Lieb & Teuer

Sonntag, 06. Dezember 2020, 16:00 bis 16:30 Uhr

Janin Ullmann lädt Zuschauerinnen und Zuschauer ein, ihre Familien- und Sammlerstücke ausgewählten Kunstexperten vorzustellen. Diese begutachten und bewerten die Objekte. Dabei können sich unscheinbare Dinge als wahrer Schatz entpuppen.

Taschenuhr "Beamtenfreund"

Taschenuhr "Beamtenfreund" aus der Sendung "Lieb und Teuer". © NDR/Lieb und Teuer
Die Taschenuhr war wohl für Beamte gedacht. Der Beamte galt in der Wilhelminischen Zeit als Vorbild für alle.

Die silberne Halbsavonnette war ursprünglich vergoldet und ist wohl um 1895 gefertig worden. Durch das Fensterchen im Sprungdeckel kann man die Zeit ablesen, obwohl das Gehäuse verschlossen ist. Auf dem Zifferblatt steht die Bezeichnung "Beamtenfreund" und "System Glashütte". Die Uhr sollte ein zuverlässiger Freund des pflichttreuen Beamten sein. Sie trägt einen schweizer Silberstempel, der Hersteller E.S. & Cie. ist nicht zu entschlüsseln. Das "System Glashütte" bezieht sich auf die Art der Hemmung und wurde von Adolf Lange entwickelt. Ab 1866 stand sie auch anderen Firmen zur Verfügung.

Glasfenster mit Schmied-Motiv

Glasfenster mit einem Schmied als Motiv © NDR/Lieb und Teuer
Die farbigen Teile des Glasfensters wurden in Schwarzlot-Malerei geschaffen. Die Signatur am unteren Rand ist nicht mehr lesbar, sodass der Hersteller nicht mehr festgestellt werden kann.

Das schmale hohe Fenster zeigt einen Schmied mit Lederschürze, Amboss, Hammer und Zange, im Hintergrund steht ein Fliehkraftregler. Solche Fenster wurden in den Gebäuden von Innungen, Handwerkskammern, Gewerkschaftshäusern, Rathäusern oder ähnlichen Einrichtungen paarweise oder auch in Serie mit ähnlichen Motiven verbaut. Die farbigen Glasteile sind in Schwarzlot-Malerei gestaltet und mit Bleinähten verbunden. Entstanden wohl im frühen 20. Jahrhundert.

Kurfürstenbibel aus dem 17. Jahrhundert

Aufgeschlagene Kurfürstenbibel aus der Sendung "Lieb und Teuer". © NDR/Lieb und Teuer
Elf sächsische Kurfürsten sind durch Porträt-Stiche in der Bibel aus dem 17. Jahrhundert verewigt.

Der Name der Bibel ergibt sich aus den elf Porträt-Stichen von Kurfürsten und Fürsten des sächsischen Hauses, die in dem dicken und großformatigen Buch enthalten sind. Herausgegeben wurde die Bibel von Ernst der Fromme von Sachsen. Die Bibel war gedacht für Laien und ist mit erklärenden Anmerkungen zum Bibeltext versehen. Die erste Auflage ist von 1641, danach gab es zahlreiche weitere Ausgaben. Diese hier hat keinen Drucktitel, aber anhand der Seitenzahl lässt sie sich als dritte Ausgabe von 1649 identifizieren. Der Ledereinband ist mit zwei Messing-Etiketten mit Besitzervermerk versehen. Ein paar Seiten fehlen wohl.

Aquarell "Vierwaldstätter See" von Eduard Boehm

Gemälde zeigt die Uferpartie des Vierwaldstätter Sees. © NDR/Lieb und Teuer
Das Gemälde "Vierwaldstätter" wurde vom österreichischen Maler Eduard Boehm (1830-1890) gemalt. Der Romantiker hielt in vielen Landschaftsporträts die Schönheit der Alpen fest.

Das Bild zeigt die Uferpartie des Vierwaldstätter Sees, erkennbar an der Tellskapelle, die in der Nähe des Schweizer Ortes Sisikon im Kanton Uri liegt. Sie wurde 1879/80 errichtet, das Aquarell ist also danach entstanden. Die schneebedeckten Gipfel der Alpen sind stimmungsvoll beleuchtet, auf dem spiegelglatten See sind einige Boote mit Personen detailreich dargestellt. Signiert hat das Aquarell der österreichische Maler Eduard Boehm, 1830 in Wien geboren.

Sechs Porzellanteller im Empire-Stil

Sechs Porzellanteller im Empirestil. © NDR/Lieb und Teuer
Die Teller sind wohl zwischen 1804 und 1809 in Paris gefertigt worden.

Auf der Rückseite der Teller finden sich die rot gestempelten Marken: "Manufacture de S.M. L'Impératrice P.L. DAGOTY A PARIS". Es handelt sich um die Fabrikation des bekannten Porzellanmalers Pierre-Louis Dagoty (1771 - 1840). Er hatte die Förderung von Kaiserin Joséphine de Beauharnais und durfte das während deren Ehe mit Napoleon Bonaparte im Firmennamen kenntlich machen. Der Tellerrand ist jeweils mit farbigen Bordüren und Goldmalerei im Empire-Stil verziert. Im Zentrum stehen Tierdarstellungen in idealisierter Landschaft. Der Vogel fällt von der Gattung her aus der Reihe, vielleicht gehörte dieser Teller zu einer eigenen, anderen Serie.

Redaktion
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Moderation
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Redaktionsleiter/in
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