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Grafschaft am Meer: Kent - England zwischen Nordsee und Ärmelkanal

Donnerstag, 19. April 2018, 21:00 bis 21:45 Uhr

Einer der längsten Kiesstrände Europas: die Landzunge Dungeness an der englischen Südküste.

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Alan Botting zog nicht nur wegen der Schönheit der Landschaft nach Kent. Er macht dort Karriere als Lokführer auf der größten kleinen Eisenbahn der Welt: Die Romney, Hythe and Dymchurch Railway ist eine voll funktionsfähige, ganzjährig im Liniendienst fahrende Dampfbahn im Maßstab 1:3. Die kleinen Loks fahren seit fast 90 Jahren an der Küste von Kent Passagiere hin und her, bis vor Kurzem sogar Kinder auf dem täglichen Schulweg. Zuverlässig sind die betagten Dampffahrzeuge, wenn sie angemessen gepflegt werden. Alan und seine Kollegen führen regelmäßig nach Feierabend Wartungsarbeiten mit einer Hingabe durch, die fast schon an Besessenheit grenzt.

Das Ende der Welt?

Der Küstenort Dungeness ist Endstation der Dampfeisenbahnlinie. So mancher Passagier wähnte sich hier schon am Ende der Welt. Am Rande kilometerlanger Kiesstrände stehen abbruchreife, aber malerische Fischerhütten, zwei Leuchttürme und ein Atomkraftwerk, das sich auf absurde Weise in die Landschaft einfügt. Es handelt sich tatsächlich und ganz offiziell um eine Wüste, die einzige Englands. Und ausgerechnet dieser unwirtliche Streifen Land ist ein beliebtes Ziel für englische Touristen. Wochenendhäuser werden hier von reichen Londonern für absurde Spitzenpreise gekauft: bis zu eine halbe Million Pfund wird für eine Hütte mit Blick aufs Atomkraftwerk gezahlt!

Eine Mini-Eisenbahn und ein Karussell am Strand

Abenteuerliche Vehikel

Auch Trevor Bunney lebt auf dieser windgepeitschten Landzunge. Er arbeitet auf einem Rettungskreuzer im Ärmelkanal. Das Schiff wird vor jedem Einsatz mit einem abenteuerlichen und riesigen Vehikel über den Kiesstrand zu Wasser gelassen. Trevor wohnt nur 200 Meter von seinem gefährlichen Arbeitsplatz entfernt. Trevor würde seine Fischerhütte für kein Geld der Welt hergeben.

Spritztour am Meer

Einmal im Jahr wird es laut und voll und bunt auf den Küstenstraßen der Grafschaft Kent: Der örtliche Scooter-Klub lädt alle Motorollerfans zur Spritztour am Meer. Aus ganz England kommen sie dann auf Vespas und Lambrettas angeknattert. Viele der Fahrer sind sogenannte Mods, unterwegs in maßgeschneiderten Anzügen unterm übergroßen Parka, stilecht wie vor 50 Jahren. Eine offizielle Genehmigung haben die Küstencruiser nicht. Es ist jedes Mal wieder spannend, wie die Polizei reagiert. Vielleicht kann ja eine schillernde Mod-Hochzeit die Beamten milde stimmen?

In der Küstenstadt Whitstable gehört zu den Choreografien der Tanzgruppe Dead Horse Morris (Totes Pferd Morris) ein kräftiger Schlagabtausch mit dicken Holzprügeln. Die Teilnehmer haben geschwärzte Gesichter, um nicht erkannt zu werden. Dieser Brauch war unter Puritanern verboten. Eine Tradition aus den harten Zeiten, als die Matrosen ihre Heuer schon vor der großen Fahrt verprasst haben.

Infos für Touristen

Kent - Der Garten von England

Kent ist eine traditionelle Grafschaft im Südosten Englands. Sie grenzt an East Sussex, Surrey und Greater London. Hier finden Sie Tipps aus der Toruisteninformation in Kent. extern

Das Ende der Luftkissenverbindung von Dover nach Calais

Nicht etwa die Eröffnung des Kanaltunnels im Jahr 1994, sondern das Ende von Duty-free bedeutete auch das Ende der Luftkissen-Verbindung von Dover nach Calais. Am 1. Oktober 2000 wurde der Dienst eingestellt. Das wollten Owen Pullen und sein Sohn Russell nicht einfach so hinnehmen. Also gründeten sie die British Hovercraft Company und begannen, kleine Luftkissenboote zu bauen. Zunächst sehr kleine, gedacht für Sport und Freizeit. Jetzt tüfteln die beiden an ihrem bisher größten Luftkissenboot, einem Sechssitzer für Transport und Rettung in Sumpf oder Wattenmeer.

Gutes Wetter vorausgesetzt, ist Frankreich zwar in Sichtweite; aber die gut 33 Kilometer durch den Ärmelkanal haben es durch extreme Strömung, beachtlichen Tidenhub und starken Schiffsbewegungen in sich. Das gilt vor allem für Schwimmer. Für sie gibt es deshalb einen speziellen Lotsendienst. Lance Oram begleitet schon seit mehr als 20 Jahren wagemutige Menschen mit einer Motorjacht bei ihrem ehrgeizigen Projekt, den Ärmelkanal schwimmend zu durchqueren. Wer neben ihm bei kühlen 17 Grad auf die andere Seite kraulen will, muss zunächst ein knallhartes Training absolvieren.

Autor/in
Michael McGlinn
Produktionsleiter/in
Tim Carlberg
Redaktion
Ralf Quibeldey
Kamera
Jörg Hammermeister
Schnitt
Oliver Stammel
Ton
Stefan Tuchel
Kamera-Assistenz
Jack Smith
Tonmischung
Pierre Brand
Sprecher/in
Patrick Blank
Dagmar Dreke
Sandra Kob
Clemens Gerhard
Volker Hanisch
Gerhart Hinze