Stand: 24.04.2019 17:19 Uhr

Altgroßherzog Jean mit 98 Jahren verstorben

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Bereits im Jahr 2000 hatte Jean abgedankt und seinem Sohn Henri den Thron überlassen.

Altgroßherzog Jean, Luxemburgs früheres Staatsoberhaupt, ist tot. Der 98-Jährige sei in der Nacht zu Dienstag verstorben, wie sein Sohn und Nachfolger Großherzog Henri (64) mitteilte. Er soll im Rahmen eines Staatsbegräbnisses am 4. Mai in der Luxemburger Kathedrale beigesetzt werden. "Großherzog Jean war ein Vorbild für uns alle", erklärte Premierminister Xavier Bettel. Der aus Luxemburg stammende Präsident der Europäischen Kommission, Jean-Claude Juncker, erklärte in einem Beileidsschreiben: "Der Großherzog Jean war immer nah bei den Luxemburgern, die heute in der derselben Traurigkeit vereint sind."

Diskrete, aber erfolgreiche Amtszeit

Der "Monseigneur" wie ihn seine Landsleute liebevoll nannten, lebte zuletzt zurückgezogen in einem Schloss oberhalb von Fischbach im luxemburgischen Kanton Mersch. Bereits während seiner Regenschaft von 1964 bis 2000 galt der Großherzog aus dem Hause Nassau-Weilburg als unauffälliger Monarch im Kreis des europäischen Hochadels. Sein Leben verlief ohne Skandale, nur wenig Privates drang an die Öffentlichkeit. Sein Amt füllte der streng katholische Staatschef diskret aus. Er verzichtete bewusst auf öffentlich erkennbare politische Äußerungen. Trotzdem führte er das nach Malta zweitkleinste EU-Land erfolgreich. Unter seiner Ägide entwickelte sich das Herzogtum zum gefragten Finanzplatz und zu einem Industriestandort mit modernen Dienstleistungen. Wichtige Institutionen haben in Luxemburg ihren Sitz, wie zum Beispiel der Europäische Gerichtshof oder der Europäische Rechnungshof.

Als stiller Held verehrt

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Altgroßherzog Jean von Luxemburg (Mitte) mit Sohn Großherzog Henri (rechts) und seinem Enkel Erbgroßherzog Guillaume.

Die Luxemburger lieben ihren Jean und verehren ihn als Helden, der stets für die Freiheit und Unabhängigkeit des Landes kämpfte: Im Zweiten Weltkrieg landete er als Soldat der Irish Guards, einer Eliteeinheit der britischen Armee, in der Normandie. Er nahm unter anderem an der Schlacht von Caen teil und kämpfte bei der Befreiung Brüssels mit. 1953 fand er sein privates Glück als er die belgische Prinzessin Joséphine-Charlotte, Schwester der belgischen Könige Baudouin und Albert, heiratete. Gemeinsam bekamen die beiden fünf Kinder: Marie-Astrid (geboren 17. Februar 1954), Großherzog Henri (geboren 16. April 1955), die Zwillinge Jean und Margaretha (geboren 15. Mai 1957) sowie Guillaume (geboren 1. Mai 1963).

Zugunsten seines Sohnes Henri dankte Jean bereits im Jahr 2000 ab und übergab den Thron. "Ich bin der tiefen Überzeugung, dass es klug ist, zu Beginn des neuen Jahrtausends und nach über fünfunddreißigjähriger Regierungszeit die Staatsgeschäfte niederzulegen", begründete der Monarch damals seinen Rückzug. 2005 verstarb seine Frau Joséphine-Charlotte im Alter von 77 Jahren. Genau wie seine Frau wird auch der "Monseigneur" in der Luxemburger Kathedrale beigesetzt. "Das Land verliert einen Menschen, der sich ein Leben lang ganz in den Dienst unserer Heimat gestellt hat", erklärte Luxemburgs Erzbischof Jean-Claude Hollerich.

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