte Albert II. ein letztes Mal an sein Volk appelliert, die Einigkeit des Landes zu wahren. Vor etwa drei Wochen hatte der 79-Jährige nach knapp 20 Jahren an der Spitze des Landes überraschend seinen Rücktritt verkündet.

Porträt

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Wie am Nationalfeiertag üblich, begannen die Festlichkeiten mit einem Gottesdienst in der Brüsseler Kathedrale. Im Anschluss unterzeichnete Albert im Palast die Abdankungsurkunde. Am Mittag dann leistete Philippe im Parlament seinen Amtseid, dabei trug er die Uniform eines Vier-Sterne-Generals des belgischen Heeres. "Ich schwöre, die Verfassung und die Gesetze des belgischen Volkes zu beachten, die Unabhängigkeit des Landes zu erhalten und die Unversehrtheit des Staatsgebietes zu wahren", sagte er. Um allen Bevölkerungsgruppen gerecht zu werden, legte der neue König seinen Eid in den drei Landessprachen Flämisch, Französisch und Deutsch ab.

Eine große Verantwortung

In seiner ersten Thron-Rede sagte Philippe: "Ich bin mir der Verantwortung bewusst, die auf mir ruht." Den Bürgern sprach der neue König Mut zu: "Die Krise trifft viele Menschen von uns in diesem Land. Ich möchte alle ermutigen, nicht nachzugeben." Belgien solle zudem am europäischen Projekt weiterarbeiten. Seine Ansprache beendete Philippe mit dem Wunsch: "Es lebe Belgien!" Am späten Abend zeigte sich der neue Monarch in Begleitung von Mathilde noch einmal auf dem Balkon des Brüsseler Palastes, um seinem Volk für den "sehr schönen Tag" zu danken. "Lasst und stolz sein auf unser Land", appellierte er an seine Landsleute, von denen sich Tausende vor dem Palast versammelt hatten, um das Feuerwerk zum Nationalfeiertag zu beobachten.

Nach seiner Amtseinführung darf sich Philippe auf eine kräftige "Gehaltserhöhung" freuen. Wie sein Vorgänger erhält er eine jährliche Apanage von rund 11,5 Millionen Euro. Albert bekommt nach seiner Abdankung 923.000 Euro pro Jahr. Er und seine Frau Paola behalten den Titel "König" und "Königin". Auch Königin Fabiola, die 85-jährige Witwe des 1993 verstorbenen Königs Boudewijn, trägt die Ehrenbezeichnung.

Neue königliche Münzen

Neuer König, neues Geld: Mit dem Thronwechsel bekommen die Belgier ab 2014 auch frische Euro-Münzen mit dem Konterfei von Philippe. Die Geldstücke mit dem Antlitz von Albert bleiben aber im Umlauf. Bereits im Herbst soll es Briefmarken mit dem Porträt des neuen Königs geben.

Abdankung aus Alters- und Gesundheitsgründen

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Überraschend kündigte Albert II. seinen Rücktritt als König an.

Mit einer überraschenden Radio- und Fernsehansprache hatte sich Albert II. am 3. Juli an sein Volk gewendet. Darin verkündete er tief bewegt, dass er sein Amt als Oberhaupt des belgischen Königshauses niederlegen werde und damit den Platz frei mache für die nächste Generation - seinen ältesten Sohn Philippe. Der König begründete seinen Rücktritt damit, dass "mein Alter und meine Gesundheit es nicht mehr zulassen, das Amt mit seinen Pflichten so auszufüllen, wie es meiner Auffassung entspricht". Für ihn sei es eine Frage des Respekts vor dem Amt und dem Volk, das zu erkennen. Philippe, so sagte er, sei bereit für diese Aufgaben und genieße das Vertrauen des Volkes. "Die Rolle des Königs muss mit der Zeit gehen." Er sprach am Ende seiner Rede auch Deutsch, eine der Amtssprachen Belgiens: "Es lebe Belgien! Vive la Belgique!" Bei seinem ersten öffentlichen Auftritt nach der Ankündigung seines Vaters würdigte Philippe dessen Amtszeit und sagte: "Ich bin mir der Verantwortung, die auf mir lastet, bewusst und werde mich auch weiter mit ganzem Herzen einsetzen."

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Porträt

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König Albert war nach dem Tod seines kinderlosen Bruders 1993 auf den Thron gekommen. Damals war er bereits knapp 60 Jahre alt und galt als Lebemann mit einer Vorliebe für schnelle Autos. Doch in den 20 Jahren seiner Regentschaft erarbeitete er sich beim Volk viel Respekt. Er ist der erste König Belgiens, der gänzlich freiwillig abtritt. Spekulationen über einen Rücktritt des amtsmüden Seniors kursierten schon seit einiger Zeit.

In den vergangenen Wochen hatten viele Schlagzeilen der Familie das Leben schwer gemacht. Zunächst gab es deutliche finanzielle Kürzungen der Apanagen, dann meldete sich auch eine angeblich uneheliche Tochter des Königs zu Wort, die über eine Klage versucht, offiziell als sein Kind anerkannt zu werden.

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Das Erste | Tagesthemen | 21.7.2013 | 23:15 Uhr