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Sommer in Grönland

Sonntag, 22. August 2021, 15:15 bis 16:00 Uhr

Im Licht der Mitternachtssonne knackt der größte Gletscher der nördlichen Hemisphäre bedrohlich in der Bucht von Ilulissat. Das schmelzende Eis setzt permanent Sauerstoff frei und bringt das Wasser regelrecht zum Sprudeln. "Grönland im Sommer ist wie eine Droge", grinst Christian Berthelsen. Das Eis, das Licht, die Luft: In dieser Jahreszeit schlafen Grönländer wenig. Wer länger als drei Stunden im Bett liegt, gilt als Langschläfer. Der Inuit Christian ist nach ein paar Jahren in der Hauptstadt Nuuk wieder in sein Heimatdorf Qeqertarsuaq zurückgekehrt. Das Stadtleben war ihm zu langweilig. Im Dorf soll er als Produktionsleiter in einer Abfüllanlage für Gletscherwasser arbeiten. Aber eigentlich ist er wegen seiner Hunde zurückgekehrt und wegen der Jagd.

Nah am Wasser gebaut, die meisten Grönländer leben direkt an der Küste. © NDR/Torsten Silbermann
Nah am Wasser gebaut, die meisten Grönländer leben direkt an der Küste.
Robben-Geschnetzeltes nach Thüringer Art

Auf dem Fleischmarkt von Ilulissat sind die Vitrinen gut gefüllt. Ilulissat ist mit gut 4.000 Einwohner*innen die drittgrößte Stadt Grönlands. Auch Robbenfleisch und Walspeck gibt es hier, begehrte Ware für Uta und Ingo Wolf, die ein kleines Restaurant betreiben. Vor einigen Jahren haben es die beiden Thüringer in einer alten Walfängersiedlung eröffnet. Auf der Karte finden sich Gerichte wie Robben-Geschnetzeltes nach Thüringer Art oder Walroulade mit Rotkohl und Klößen.

"Junge komm bald wieder" summt ein Inuit

Moortaaraq Petersen hatte in den 1960er-Jahren Freddy Quinn bei einem Livekonzert in Hamburg erlebt. Vor lauter Begeisterung beschloss er, seinen Sohn nach ihm zu benennen. "Junge komm bald wieder", summt der grauhaarige Inuit täglich in der kleinen Werkstatt, wo er mit seinem Sohn Karl-Freddy arbeitet. Die beiden sind Knochenschnitzer und in Grönland für ihre "Tupilaks" bekannt, kleine Talisman-Figuren, mit denen man Freunden Gutes wünschen und Feinde verfluchen kann.

Gletschereis als Rohstoff für Bier

Die Braumeisterin Helle Leed verflucht oft das Eis, denn die "Ernte" ist eine ziemliche Plackerei. Die junge Dänin muss mitten hinein in die treibenden Schollen des Gletscherstroms. Mit dem Inuit Jörgen Kristensen fischt sie auf einem alten Holzkutter Eis aus dem Meer als Rohstoff für ihr Bier. Ihre Spezialität ist Bier mit Beerengeschmack.

Produktionsleiter/in
Eva-Maria Wittke
Redaktionsleiter/in
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Redaktion
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Carola Meyer
Alexander von Sallwitz
Autor/in
Till Lehmann
Kamera
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Redaktion
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